Überall hat Gott seine Leute

Manchmal erschlägt mich die Vielfalt der christlichen Meinungen. Besonders nach irgendwelchen Tagungen, wo man viele verschiedene Menschen und Ansichten kennenlernt. In den letzten Tagen bewegt mich folgende Passage aus einem Lied von Manfred Siebald:

Mancher findet Gottes Leute nicht wo er sich auf sie freute

– doch sie sind ihm sicher gar nicht fern.

Manchmal nicht in großen Zahlen, manchmal nicht in Kathedralen

– aber immer in der Nähe ihres Herrn.

Gott und sein Reich sind für uns nicht begreifbar. Dort, wo man immer Leben vermutete, sieht man plötzlich die Gefahr des Todes. Dort, wo Wüste zu sein schien, gibt es auch Quellen. Aber es soll uns nicht verwirren, sondern ermutigen:

Überall, überall hat Gott seine Leute, freu dich doch daran.

Überall, überall zündet er sich seine Lichter an.

Interview mit Manfred Siebald

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Manfred Siebald gehört heutzutage zu den bekanntesten und beliebtesten aktuellen christlichen Liedermachern – zumindest im deutschsprachigen Raum. Ich selbst gehöre auch zu den Siebald-Fans, die seine Musik lieben, von ihr profitieren und inspiriert werden.

Ich möchte an dieser Stelle auf das ca. achtminütige Interview „Professor, Liedermacher, Christ“ hinweisen, in dem Manfred Siebald über seine Musik, seinen Glauben und das Ziel seiner Musik spricht.

Außerdem habe ich kürzlich (hier) bekannte Siebald-Lieder in englischer Sprache gefunden. Siebald singt und spielt selber.

Satisfied Mind

Ich hörte vor einiger Zeit – nur so nebenbei – das Johnny Cash-Album „American VI: Ain´t No Grave„. Bei dem Lied „Satisfied Mind“ musste ich dann aber doch genauer hinhören:

How many times have
You heard someone say
If I had his money
I could do things my way

 

But little they know
That it’s so hard to find
One rich man in ten
With a satisfied mind

 

Once I was winning
In fortune and fame
Everything that I dreamed for
To get a start in life’s game

 

Then suddenly it happened
I lost every dime
But I’m richer by far
With a satisfied mind

 

Money can’t buy back
Your youth when you’re old
Or a friend when you’re lonely
Or a love that’s grown cold

 

The wealthiest person
Is a pauper at times
Compared to the man
With a satisfied mind

 

When my life has ended
And my time has run out
My friends and my loved ones
I’ll leave there’s no doubt

 

But one thing’s for certain
When it comes my time
I’ll leave this old world
With a satisfied mind

 

How many times have
You heard someone say
If I had his money
I could do things my way

 

But little they know
That it’s so hard to find
One rich man in ten
With a satisfied mind

Dieses Lied erinnert mich immer wieder daran, dass es nicht Geld ist, was reich (und vor allem glücklich) macht. Reich wird man anders! Und wirklich reiche Menschen können auch arm sein.

Manfred Siebald drückt es in seinem Lied „Land ohne Lächeln“ auch sehr treffend aus. In dem Lied geht es um einen afrikanischen Studenten, der einen Brief nach Hause schreibt und den Leuten daheim von seinen „ersten deutschen Eindrücken“ erzählt. Und so schreibt er an einer Stelle: „In diesem Land wird wohl meistens zunächst an Geld gedacht und später dann erst an das, was das Leben reicher macht“.

Was reich macht ist zu aller erst Christus – und nur Christus! Und die wirklich Reichen sind die Dankbaren, sind die, die Freunde – und zwar echte Freunde – haben und die, die das Leben als Geschenk von Gott, als Gabe von ihm betrachten.

Geh unter der Gnade

Das Lied „Geh unter der Gnade“ von Manfred Siebald ist in christlichen Kreisen weit verbreitet. Vielen Menschen wurde und wird dieses Lied als Segenswunsch für einen neuen Lebensabschnitt mitgegeben.

Zur Entstehunggeschichte dieses Liedes schreibt Manfred Siebald in seinem Buch „Gib mir den richtigen Ton“ folgendes:

Das Lied „Geh unter der Gnade“ entstand 1987 als Ausdruck meiner guten Wünsche, die den Verleger Friedrich Hänssler an seinem 60. Geburtstag in einen neuen Abschnitt seines Lebens begleiten sollten. Schon lange war dieser kurze, prägnante Satz mit mir gegangen. In dem autobiographischen Buch „A Severe Mercy“ (Eine harte Gnade) von Sheldon Vanauken hatte ich gelesen, wie Freunde um den Literaturwissenschaftler und christlichen Apologeten C. S. Lewis sich mit dem Satz „Go under the mercy“ voneinander verabschiedeten.
Die Einfachheit dieses Abschiedsgrußes und die Natürlichkeit, mit der darin die Gnade und Barmherzigkeit Gottes in Anspruch genommen werden, berührten mich tief. Ich trug den Satz lange in mir herum, bis er mir (auf einer langen Autofahrt durch Südfrankreich in Richtung Korsika) als Formulierung meiner Geburtstagswünsche wieder einfiel. Ich entwickelte ihn weiter, ersetzte den rhythmisch hier schwer singbaren Begriff „Barmherzigkeit“ durch das einfachere, aber auch umfassendere Wort „Gnade“ und versuchte zu beschreiben, dass das Leben unter der Gnade Gottes zwar ein Geschenk ist, dass dieses Geschenk aber immer wieder angenommen werden will. Dass mich ein geschenkter Regenschirm an einem stürmisch-nassen Tag beschützen kann, werde ich feststellen, wenn ich ihn festhalte und unter ihm bleibe. Und um Gottes Gnade zu erfahren, muss ein Mensch die Nähe Gottes suchen: „Naht euch zu Gott, so naht er sich zu euch“ (Jakobus 4,8).
Im Bild der Zeit als Kleid – alt und vertraut oder neu und ungewohnt – beschrieb ich den Eintritt in einen neuen Lebensabschnitt als menschliche Schwierigkeit und gleichzeitig göttliche Gelegenheit.
In diesem Sinne also an jeden Leser: Go under the mercy! Eine gesegnete Woche.

Manfred Siebald über C. S. Lewis

Die Bücher und Essays von C. S. Lewis machten mir die Wichtigkeit logischen und klaren Denkens innerhalb einer ganzheitlichen Existenz deutlich. Nachdenken über Gott durfte nicht vom eigenen Gehorsam abgekoppelt werden, und doch (oder deshalb) konnte es sich der Glaube leisten, sich mit kritischen Fragen auseinanderzusetzten, weil er ja von viel mehr lebte als nur von theoretische Begründungen.

Wieder mal Gott gespielt!

Gestern hörte ich im Radio von dem Witwer Ulrich Koch, der momentan dabei ist die deutschen Behörden anzuklagen, weil seiner Frau – seiner Meinung nach – ein menschenwürdiger Tod verweigert wurde.
Heute fand ich einen entsprechenden Artikel bei pro [Artikel nicht mehr abfrufbar]:
Sollte es in Deutschland ein Recht auf Sterbehilfe geben? Um diese Frage ging es bei der Beschwerde von Ulrich Koch vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR). Deutsche Behörden hatten seiner querschnittsgelähmten Frau ein Medikament zur Selbsttötung verwehrt, darin sah Koch einen Verstoß gegen ihr Recht auf menschenwürdiges Sterben. Doch der Gerichtshof beschränkte sein Urteil auf Verfahrensfragen.
Die Frau des Klägers, Bettina Koch, war 2002 nach einem Sturz vom Hals abwärts gelähmt, musste künstlich beatmet und teilweise ernährt werden. Beim Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte beantragte sie zwei Jahre später die Erlaubnis für eine tödliche Dosis Schlafmittel, um sich selbst das Leben zu nehmen. Das lehnte das Amt ab. Daraufhin reiste die Familie in die Schweiz, wo sich Frau Koch mit Hilfe des Vereins „Dignitas“ selbst tötete. Über eine spezielle Vorrichtung nahm sie das Getränk dafür ohne fremde Hilfe zu sich.
Im Radio gab Ulrich Koch zu verstehen, dass er weiterkämpfen werde – für seine Frau, die vielleicht von oben zuschaue.
Ich musste an Manfred Siebald denken, der unsere Gesellschaft in seinem Lied „Wieder mal Gott gespielt“ herausfordert – nicht zuletzt in der Frage nach der Sterbehilfe.