Johannes Busch (11): Krankenzimmer als Heiligtum

Es versetzt mich in ehrfürchtiges Staunen, wenn ich lese, wie Busch die letzten Tage seines Vaters auf dieser Erde beschreibt:

„Wenn uns auch solch ein Sterben so fremd, ja, unheimlich war, so spürten wir Kinder dennoch, daß dies Krankenzimmer ein Heiligtum war, über dem die Ewigkeit und der Friede Gottes stand. Was haben wir in den Leidenstagen des sterbenden Vaters für wunderbare Dinge erlebt, die uns das unübersehbar einprägten, wie selbst im Tode die Gegenwart Jesu eine Macht ist. Welch ein leuchtendes Geheimnis lag darüber, als sich der sterbende Mann aufrichtete und uns sagte: ‚Kinder, ich muss euch etwas ganz Köstliches sagen: Jesus ist vor der Tür!‘ “ (S. 63)

Er schreibt weiterhin von einer Nacht, in der er allein bei seinem Vater wachen musste:

„Je und dann kam über den Vater große Not. In solch einem kampferfüllten Augenblick sagte er den 46. Psalm ganz auf.“ (S. 63)

Einige Zeilen später beschreibt er den Augenblick, in dem der Vater stirbt. Die Reaktion der Mutter ist beachtlich:

„So kam der 31. Oktober. Ich spürte, daß es nebenan sehr ernst stand. Da hörte ich auf einmal, wie Mama schier überirdisch rief: ‚Hier hat der Tod keine Macht – hier hat Jesus gesiegt.‘ Dann war es ganz still. […] Nun wußte ich, daß Papa nicht mehr lebte.“ (S. 66)

Johannes Busch (10): Die Macht des Gebets

Ich habe mir heute wieder einmal zur „Nacharbeit“ das Buch „Johannes Busch – Ein Botschafter Jesu Christi“, das von Wilhelm Busch bereits kurz nach dem tragischen Tod seines Bruders geschrieben wurde, vorgenommen. Einige wenige Ausgaben der immer noch empfehlenswerten Biografie sind derzeit zu einem unschlagbaren Preis noch antiquarisch zu erhalten.

Heute möchte ich eine erstaunliche Begebenheit zitieren, die noch einmal den Glauben der Mutter der Busch-Brüder zeigt und uns zum Gebet ermutigt:

„Das war nach dem Tode meines Vaters. Es ging für uns damals durch große Armut hindurch; es war Inflationszeit, wir konnten fast nichts kaufen, dazu war das Geld von einem Tag zum anderen entwertet. So hatten wir einmal keine Kohlen mehr und auch keine Aussicht, wieder an neue zu kommen. Da kommt Mama mit dem letzten Eimer die Treppe herauf. Ich entdeckte plötzlich, daß sie damit zu der alten ‚Tante Mariele‘ wollte, die damals bei uns wohnte. Ich erhob mächtigen Protest, das sei doch der letzte Eimer Kohlen, und Tante Mariele könnte gut zu uns hereinsitzen. ‚Laß nur‘, sagte Mama, ‚ich habe heute morgen über alles gebetet, es wird schon recht werden.‘ Ich weiß nicht, warum mich so heftig der Teufel ritt: ‚Das ist doch Unsinn, es regnet doch keine Kohlen vom Himmel!‘ Aber je mehr und je überzeugender ich sprach, desto ruhiger blieb Mama dabei: ‚Ich habe darüber gebetet; ich mache mir jetzt keine Sorgen.‘ Während ich noch ebenso ‚vernünftig‘ wie heftig antwortete und mit dem Fuß aufstampfte, schellte es und vor der Tür stand – ein Wägelchen mit Kohlen. Wir haben nie erfahren, wer der heimliche Spender war. Sicher, wir haben später auch manchesmal gefroren, und es standen keine Kohlen vor der Tür. Aber ich vergesse nicht das strahlende, glückliche Angesicht von Mama: ‚Glaubst du’s jetzt, daß man beten kann?‘ “ (S. 40)

Herr, lehre uns beten!

Johannes Busch (8): Die Mutter

Es hat mich in der Biografie von Johannes Busch wohl kaum jemand so beeindruckt, wie die Mutter der Busch-Brüder, Johanna Busch. Einige Auszüge sollen dies verdeutlichen:

„Ja, neben Papa stand meine so prächtige Mutter. Als mich bei meiner Ordination der damalige Superintendent Niederstein fragte, wer mich bei meiner Theologie am meisten bestimmt und beeindruckt habe, da habe ich ihm ohne Zögern geantwortet: ‚Meine Mutter‘.“ S. 35

„Vor allem hatte sie eine innige Jesusliebe. Da sank sie einmal todmüde ins Bett und sagte nur noch: ‚Gut Nacht, lieber Heiland!‘ Ja, so stand sie mit Jesus. […] Das kam ihr von Herzen, als sie einmal, zur Zeit, da sie schon Witwe war, uns sagte: ‚O Kinder, ich kann keinen Pfannenkuchen mehr backen ohne den Heiland.'“ S. 35

„Das war wohl das Beherrschende an Mama, ihre ungeheure Ehrfurcht vor der Bibel und ihr treuer, ständiger und inniger Umgang mit ihr. Trotz ihrer ungeheuren Arbeitslast las sie täglich vier Kapitel in der Bibel. Darum wurde sie nie so grimmig als dann, wenn jemand an der Bibel kritisierte. […] Als ich mir in meinen Studentenjahren für sauer erspartes Geld ein Buch des sehr freisinnigen Theologen Strauß, dieses so verheerend liberalen Mannes, anschaffte, hat sie es kurzerhand schnell verbrannt. Auf mein Jammergeschrei hin sagte sie nur sehr ruhig: ‚Wenn auf einem Fläschchen ‚Gift!‘ steht, dann brauchst du es nicht erst auszutrinken, um zu probieren, ob es stimmt.'“ S. 39

„Als ich einmal in den Ferien zu Hause war, erklärte ich, im nächsten Semester wolle ich den berühmten Professor Karl Barth hören. Da setzte sich die Mutter, die damals schon Witwe war, an ihren Schreibtisch und schrieb einen Brief an den bedeutenden Lehrer. Sie fragte ihn ganz offen, ob er auch nicht die Auferstehung Jesu leugne wie so manche andere Professoren. Sie sei vor Gott verantwortlich, und darum möge er freundlich diese Anfrage verstehen.“ S. 39

Als der Vater stirbt und die Kinder anfangen jämmerlich zu weinen, da rief die Mutter „mit starker Stimme: ‚Kinder, wenn wir jetzt keinen Heiland hätten, müßten wir verzweifeln!‘ Dieser Ruf war so vollmächtig, daß alle in überschwenglicher Weise die Gegenwart des Herrn spürten.“ S. 68

Wenn ich solche Passagen lese, dann ermutigt mich das. Das Evangelium kann aus einfachen Menschen große Männer und Frauen Gottes machen. Das will ich glauben!