Helmuth Rilling über die Musik von Bach

Anlässlich des 80. Geburtstages von Helmuth Rilling hat das christliche Medienmagazin pro mit dem „schwäbischen Evangelisten“ gesprochen [Artikel im Netz nicht mehr verfügbar]. Rilling, der für den Hänssler-Verlag die Aufnahme des Gesamtwerks von Johann Sebastian Bach geleitet hat, empfiehlt jungen Leuten für den Umgang mit dem großen Komponisten:

„Vor allem für junge Menschen ist es wichtig, dass man versucht, Bach zu verstehen, dass man versucht, seine Botschaft, das was er zu sagen hat, aufzunehmen und sich zu eigen zu machen. Die Sinndeutung ist mir das Wichtigste in meiner Aufgabe als Interpret des Bachschen Werks.“

Ich stimme voll zu. Bachs Musik ist Evangelium in Text UND Musik. Die „investierte Arbeit“, um die Musik zu verstehen, zahlt sich aus!

Schaff’s mit mir Gott, nach deinem Willen

Um das Jahr 1730 vertonte Johann Sebastian Bach einen wunderbaren Text von Benjamin Schmolck:

„Schaff’s mit mir, Gott, nach deinem Will’n,
Dir sei es alles heimgestellt.
Du wirst mein Wünschen so erfüllen,
Wie’s deiner Weisheit wohlgefällt.

Du bist mein Vater, du wirst mich
Versorgen, darauf hoffe ich.“

Dieses Lied wurde mir in letzter Zeit, besonders durch folgende Interpretation, zum Segen. Die Noten des Liedes, einige weitere ermutigende Verse daraus und weitere schöne Kompositionen von Bach stehen im Netz übrigens frei zur Verfügung.

Danke für den Hinweis, VH!

Ei, wie schmeckt der Coffee süße: Bach’s Kaffekantate

Ich musste schmunzeln, als ich heute auf die sog. „Kaffekantate“ von Johann Sebastian Bach stieß. Die weltliche Kantate

„skizziert humorvoll-ironisch eine Szene aus dem bürgerlichen Leben der Leipziger: Herr Schlendrian (Bass) versucht mit wütenden Drohungen seiner Tochter Liesgen (Sopran) die Unsitte des täglichen Kaffeetrinkens abzugewöhnen; erst als er ihr die Erlaubnis zur Heirat in Aussicht stellt, lenkt die eigenwillige Tochter ein, lässt aber heimlich verbreiten, dass sie nur einen Mann akzeptiert, der ihr auch in der Ehe jederzeit das Kaffeetrinken gestattet. […] Der wahrscheinlich bekannteste der insgesamt 10 Sätze ist Liesgens von der Traversflöte begleitete Arie „Ei! wie schmeckt der Coffee süße“.“

Da stell ich mir doch gleich mal ’nen guten Kaffee auf… Den gesamten Artikel kann man hier nachlesen.

Die Sünde der falschen Scham

Wir wurden beim RWE am Samstag nachmittag Zeugen davon, dass viele Gläubige zugaben, sich des Zeugnisses vom Herrn Jesus zu schämen. Diese Not ist nicht neu. Bach hat sich in der Kantate „Herz und Mund und Tat und Leben“ damit auseinandergesetzt und deutlich gemacht, dass das Zeugnis das ganze Leben umfassen sollte (d.h. eben mit Herz und Mund und Tat und Leben).
Der Chor singt entsprechend als Erstes:

„Herz und Mund und Tat und Leben
Muss von Christo Zeugnis geben
Ohne Furcht und Heuchelei,
Dass er Gott und Heiland sei.“

In der ersten Arie macht er dann deutlich, dass hier sehr viel auf dem Spiel steht:

„Schäme dich, o Seele, nicht,
Deinen Heiland zu bekennen,
Soll er dich die seine nennen
Vor des Vaters Angesicht!
Doch wer ihn auf dieser Erden
Zu verleugnen sich nicht scheut,
Soll von ihm verleugnet werden,
Wenn er kommt zur Herrlichkeit.“

Gegen Ende der Kantate äußert er dann die tiefe Bitte:

„Hilf, Jesu, hilf, dass ich auch dich bekenne
In Wohl und Weh, in Freud und Leid,
Dass ich dich meinen Heiland nenne
Im Glauben und Gelassenheit,
Dass stets mein Herz von deiner Liebe brenne.“

Es ist übrigens äußerst interessant, bei dem Wort „brenne“ darauf zu achten, was ich bezüglich des Zusammenhanges von Text und Melodie bei Bach sagte.
Durch den äußerst bildhaften und interessanten Hinweis auf Johannes im Mutterleib macht Bach darauf hin den Gläubigen Mut:

„Der höchsten Allmacht Wunderhand
Wirkt im Verborgenen der Erden.
Johannes muss mit Geist erfüllet werden,
Ihn zieht der Liebe Band
Bereits in seiner Mutter Leibe,
Dass er den Heiland kennt,
Ob er ihn gleich noch nicht
Mit seinem Munde nennt,
Er wird bewegt, er hüpft und springet,
Indem Elisabeth das Wunderwerk ausspricht,
Indem Mariae Mund der Lippen Opfer bringet.
Wenn ihr, o Gläubige, des Fleisches Schwachheit merkt
Wenn euer Herz in Liebe brennet,
Und doch der Mund den Heiland nicht bekennet,
Gott ist es, der euch kräftig stärkt,
Er will in euch des Geistes Kraft erregen,
Ja Dank und Preis auf eure Zunge legen.“

Und dann folgt (nach einer Arie) als Abschluss der Choral, den wir auch im Chor singen:

„Jesus bleibet meine Freude,
Meines Herzens Trost und Saft,
Jesus wehret allem Leide,
Er ist meines Lebens Kraft,
Meiner Augen Lust und Sonne,
Meiner Seele Schatz und Wonne;
Darum lass ich Jesum nicht
Aus dem Herzen und Gesicht.“

Das Stück kann man auszugsweise auch online anhören und parallel dazu die Noten verfolgen.
HIER geht’s zu den Noten (oder HIER nur der Text).

IMSLP

Das IMSLP steht für International Music Score Library Project und bildet wohl die größte Datenbank mit einer unglaublichen Fülle an Notenmaterial der Werke der klassischen Komponisten. Kantaten von Bach gibt es in Hülle und Fülle. Teilweise gibt es auch hörenswerte Aufnahmen. Z.B. das Streich-Oktett op. 20 von Felix Mendelssohn. Herrlich! Parallel dazu kann man dann natürlich auch die Noten als PDF öffnen und verfolgen (hier).

Es lohnt sich, vorbeizuschauen!