Was wir von Francis Schaeffer lernen können (9): Die Ziele der Apologetik

1. Ziel (nach außen): Effektive Evangelisation

Wenn wir in L’Abri von Apologetik sprechen, können wir den Begriff nicht von Evangelisation trennen.

Was hat Apologetik mit effektiver Evangelisation zu tun?

Ohne Apologetik schließen wir uns einfach dem Dialog der Tauben an, reden aneinander vorbei und können uns gegenüber Menschen mit anderen Perspektiven, Weltanschauungen und Wahrheitskriterien nicht mehr verständlich machen.

2. Ziel (nach innen): Glaubensstärkung

Die wichtigste Person, mit der ich Apologetik betreiben muss, bin ich selber, damit mein Vertrauen in Gott gestärkt wird – auch in Zeiten der Unsicherheit.

aus: Dick Keyes: Den Glauben verständlich machen in einer nichtchristlichen Gesellschaft. Perspektiven für eine zeitgemäße Apologetik. in: Ron Kubsch (Hrsg.): Wahrheit und Liebe. Was wir von Francis Schaeffer für die Gegenwart lernen können. vkw 2007, S. 93-108.

Was wir von Francis Schaeffer lernen können (8): Befürwortung der Gemeinde

Obwohl Francis Schaeffer sich in seiner Arbeit bemühte, den einzelnen Menschen anzunehmen war er doch „ein Befürworter der Gemeinde“ (S. 88) und drängte die Leute, nach Abschluss ihrer Studien in L’Abri, sich einer lebendigen Gemeinde anzuschließen. (S. 89). Wie stellte Schaeffer sich eine solche Gemeinde vor?

„Die Gemeinde soll an einem Glaubensbekenntnis festhalten, dass aus der Bibel abgeleitet ist und das gesamte Leben umfasst. Kulturbedingte Einsichten sollten nicht als Absolut mit quasibiblischer Autorität hochgehalten werden.“

schreibt Middelmann. Doch er erklärt weiter, was Schaeffer in den Gemeinden seiner Zeit beobachtete:

„Aber er beklagte die verschiedenen Versuche, in der Gemeinde Zirkusatmosphäre nachzuahmen […]. Er erkannte, dass mantra-ähnliche Wiederholungen von Worten und die Verwahrlosung der Lieder in viele Gemeinden heute zu einer Verwässerung von Botschaft und Leben führen. […] Anstatt der Gesellschaft wirklich etwas entgegenzusetzen, glich die Gemeinde oft einem Vergnügungspark und trug damit zur Flucht aus der gesellschaftlichen Realität bei. Sie bediente mehr die Wünsche und die Erwartungen des Volkes, statt dem Menschen in seiner Not zu dienen.“

Schaeffer erkannte, dass in den Gemeinden „die objektive Wahrheit des Christentums zum großen Teil preisgegeben wurde“ (S. 90) und der Fokus zunehmend auf das subjektive Empfinden verlagert wurde:

„Das Leben wird dominiert von der Sehnsucht nach persönlichem Frieden, privaten Interessen […] und Selbstsucht (zur wirtschaftlichen Absicherung).“ (S. 90)

und weiter:

Man beschäftigt sich „einseitig mit der persönlichen Geschichte, mit einer Privatbeziehung ‚zu meinem Freund Jesus‘ und der Rechtfertigung persönlicher Anmaßungen von Autorität ohne Bindung an die Wahrheit.“

Diese Beobachtung lässt sich heute leider mindestens genauso machen.
aus:
Udo Middelmann: Der ungewöhnliche Francis A. Schaeffer, in: Ron Kubsch (Hg.): Wahrheit und Liebe. Was wir von Francis Schaeffer für die Gegenwart lernen können. vkw: Bonn 2007, S. 79-92.
Edith Schaeffer: überlebenshilfe. Die Zehn Gebote. Hänssler: Neuhausen-Stuttgart 1984.

Was wir von Francis Schaeffer lernen können (1)

Nach meiner Lektüre der Entstehungsgeschichte von L’Abri habe ich mir sofort die von Ron Kubsch herausgegebene Dokumentation „Wahrheit und Liebe – Was wir von Francis Schaeffer lernen können“ gekauft (bei Amazon für 11 EUR inkl. Versandkosten erhältlich) und mit Begeisterung gelesen. Kubsch schreibt im Vorwort:

Francis und Edith Schaeffer „haben bei der Entwicklung kulturrelevanter Glaubensstile Pionierarbeit geleistet und vorgelebt, dass Christen gesunde reformatorische Lehre mit einer aufrichtigen Liebe für verlorene Menschen verbinden können.“ S. 11.

Die Edith Schaeffer gewidmete Dokumentation ist um drei Schwerpunkte gegliedert: Der erste Teil möchte dem Leser den Menschen Francis Schaeffer näher bringen. Der zweite Teil ist Schaeffers Apologetik gewidmet und der dritte Teil ist der praktischen Arbeit von L’Abri in der Gegenwart gewidmet. Das Inhaltsverzeichnis steht hier zur Verfügung.
Ich möchte in der nächsten Zeit durch einige Zitate aus der Dokumentation dazu anregen, sich mit Francis Schaeffer zu beschäftigen, seine Bücher zu lesen und Lehren aus seinem Leben zu ziehen.
Zum Einstieg möchte ich auf die frei zur Verfügung stehende kommentierte Bibliografie (das ist die Liste der von Schaeffer veröffentlichen Bücher) aus der Dokumentation hinweisen und die Podcast-Serie von Ron Kubsch über die apologetische Arbeitsweise von Francis Schaffer, in der er auch einiges aus dem Leben von Schaeffer erzählt (jeweils nur ca. 15 Min.), empfehlen:

  1. Die frühen Jahre
  2. Die Krise
  3. Durchbruch&Isolation
  4. Einführung in die Methode
  5. Schluss

Harry Potter und seine Kritiker

Heute sprachen wir mit einigen Freunden über die Bücher von Harry Potter. Ich erinnerte mich dabei an einen Artikel in dem Informationsbrief L’Abri-Akzente, der immer mal wieder von der deutschen L’Abri-Kontaktarbeit herausgegeben wird. Jerram Barrs argumentiert in dem Artikel „Harry Potter und seine Kritiker“ u.a., dass

„in den negativen Vorwürfen ein tiefes Missverständnis und ein unangemessenes Misstrauen gegenüber Fantasyliteratur [liegt]. Man kann manchmal viel mehr Wahrheit vermitteln, indem man eine Phantasiewelt präsentiert, als wenn man die wirkliche Welt beschreibt.“

Ich musste dabei an Fabeln denken. Zum Vorwurf, dass diese Bücher bei Kindern eine Begeisterung für das Okkulte wecken können, schreibt er:

„Keines dieser Bücher fordert aber zu okkulten Praktiken auf. Die Magie ist einfach ein Teil der Phantasiewelten, die Lewis, Tolkien und Rowling geschaffen haben. In einer solchen Phantasiewelt können Menschen unsichtbar werden, können Tiere sprechen, gibt es Fabelwesen wie Einhörner und Zentauren und wirken Ringe und Zaubersprüche Wunder. Beobachten Sie einmal ein Kleinkind beim Spielen, und sie werden viele solcher magischen Dinge beobachten. Aber das ist nicht mit einem Interesse am Okkulten gleichzusetzen.“

Zur Behauptung, Rowling lehre sogar bewusst okkulte Praktiken, merkt er an:

„Das erste Mal, als J. K. Rowling öffentlich die Frage gestellt wurde, ob sie Okkultismus lehre, war sie über die Frage völlig verblüfft. Ihre Antwort lautete: „Ich glaube, Sie sollten mal zum Arzt gehen.“ Sie war darüber erstaunt, dass jemand sie beschuldigen könnte, sie würde Okkultismus lehren. Und als die Kritik immer mehr zunahm, wurde sie persönlich tief verletzt. Als Christ muss ich sagen, dass ich mich zutiefst derer schäme, die mit dieser Art von bösartiger Nachrede reagiert haben.“

Der ganze Artikel kann hier nachgelesen werden. Ich bin mir nicht sicher, ob man der ziemlich positiven Einschätzung von Barrs folgen sollte. Viele Argumente sind auf den ersten Blick nachvollziehbar, dennoch sollte man (vgl. auch den Link von Harrys Anmerkung und die Kommentare dazu) die Gefahr nicht unterschätzen, dem Okkultismus den Zugang zumindest erleichtert zu haben. Es gilt wie immer: Prüfet alles, das Gute behaltet!

Edith Schaeffer: Die Geschichte und die Ursprünge von L’Abri

Ich habe in den letzten Tagen das Buch „Die Geschichte und die Ursprünge von L’Abri“ von Edith Schaeffer (Preis bei Amazon: 0,01 EUR) verschlungen und möchte, noch tief beeindruckt, zur Nachahmung aufrufen. Die Beschreibung auf dem Buchrücken fasst den Inhalt des Buches kurz zusammen:

„Edith Schaeffer, die Frau von Dr. Francis Schaeffer, erzählt lebendig und anschaulich die bemerkenswerte Geschichte von L`Abri (dt. »Obdach«). Im Jahre 1955 zieht die Familie Schaeffer in ein Chalet in die Schweizer Alpen, um einen Ort der Begegnung zu gründen: ohne Geld und ohne konkrete Vorstellungen über ihre Arbeit, aber in der Gewissheit, dass dies ihre Aufgabe ist … Und was mit dem kleinen Chalet begann, entwickelte sich zu einer ganzen Kommunität. Menschen aus allen Lebenbereichen und allen Ländern kommen bis heute nach L’Abri, auf der Suche nach Sinn und Ziel ihres Lebens. Dort finden Sie Christen, die sich persönlich um sie kümmern, ihnen zuhören und Ihnen dabei helfen, Antworten zu finden. Ein fesselndes Buch über eine ungewöhnliche Arbeit, die sich bis heute weltweit in verschiedene Länder verbreitet hat. Es erzählt davon wie Gott heute noch Menschen verändert und gebraucht.“

Es ist ein Buch, dass mir durch die vielen darin beschriebenen Gebetserhörungen deutlich die Wirklichkeit Gottes vor Augen geführt hat. Es hat mich ermutigt, auf auch in schwierigen Phasen Gottes unfehlbarer Führung zu vertrauen und ihm Großartiges zuzutrauen.
Der besondere Reiz von L’Abri liegt für mich auch in der Feststellung (die sich durch die ganze Geschichte zieht), dass objektiver, in gewisser Weise „kühler“ Intellekt und persönlicher, kindlicher Glaube kein Widerspruch sind. Vielmehr ergeben Vernunft und Glaube erst zusammen ein Ganzes.
Das Buch hat mich schließlich auch ermutigt, auch über Gottes Plan für unser Leben neu nachzudenken und um seine Führung zu beten.
Absolute Leseempfehlung für die freien Tage im Sommer!