Das Predigeramt aus Sicht eines Puritaners (6): Beweggründe, die antreiben sollen, auf die ganze Herde Acht zu haben

Schon eine lange Zeit (fast 9 Monate) habe ich nicht mehr über das Buch von Richard Baxter gebloggt; vor kurzem jedoch wurde ich ermutigt, trotz der langen Zeit weiter über den Inhalt des Buches zu berichten, was ich hiermit tun möchte.

Damit ihr einen kleinen Überblick zum Wiedereinstieg habt ist hier ein ganz grober Überblick über das bereits Geschriebene: Nachdem Baxter erläutert, warum er dieses Buch verfasst hat – nämlich um den geistlichen Stand seiner Zeit aufzurütteln – geht er in dem ersten Teil auf die Prediger selbst ein und sagt ihnen, dass sie Acht auf sich selbst haben sollen und nennt Bereiche, in denen zuallerst sie auf sich Acht haben müssen und nennt danach acht Beweggründe warum das Acht-auf-sich-selbst-haben so wichtig ist. Im zweiten Teil des Buches (nachdem der Prediger/Älteste seinen geistlichen Zustand geprüft hat) geht er dann darauf ein, wie die Aufsicht über die Herde aussieht und geht als erstes auf die Beschaffenheit der Aufsicht ein und danach in 15 Punkten, wie diese Aufsicht durchgeführt werden soll. Den Teil des Buches schließt Baxter wie den ersten Teil des Buches ab: Er nennt Beweggründe, die (wie gesagt, nachdem der Prediger das auf-sich-selbst-Acht-haben zu Herzen genommen hat) antreiben sollen, seiner Aufgabe, nämlich dem Acht-haben-auf-die-ganze-Herde, nachzugehen. Er nennt vier Gründe, die er allesamt aus dem dem Buch zugrundeliegenden Vers aus Apostelgeschichte 20,28 ableitet.

Als allerstes macht der Text auf das Verhältnis zu der Herde aufmerksam- die Prediger sind als Bischöfe über sie gesetzt. Die Natur des Amtes fordert den Ältesten/Prediger schon auf, Acht zu haben. Gerade dies ist für Baxter sehr wichtig, da es einen großen Feind gibt, der ,so Baxter, zehn bis zwanzig Mal zu einem Sünder spricht, während der Prediger oft nur einmal Gelegenheit dazu hat.

Wie viele lassen sich, nach einer scheinbar durchgreifenden Veränderung wieder täuschen von den Ehren und Freuden der Welt und in ihre früheren Lüste verstricken! Wie viele gehen bloß statt eines schändlicheren Weges der Befreidigung der Fleischeslust einen etwas ehrenvolleren, wo ihr Gewissen nicht so stark beunruhigt wird! (…) Wie bald kann selbst in bekehrten Menschen die Gnade verlöschen, wenn ihr sie vernachlässigt.

Der zweite Grund liegt in dem Urheber des Amtes, dem Heiligen Geist. Er hat sie zu Aufsehern gesetzt und deswegen sollen sie Acht haben. Der Heilige Geist wirkt laut Baxter bei der Besetzung der Gemeindeämter 1) indem er Personen dazu aurüstet 2) indem er so leitet, dass sie ihre Gaben erkennen und 3) indem er sie und die Gemeinden in ihrer Verantwortung befestigt. Weil der Auftrag also vom Himmel kommt, muss ihm gehorcht werden.

Der dritte Grund handelt von der Würde der Aufgabe: Es geht um die Gemeinde Gottes, über welche der Heilige Geist sie zu Aufsehern gesetzt hat. Baxter macht deutlich, dass die Gemeinde das auserwählte Geschlecht, das königliche Priestertum, das heilige Volk ist und die Ältesten sind die Priester unter diesen Priestern, die Leiter dieses Volkes von Königen und hofft, dass sie dadurch von ihrer Trägheit wachgerüttelt werden.

In Gottes eigenem Haus sind wir Haushalter, und diesen Beruf sollten wir vernachlässigen? Sollten wir ihm nicht die Heiligen – welche Gott in Ewigkeit schauen werden in seiner Herrlichkeit – für seinen Himmel erziehen? Und um solche sollten wir uns nicht kümmern? Das verhüte Gott!

Der letzte Beweggrund ist zugleich wohl der stärkste. Es geht um den Preis, der für die Gemeinde gezahlt worden ist, über welche der Heilige Geist sie zu Bischöfen gesetzt hat: „… die er (Jesus) durch sein eigenes Blut erworben hat!“ Einen Teil seiner Ausführung möchte ich wiedergeben und lasst uns darauf achten, ob wir uns nicht auch darin wiederfinden, was den Dienst, in den Gott uns gestellt hat und die Aufgaben betrifft, die er uns gegeben hat:

O, so lasst uns nun diese mächtigen Worte Jesu hören, wann immer wir träge und sorglos werden: „Wie? Ich bin für diese Seelen gestorben und du willst nicht einmal über sie wachen? Ich habe sie meines Blutes wert geachtet, und du hältst sie nicht deiner Arbeit wert? Ich bin vom Himmel auf die Erde gekommen, um zu suchen und selig zu machen, was verloren war, und du willst nicht in das nächste Dorf, die nächste Straße, das nächste Haus gehen, um sie zu suchen? (…)“.

O wie wird das einmal einen faulen Prediger zu Boden schlagen, wenn am Jüngsten Tage das Blut des Sohnes gegen ihn zeugt! Und wenn nun Christus zu ihm sagt: „Dasjenige, was ich mit meinem Blut erworben habe, hast du gering geschätzt, und nun meinst du, selbst durch dieses Blut selig zu werden?“ O meine teuren Brüder, da Christi Blut einmal zeugen soll für oder gegen uns, lasst es uns gläubig ergreifen, lasst uns durch dasselbe mit ihm in Gemeinschaft treten, lasst es uns unablässig vor Augen stehen, damit es im Gericht dereinst Zeugnis ablege zu unserer Seligkeit und nicht zu unserer Verdammnis.

Im nächsten Teil des Buches kommt Baxter dann zur Anwendung…

Das Predigeramt aus Sicht eines Puritaners (5): Die Art und Weise der Aufsicht

Nachdem Baxter zuerst von der Beschaffenheit der Aufsicht, die ein Bischof üben soll, gesprochen hat, geht er nun in 15 kompakten Punkten darauf ein, wie die Aufsicht durchgeführt werden soll. Von den 15 Punkten, von denen keiner an Aktualität verloren hat und jeder sehr wichtig ist, möchte ich die für mich wichtigsten kurz wiedergeben.

Als ersten Punkt nennt Baxter die Motivation.

1. Das Predigtamt muss allein um Gottes Willen zur Errettung von Menschenseelen ausgeführt werden und nicht um unsertwillen zu selbstsüchtigen Zwecken. Ein schlechter Zweck macht jede Tat schlecht, so gut sie an sich selbst auch sein mag. […] Selbstverleugnung ist für jeden Christen unumgänglich, aber für einen Prediger doppelt notwendig, denn ohne sie kann er Gott nicht eine Stunde lang treu dienen.

Ein anderer Punkt betrifft die Verkündigung.

4. In unserem ganzen Predigtamt müssen wir  vornehmlich immer die Haupt- und Grundwahrheiten vortragen und seltener die anderen. Wenn wir nur Christus unseren Gemeinden verkündigen, dann verkündigen wir ihnen alles. Wohnt er in ihnen und sind sie durch ihn in das himmlische Wesen versetzt, so haben sie Weisheit und Erkenntnis genug. Die großen, allgemein anerkannten Wahrheiten des Evangeliums sind es ja, durch welche der Mensch neues Leben erhält, die Herrschaft der Sünde in ihm vernichtet und er in Gottes Reich versetzt wird.

In den Predigten müsse immer geschaut werden, was die Zuhörer am meisten bedürfen. Und auch, wenn es dann oft das gleiche ist, was gesagt wird, so ist doch dann gerade das Notwendige und- wie der alte Kriegsmann Xenophon einmal sagte- gibt es keinen besseren Lehrer als die Notwendigkeit, welche der gründlichste Lehrer ist“.

Was die Durchführung betrifft so sagt Baxter folgendes:

6. Das Predigtamt muss in großer Demut geführt werden. Auch den Kleinsten müssen wir uns sanftmütig und freundlich zuwenden; und immer so lehren, dass wir von jedem zu lernen bereit sind und daher immer lehren und lernen zugleich;

Gott hatte einen stolzen Engel aus dem Himmel gestoßen – kein stolzer Prediger sollte erwarten, von eben diesem Gott in den Himmel aufgenommen zu werden. Stolz ist die Quelle aller Sünden der Neid produziert, der Streit und Zank unter den Geistlichen und Theologen hervorruft.

[…] daher kommen alle Hemmnisse, die sich den Verbesserungen des kirchlichen Zustandes in den Weg stellen; alle möchten gern Anführer sein keiner sich anschließen oder folgen. Darum stehen so viele Prediger still, weil sie zu stolz sind, um zu lernen. Demut würde sie etwas anderes lehren.

Prediger sind zudem oft Anfeindungen von Sündern (und leider auch Mitchristen) ausgesetzt, weil sie ihnen die Wahrheit sagen müssen – dort sanftmütig zu bleiben ist für einen stolzen Prediger schier unmöglich.

9. Unser ganzes Amt muss in zärtlicher Liebe zu unserer Gemeinde ausgeführt werden. […] Wir müssen ihnen gegenüber so gesinnt sein, wie ein Vater gegen seine Kinder; ja die zärtlichste Mutterliebe muss unser Vorbild sein. […] Sie müssen sehen können, dass für uns nicht Reichtum, nicht Ehre, nicht Bequemlichkeit und Wohlstand, ja nicht das Leben selbst in Vergleich zu setzen ist mit ihrem Heil; dass wir, wie Mose, gern unsere Namen auslöschen ließen aus dem Buch des Lebens, d.h. ehe wir ihre Namen möchten fehlen lassen in dem Buche des Lammes.

Einem Menschen, der einen wirklich liebt, folgt man gerne und man lässt sich auch eher etwas von ihm sagen. Wichtig ist aber, dass die Liebe, die man der Gemeinde entgegenbringt, 1) keine fleische Liebe ist, die für sich und nicht für Christus wirbt und 2) eine wahre und somit heilige Liebe ist, die Sünde nicht übersieht, denn zur Liebe gehören auch Schärfe und Strenge (Hebr. 12, 6). Augustinus sagt dazu: Es ist besser mit einer gewissen Strenge zu lieben, als durch eine zu große Milde zu verführen“.

11. Alles, was wir tun, muss in heiliger Ehrerbietung geschehen, als vor dem Angesicht Gottes und nie dürfen wir seine heiligen Angelegenheiten leichtfertig und wie Dinge dieses zeitlichen Lebens behandeln.

Eine solche Ehrerbietung sei die Folge von einem Herzen das viel mit Gott im Umgang steht und sich der beständigen Abhängigkeit von Gott bewusst ist. Wer dagegen die göttlichen Dinge ohne Ehrfurcht behandelt, zeigt damit dass Herz und Zunge bei ihm nicht übereinstimmen und er somit nichts anderes als ein Heuchler ist. Hieronymus sagt folgendes zum Predigen: „Die Lehre von deiner Kanzel sollte die Zuhörer nicht zum Applaudieren bringen, sondern ihr Stöhnen hervorrufen; ihre Tränen sind dein Lob.“

13. Wenn ihr Gedeihen in eurem Amt sehen wollt, so habt immer eine innige Sehnsucht und eine lebendige Hoffnung, segensreiche Wirkungen eurer Tätigkeiten zu sehen. Sind eure Herzen nicht immer auf das Ziel eurer Arbeit gerichtet und verlangt euch nicht danach, die Bekehrung und das Wachstum eurer Zuhörer zu sehen und wirkt und predigt ihr nicht immer in Hoffnung, so werdet ihr nicht viel Segen erhalten. […] Nein, alle die Christus verkündigen und predigen, damit Menschen selig werden, dürfen auch keine Ruhe haben, ehe sie nicht zu dem Ziel ihrer Predigt gelangt sind.

Baxter nimmt zwei anschauliche Vergleiche vor: Einem Arzt reicht es ja auch nicht, seinen Patienten immer nur Medikamente zu verschreiben – er will das der Kranke schnell gesund wird; ein redlicher und geschickter Schulmeister will nicht nur immerfort unterrichten, ohne dass er Fortschritte bei seinen Schülern wahrnimmt. Beide wären ansonsten in ihrem Beruf viel mehr eine Last – wie viel weitreichender und tragischer ist solche Einstellung bei einem Prediger!

Der letzte Punkt den ich anführen möchte unterstreicht die Wichtigkeit des Gebets für das Predigtamt. Da es ein sehr ermutigender und schöner Punkt ist wie ich finde, möchte ich ihn ganz wiedergeben.

14. Wir müssen unser Amt in einem tiefen Gefühl unserer eigenen Untüchtigkeit und unserer gänzlichen Abhängigkeit von Christus führen. Licht, Leben und Kraft müssen wir immerdar bei dem suchen, der uns in seine Ernte gesandt hat. Finden wir unseren Glauben zu schwach und unser Herz träge und stumpf und untüchtig für unser großes, heiliges Werk: so sollen wir zu ihm gehen und sprechen: „Herr, willst du mich denn aussenden mit solch einem Herzen voll Unglauben, um andere zum Glauben zu erwecken? Soll ich denn täglich den armen Sündern das ewige Leben und den ewigen Tod vor die Augen stellen und ich selbst werde davon so wenig berührt? O sende mich doch nicht so nackt und bloß und unversorgt zu deiner Arbeit; wie du sie mir befohlen hast, so rüste du mich auch mit dem Geist aus, dessen ich dazu bedarf. Das Gebet ist ebenso wichtig für unser Werk wie die Predigt; wer nicht inbrünstig betet für seine Gemeinde, der predigt auch nicht von herzen zu ihr. Erlangen wir es nicht von Gott im Gebet, dass er ihnen Buße und Glauben schenkt, so werden wir es von ihnen auch nie erlangen, dass sie Buße tun und glauben.

Das Predigeramt aus Sicht eines Puritaners (4): Die Beschaffenheit der Aufsicht über die Herde

In den vorangegangenen zwei Kapiteln ist Baxter zuerst auf den Satz „Habt Acht auf euch selbst“ eingegangen. Es war ihm ein wichtiges Anliegen, dass die Prediger zuerst über ihren eigenen Zustand und das, was sie für ihre eigene Seele tun müssen, nachdenken, bevor überhaupt überlegt werden kann, was für den Nächsten/die Gemeinde getan werden muss. Ansonsten kommt es zu dem Problem, dass das, was sie öffentlich verkündigen, durch ihr Verhalten wieder in Zweifel gezogen wird.

„So kommt es, dass sie als Prediger einen Weg vorgeben, der viel zu unwegsam für die Herde ist.“

In dem zweiten Teil, „Die Aufsicht über die Herde“, geht er in dem ersten Kapitel auf die Beschaffenheit dieser Aufsicht ein. Zuerst geht er auf zwei Bemerkungen ein, die in dem Text (Apg. 20,28) vorausgesetzt werden. Hier wird vorausgesetzt, dass 1) „jede Herde ihren eigenen Hirten und jeder Pastor seine eigene Herde“ haben soll und 2) dass die Herden nicht zu groß sein dürfen, damit die Aufsicht über sie möglich ist. Nach diesen Vorbemerkungen geht er darauf ein, was es heißt, „Acht zu haben auf die ganze Herde“.

Es bedeutet, dass wir, da ja von der „ganzen“ Herde die Rede ist, einen jeden einzelnen in unserer Gemeinde kennen sollten, damit wir recht Fürsorge für ihn tragen können. Dieses lehrt die Bibel, dieses ist auch die Praxis der alten Kirche gewesen. Ignatius sagte dazu:

„Lasst die Gemeinde oft zusammenkommen; fragt nach jedem namentlich; verachtet auch die Knechte und Mägde nicht.“

Eine große Gemeinde darf nicht als Entschuldigung dienen, dass man nicht alle seine Mitglieder namentlich kennt oder einzeln auf sie Acht haben könne. Wenn dem so ist, solle man sich eher einen Gehilfen „leisten“ und bereit sein, um der Gemeinde willen in Armut zu leben. Baxter argumentiert:

„Ich weiß wohl, es mag einigen hart scheinen, was ich jetzt sage, aber für mich ist es eine unzweifelhafte Sache, dass du, wenn du auch nur 100 Pfund jährlich hast, eher verpflichtet bist, nur von einem Teil dieser Summe zu leben und das Übrige einem tüchtigen Gehilfen zu geben, als dass du die Herde, über welche du gesetzt bist, vernachlässigen dürftest.“

Acht zu haben auf die ganze Herde heißt aber auch, dass man nicht nur jeden Einzelnen in der Herde kennt, sondern auch einzelne Gruppen in derselben. Hier geht Baxter auf sechs Gruppen ein, von denen ich zwei erwähnen möchte.

Das wären als erstes die Unbekehrten. Baxter macht deutlich, dass das Werk der Bekehrung das „große Ziel, auf welches alle unsere Bemühungen gerichtet sein müssen“ ist, mit dem wir „uns ganz vorrangig“ beschäftigen müssen. Er zeigt einen entscheidenden Unterschied zwischen wahrhaft bekehrten und Unbekehrten auf:

„Wenn ein wahrhaft bekehrter Sünder fällt, ist es doch meist nur in eine Sünde, die ihm vergeben wird, und er steht nicht in Gefahr der Verdammnis. Nicht als ob seine Sünden Gott nicht eben so sehr ein Gräuel wären, oder dass er ihn trotzdem in den Himmel brächte, auch wenn er ein übles Leben führt; aber der ihm geschenkte heilige Geist wird nicht zulassen, dass er gottlos lebt, oder ebenso sündige, wie die Unbekehrten. Ganz anders ist es mit diesen. Sie sind noch tot in Übertretungen und haben keinen Anteil an der Vergebung der Sünden und der Hoffnung der Herrlichkeit.“

Ein Mensch der im Sterben liegt erregt mehr Mitleid und unsere Bereitschaft zu helfen als einer der Zahnschmerzen hat. Baxter betont, dass auch gerade in den Predigten immer zu den Sündern gesprochen werden muss.

„Welcher Mensch kann es doch wohl übers Herz bringen, vor einer Versammlung von unwissenden, fleischlich gesinnten Sündern , die, wenn sie sich nicht bekehren, in die Verdammnis fahren, von kontroversen oder subtilen Untersuchungen , oder selbst Wahrheiten von geringerer Wichtigkeit zu predigen? Mir ist, als sähe ich sie schon in das Elend ohne Ende hinübergehen. (…) Ihr Elend redet umso lauter, weil sie kein Herz haben, das selbst um Hilfe bittet.“

 Baxter appelliert auch an das Fingerspitzengefühl der Prediger, dass sie die Aufgabe haben, die Leute zur Selbstprüfung zu bringen und den Sünder auf seine Sünde hinzuweisen und ihm nicht den Anschein geben, dass er gerecht sei (Spr. 24, 24). Baxter führt an, dass Menschen verloren gehen weil sie Christus verachten und oft verachten sie ihn, weil sie sich fest einbilden, dass sie schon Anteil an ihm und seiner Erlösung haben, obwohl sie nicht wiedergeboren sind.

„Wie kam es denn aber, dass sie in einer solchen Unwissenheit verharrten, sogar bis es zu spät war? Weil sie Lehrer hatten, die sie fern hielten von der wahren evangelischen Erkenntnis und sie weder öffentlich, noch einzeln von ihrem elenden Zustand und der Notwendigkeit eines Heilandes überzeugten!“

Eine andere wichtige Gruppe, die ganz besondere Aufmerksamkeit bekommen sollte, sind die Familien. Ein Ältester sollte darauf Acht haben, wie es in den Familien zu geht und darauf Acht haben, dass die Familienverhältnisse geordnet sind und jeder darin seine Pflicht tue. Das christliche Leben, die Wohlfahrt und Blüte von Kirche und Staat, die Wirksamkeit der Bemühungen zur Erneuerung der Gemeinde – all das hängt in hohem Grade vom Hausregiment und von den Familienhäuptern ab. Das Familienhaupt – also der Mann und Vater – ist, wenn er seinen Pflichten nachgeht, eine Unterstützung für die Ältesten/Prediger.

„Wenn in einer Seele ein gutes Werk anfängt, wie leicht kann ein leichtsinniges, gebetloses, weltliches Familienleben es wieder zerstören oder es doch sehr aufhalten! Tun aber die Hausväter ihre Pflicht und nehmen das Werk da wieder auf, wo wir aufgehört haben und führen es weiter, wie viel Gutes kann da geschehen! Darum bitte ich euch, wenn ihr euch nach der Erneuerung und nach dem Aufblühen eurer Gemeinde sehnt, so tut alles, was ihr könnt, um das Christentum in den Familien zu fördern.“

Baxter rät z.B., dass man sich erkundigen soll, wie es in jeder Familie steht, sie gelegentlich zu besuchen und dem Hausvater seine Pflichten vor zu halten und die Wichtigkeit des persönlichen Gebets zu unterstreichen. Außerdem soll dafür gesorgt werden, dass sich neben der Bibel noch andere gute Bücher im Haus befinden, die dann abends nach der Arbeit, besonders aber sonntags gelesen werden sollen. Kann die Familie nicht für solche Bücher aufkommen, soll der Älteste dafür aufkommen oder zumindest dafür sorgen, dass die Familie solche Bücher bekommt.

Zudem soll den Familien eine Anweisung gegeben werden, wie der Sonntag verbracht werden soll- sich aller Arbeit entledigen und nach dem Kirchenbesuch die Zeit mit der Familie verbringen. Ein interessanter Vorschlag von Baxter für den Sonntag:

„Ermahnt ferner jeden Hausvater, dass er sonntagabends seine Kinder und Dienstboten den Katechismus aufsagen und sich erzählen lasse, was sie den Tag über in der Kirche gehört haben.“

Zuletzt betont Baxter nochmal die Wichtigkeit gesunder Familien in der Gemeinde:

„Wenn der Zustand der Familien sich nicht wesentlich ändert, wird sich auch der Zustand eurer Gemeinden nicht wesentlich ändern.“

 (Die anderen Gruppen auf die Baxter eingeht sind 2) die Suchenden 3) die Förderung der wahrhaft Bekehrten (hier unterteilt er in Junge und Schwache; Christen mit einem bestimmten Problem; Christen, die dabei sind abzufallen; und die Starken) 5) die Kranken 6) diejenigen, die ein anstößiges oder unbußfertiges Leben führen, ihre Sünden vorzuhalten)

Aus der letzten Gruppe folgt dann auch der 7. Punkt, den Baxter anführt, der keine Gruppe mehr darstellt, aber der unerlässlich für die Leitung der ganzen Herde ist: Die Kirchenzucht.

Das Predigeramt aus Sicht eines Puritaners (3): Acht Beweggründe, warum Prediger auf sich Acht haben müssen

Nachdem Baxter gezeigt hat, in welchen Bereichen Prediger auf sich Acht haben müssen, nennt er acht Beweggründe, um die Prediger zu dieser Pflicht wachzurütteln.

1. Habt Acht auf euch selbst, denn ihr habt einen Himmel zu gewinnen oder zu verlieren, Seelen, die ewig selig oder ewig unselig werden; und darum müsst ihr bei euch selbst anfangen und auf euch genauso gut Acht haben, wie auf andere.

2. Habt Acht auf euch selbst, denn ihr habt eine verderbte Natur und sündige Begierden, so wie jeder andere. […] Ist nicht noch viel höllisches Feuer unausgelöscht in uns, das früher mal in unseren Herzen angezündet wurde, sind nicht so viele Verräter mitten in unserem Herzen, und wir sollten nicht Acht haben auf uns selbst? Ihr werdet doch die kleinen Kinder, solange sie noch schwach sind, gewiss nicht alleine gehen lassen, ohne ihnen wenigstens zuzurufen, dass sie sich in Acht nehmen möchten, nicht zu fallen. Ach, und wie schwach sind gerade die unter uns, welche die stärksten zu sein scheinen!

3. Habt Acht auf euch selbst, denn der Versucher wird euch größeren Versuchungen aussetzen, als andere Menschen. Wollt ihr die Anführer sein in dem Krieg gegen den Fürsten der Finsternis, so wird er euch nur so weit verschonen, wie Gott es ihm zulässt. […] Diese Art des Kampfes, die Hirten zu schlagen, damit die Schafe der Herde sich zerstreuen, wendet er schon lange an gegen Große wie gegen Kleine.

4. Habt Acht auf euch selbst, denn viele Augen sind auf euch gerichtet, und viele können euren Fall sehen. Ihr könntet keinen Fehltritt begehen, ohne dass die Welt nicht davon erfahren würde.

5. Habt Acht auf euch selbst, denn eure Sünden sind gehässiger und schlimmer, als die Sünden anderer Menschen.

Baxter nennt drei Gründe für diese Aussage:

Denn 1) sündigt ein Prediger gegen bessere Erkenntnis, 2) ist in seinen Sünden mehr Heuchelei als bei anderen Menschen, weil er ja beständig gegen die Sünde redet und 3) ist in seinen Sünden mehr Untreue als bei anderen Menschen, weil er als Diener Christi mehr freiwillige Verpflichtung dagegen übernommen hat. Was ist das für eine Treulosigkeit, einen solchen Lärm gegen die Sünde auf der Kanzel zu erheben und ihr dann im Herzen die Stätte einzuräumen, wo Gott doch wohnen sollte.

 

6. Habt Acht auf euch selbst, denn so wichtige Werke, wie wir übernommen haben, erfordern größere Gnadengaben, als anderer Leute Werke. […] Wenn ihr denn also in den schwersten Kampf, mitten unter die Feinde euch wagen wollt und die ganze Last der Hitze des Tages tragen, dann habt Acht auf euch selbst!

 

7. Habt Acht auf euch selbst, denn eures Herrn und Meisters Ehre und die Verherrlichung seiner heiligen Wahrheit und seiner heiligen Wege ist euch mehr als anderen Menschen anvertraut. Wie ihr ihm größere Dienste tun könnt als andere, so könnt ihr ihm auch mehr Schaden zufügen als andere. Je näher ein Mensch zu Gott steht, umso mehr wird sein heiliger Name durch dessen Übertretungen geschändet, ja umso mehr wird sein heiliger Name durch die Schuld von törichten Menschen auf Gott geworfen.

Baxter gebraucht die Beispiele von Eli und seinem Haus und von David, um diese These zu untermauern. Bei Eli verachteten die Leute die Opfergabe des Herrn (1. Samuel 2, 17), David gab durch seine Sünde den Feinden des Herrn Anlass zur Lästerung (2. Samuel 12, 14). Baxter warnt die Prediger anhand von Lukas 17, 1-2: „Es ist unvermeidlich, dass Anstöße zur Sünde kommen; wehe aber dem, durch welchen sie kommen! […]“. Der Herr musste mit ihnen aufgrund ihrer Vorbildfunktion schärfer verfahren, so Baxter. Die Ehre Gottes muss dem Prediger (und jedem Christen) am wichtigsten sein:

Seid ihr wirklich Christi Jünger, dann wir Gottes Ehre euch lieber sein als euer Leben. Habt daher Acht auf alles, was ihr wider Gottes Ehre tut, als ginge es an euer Leben. […] Ach, liebe Brüder, könntet ihr es wohl ertragen zu sehen, wie die Leute den Kot eurer Sünden Gott in sein heiliges Angesicht würfen? Würde euer Herz nicht brechen bei dem Gedanken, dass alle gottseligen Christen um euch her wegen eures unordentlichen Wandels Schmach erdulden müssten? […] O habt daher Acht, liebe Brüder, auf alle Worte, die ihr redet, auf alles Wege, die ihr geht, denn ihr tragt die Bundeslade des Herrn! Seine Ehre ist euch anvertraut! […] Niemals hat jemand Gott geschändet, ohne dass er nicht selbst darüber zuschanden geworden wäre. Gott weiß genug Wege und Mittel zu finden, um jeden Schandflecken abzuwaschen, der auf ihn geworfen wird: nie aber wird jemand eure Schande euch wieder abnehmen.

 

8. Letztendlich: Habt Acht auf euch selbst, denn der Erfolg von all eurer Arbeit hängt davon ab! Gott pflegt immer erst die Werkzeuge auszurüsten, ehe er sie zu großen Werken benutzt. Wenn Gottes Werk nun nicht in euren Herzen zustande gekommen ist, wie könnt ihr dann erwarten, dass er euer Arbeiten, es an anderen zustande zu bringen, segnen werde.

Baxters spricht die Nachfolger des Herrn an, um sie – so fern geschehen – von ihrer Lauheit, Trägheit und ihrem Leben in Sünde wachzurütteln. Es ist, wie ich finde, ein Aufruf in unsere Zeit. Ist mir die Ehre Gottes wichtig? Baxter ruft uns den göttlichen Beschluss aus 1. Samuel 2, 30 zu: „… wer mich ehrt, den will ich auch ehren; wer mich aber verachtet, der soll auch verachtet werden!“

VD: JL

Hinweis: Der nächste Beitrag erscheint voraussichtlich Ende August.

Das Predigeramt aus Sicht eines Puritaners (2): Bereiche, in denen Prediger auf sich Acht haben müssen

Nachdem Richard Baxter seine Beweggründe für dieses Buch geschildert hat, gibt er noch, bevor er mit der Abhandlung anfängt, eine kurze Einführung. Der Vers aus Apostelgeschichte 20, 28 dient ihm als Grundlage für sein Buch:

„So habt nun Acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, in welcher der Heilige Geist euch zu Aufsehern gesetzt hat, um die Gemeinde Gottes zu hüten, die er durch sein eigenes Blut erworben hat.“

Baxter untersucht diesen Text unter verschiedenen Fragestellungen. Als erstes spricht er fünf Bereiche an, in denen gerade Prediger Acht auf sich selbst haben sollen:

1. Seht zu, dass das Werk der Gnade in euren Herzen völlig zustande gekommen ist. […] Habt Acht auf euch selbst, dass ihr nicht verloren geht, während ihr anderen zuruft, dass sie sich hüten möchten, verloren zu gehen; dass ihr nicht hungert, während ihr anderen Speise bereitet. […] Der euch gebot, euren Nächsten zu lieben wie euch selbst, meinte eben damit, dass ihr euch selbst lieben und nicht hassen solltet und damit euch und andere ins Verderben stürzen würdet. […] Das ist doch wohl ein herzloser Prediger, der den Christus und die Gnade, die er verkündigt, nicht selbst im Herzen hat!

 

2. Gebt euch nicht damit zufrieden, dass ihr euch im Gnadenstand befindet, sondern seht zu, dass die Gnade, welche ihr empfangen habt, lebendig, kräftig und wirksam sei, und dass ihr euch selbst immer erst eure Predigten haltet, ehe ihr sie den anderen haltet. […]

Baxter macht in diesem Zusammenhang deutlich, das, so wie es uns geht, es auch der Gemeinde gehen wird und deshalb beständiges Wachstum gerade für einen Prediger so unerlässlich ist.

Wir sind die Nährmutter der Kinder Christi, wenn wir selbst keine Nahrung zu uns nehmen, so hungern sie mit und man wird es bald an ihrer Dürre, an ihrer Erschlaffung im Wandel sehen. Lassen wir unsere Liebe erkalten, so werden wir die ihre nicht leicht anfeuern. Genießen wir ungesunde Speise, Irrlehren oder unfruchtbare kontroversen oder eitles Spielwerk der Phantasie, so werden immer unsere Zuhörer darunter leiden. Aber wenn wir immer stärker werden im Glauben, in der Liebe und in heiliger Inbrunst, wie strömt es dann über von Segen für unsere Gemeinden, und wie wird es sich bald in ihrem Wachstum in der Gnade zeigen! O liebe Brüder, wacht daher über eure Herzen; werft die Lüste und Begierden und weltlichen Neigungen hinaus und pflegt darin ein Leben des Glaubens und der inbrünstigen Liebe; übt euch viel darin sowie im Umgang mit Gott. […] So bewahrt das Leben der Gnade in euch selbst, damit es aus allen euren Predigten von der Kanzel hervorbreche; damit jeder, der kalt in die Versammlung tritt, erwärmt wieder hinausgehe.

Als drittes macht Baxter darauf aufmerksam, dass Lehre und Leben zwingend übereinstimmen muss, wenn Erfolg im Predigtamt zu sehen sein soll.

3. Habt Acht auf euch selbst, damit euer Wandel nicht eurer Lehre widerspreche, und ihr den Blinden nicht Steine des Anstoßes in den Weg legt, über die sie ins Verderben stürzen; damit ihr mit eurem Leben nicht widerlegt, was ihr mit der eurer Zunge predigt und so selbst den Erfolg eurer Arbeit am meisten hinderlich seid. Wenn ein Prediger nichts an seiner Arbeit liegt und er nur dafür studiert um gut zu reden, nicht aber dafür, um gut zu leben; wenn er nicht bereit ist, die Unannehmlichkeiten zu ertragen, die das Predigeramt mit sich bringt – dann nimmt er leichtfertig in Kauf, dass Menschenseelen verloren gehen und er keine Frucht in seinem Dienst erwarten kann. Beschränkt ihr das Ziel des Predigtamtes allein auf der Kanzel, dann scheint es, als ob ihr euch nur für Prediger haltet, solange ihr auf der Kanzel steht; und ist das der Fall, dann glaube ich, seid ihr überhaupt unwürdig, Prediger zu heißen. Lasst mich euch bitten, geliebte Brüder, dass ihr auch genauso lebt, wie ihr redet und unermüdlich seid im Gutestun. Scheut keine Mühe, wenn es das Werk des Herrn fördert.

a) Bewahrt euch unsträflich und meidet allen Anstoß. Seht, dass euer Leben die Sünde straft und andere zu einem heiligen Wandel ermahnt. […] es gibt keine Tugend, die euer Beispiel so sehr predigen kann – wenigstens nach dem Urteil der Menschen – wie Demut, Sanftmut, Selbstverleugnung. […] Macht es wie unser Herr, der nicht widerschalt, da er gescholten wurde. […] Wenn ihr glaubt, dass Christi Vorbild nachahmenswerter ist als das Vorbild des Cäsar oder des Alexander, und dass es ein größerer Ruhm sei, ein Christ, als ein Welteroberer, ja, ein Mensch, als ein Tier, zu sein, da ja diese oft stärker sind, als wir: so überbietet die Menschen in Liebe und nicht in Gewalt, setzt Sanftmut, Liebe und Geduld der Gewalt entgegen.

b) Lasst mich euch ferner bitten, dass ihr reich seid an Werken der Liebe und Menschenfreundlichkeit. Geht zu den Armen und seht zu, was ihnen fehlt, und übt an ihnen schnellstens Barmherzigkeit an Leib und Seele.

Im Jakobusbrief steht, dass es nichts nützt, einem armen Bruder Trost zuzusprechen und ihm dann in seiner Not aber keine Abhilfe schaffen. Baxter sieht gerade den Prediger in dieser Verantwortung, nicht nur zu reden, sondern mit seinem Besitz zu helfen.

Denkt nicht daran, reich zu werden und für euch und eure Nachkommenschaft große Güter anzulegen. Wie wäre es, wenn ihr euch selbst zum Bettler macht, um desto mehr Gutes zu tun – wird das Gewinn oder Verlust für euch sein? Lehrt ihr, dass man nirgends sein Geld besser anlegen könne als bei Gott, dass Geld, in Seinem Dienst ausgegeben, die größten Zinsen trage: so zeigt auch, dass ihr es glaubt. Ich weiß wohl, dass Fleisch und Blut Ausflüchte suchen werden, ehe sie ihre Beute fahren lassen und niemals aufhören werden, dem zu widersprechen, wozu ihr verpflichtet seid; aber merkt auf das, was ich sage, und der Herr präge es in eure Herzen ein: Ein Mensch, für den etwas in dieser Welt so lieb ist, dass er es für Christus nicht aufopfern kann, wenn er es von ihm verlangt, der ist kein wahrer Christ! […] Obwohl wir nicht, wie die Papisten handeln, uns ins Kloster einsperren und alle unsere Habe weggeben sollen, so müssen wir doch alles, was wir haben, nur für Gott verwalten.

 

4. Habt Acht auf euch selbst, dass ihr nicht in den Sünden lebt, gegen welche ihr bei anderen predigt und gerade derer ihr euch schuldig macht, die ihr täglich verdammt.

Baxter macht mit einem interessanten „Frage-Antwort-Spiel“ deutlich, welcher Zwiespalt es ist, wenn man einerseits gegen die Sünde redet, aber selber darin lebt.

Ist die Sünde ein Übel, warum lebt ihr dann darin? Ist sie es nicht, warum warnt ihr dann die Menschen davor? Ist Gefahr dabei, warum begebt ihr euch denn in diese Gefahr? Ist das nicht der Fall, warum sagt ihr es denn den Leuten? Sind Gottes Drohungen wahr, warum fürchtet ihr euch denn nicht davor? Sind sie nicht wahr, warum macht ihr denn ohne Grund den Leuten davor bange? […] Habt Acht auf euch selbst, dass ihr euch nicht gegen die Sünde ereifert und sie doch nicht überwindet; dass ihr euch nicht vor ihr niederwerft als Sklaven, indem ihr bei anderen die Herrschaft darüber entziehen wollt. […] O liebe Brüder, es ist leichter auf die Sünde zu schelten, als sie zu überwinden.

5. Habt Acht auf euch selbst, dass euch nicht die zu eurem Amt nötigen Eigenschaften fehlen. Derjenige darf in der Erkenntnis nicht selbst ein Kind sein, der andere die geheimnisvollen Dinge lehren will, welche zur Seligkeit notwendig sind. […] Wer einer Gemeinde gut vorstehen und sie gemäß der Bibel lehren will, muss viel weiter sein als die Gemeinde; er muss die schwierigen Fragen der Theologie lösen und die vielen dunklen Stellen in der Bibel erklären können; er muss fest in den Grundwahrheiten der Bibel verankert sein. Er muss die vielen versteckten Sünden meiden und aufdecken können, um die Gemeinde zu warnen und muss die vielen notwendigen Pflichten erfüllen, um die Gemeinde nicht versehentlich in die Irre zu führen. Ein weiterer wichtiger Aspekt, warum ein Prediger nicht ein Kind in der Erkenntnis sein darf, ist derjenige, dass er nicht gegen Fleisch und Blut zu kämpfen hat: Wir haben immer viel mehr gegen den Willen und die Leidenschaften der Menschen als gegen ihren Verstand zu streiten. […] Wenn wir um die Bekehrung eines Sünders bemüht sind, haben wir nicht eine, sondern ganze Heere von Leidenschaften und erbitterten Feinden zu bekämpfen, gerade wie ein Mensch, der mitten unter einem wütenden Volkshaufen steht und disputiert. Welchen Erfolg kann man da erwarten? Aber so ist es mit unserer Arbeit; und diese Arbeit muss vollbracht werden. Geliebte Brüder! Wie geschickt, wie entschlossen, wie unablässig sollten wir sein, die wir dieses alles zu tun haben! Wenn Paulus ausrief: „Und wer ist hierzu tüchtig?“ dürfen wir dann in stolzer, träger Sorglosigkeit leben, als ob wir tüchtig wären? […] deshalb möchte ich zu jedem Geistlichen sagen: „Da ihr seht, dass so vieles euren Händen anvertraut ist, wie geschickt solltet ihr dann in allen heiligen Gesinnungen und Entschließungen sein“! Diese Last ist nicht für die Schultern eines Kindes. […] Ferner, was für eine Tüchtigkeit ist notwendig, um die Wahrheit gegen die Widersprechenden zu verteidigen und gegen boshafte Schikane zu streiten! Wenn wir durch Schwäche unterliegen, wie triumphieren sie da über uns! Und doch ist das noch das Geringste dabei; aber wer weiß, wie viele Schwache dadurch an ihren Seelen Schaden nehmen und ebenso die Kirche! Was für ein Geschick ist notwendig, um persönlich auch nur einen einzigen armen, unwissenden Sünder zu seinem Heiland zu führen! Geliebte Brüder! Zittert und bebt ihr nicht unter dem Gefühl einer solchen Verantwortlichkeit? Wird wohl ein gewöhnliches Maß heiliger Geschicklichkeit und Tüchtigkeit und Weisheit zur Lösung einer solchen Aufgabe, wie diese, hinreichen? […] Nicht dadurch, dass einer hier und da einmal probiert oder kostet, wird er ein tüchtiger Theologe. […] Sonderbar, dass Menschen durch ihre Faulheit es wagen, den Geist zu dämpfen, und dann dennoch sich auf den heiligen Geist berufen, der sie tüchtig machen müsse! O was für ein verabscheuungswürdiges, schmachvolles und unerhörtes Handeln! Vielmehr hat Gott uns geboten: „Im Eifer lasst nicht nach, seid brennend im Geist. (Römer 12, 11). Das legen wir unseren Zuhörern ans Herz und so sollen wir selbst sein. O geliebte Brüder, verliert daher keine Zeit! Betet, studiert, unterredet und ermahnt euch untereinander und handelt;durch diese Mittel müssen sich alle eure Fähigkeiten und Eigenschaften beständig ausbilden und zunehmen. Habt Acht auf euch selbst, dass ihr nicht schwach seid durch eure Schuld und eure Schwäche nicht das Werk Gottes hindert und zerstört.

VD: JL

Das Predigeramt aus Sicht eines Puritaners (1): Baxters Beweggründe für dieses Buch

Ich freue mich wirklich sehr, über dieses Buch von Richard Baxter zu bloggen, da damit das Vorrecht verbunden ist, das Buch selbst erst einmal lesen zu dürfen (bin momentan bei Seite 33). Ich gestehe, dass ich schon nach wenigen Seiten von dem reichen, tiefen und ernsten Inhalt dieses Buches getroffen und sehr herausgefordert wurde. Man wird förmlich zum Nachdenken über sein geistliches Leben gezwungen. Doch auch wenn dieses Buch leicht zu lesen ist, so kann man den Inhalt dieses Buches nicht zu leicht nehmen.

Das Buch richtet sich an den Prediger – oder den geistlichen Stand – im 17. Jahrhundert, der sich seiner großen Aufgabe und Verantwortung nicht mehr bewusst war und ein völlig gottentfremdetes Leben führte. Dieses Buch ist eine Anklageschrift gegen die Geistlichen und erinnert mich stark an die Situation der geistlichen Führer Israels, die durch ihr gottloses Leben Schuld an der miserablen geistlichen Verfassung des Volkes hatten. Genauso spricht das Buch ganz klar in unsere Zeit. Das Ziel seiner strengen und gewaltigen Rede ist es, diesen so verhängnisvollen Missstand aufzuzeigen und die lau gewordenen Prediger zur Buße und somit auf den rechten Weg zurück zu führen.

Im ersten Beitrag möchte ich die Widmung des Verfassers zusammenfassen (S. 7-14). Über die Entstehung dieses Buches schreibt Richard Baxter folgendes:

Vor einiger Zeit erweckte der Herr in seinen Dienern in der Grafschaft Worcester und einigen umliegenden Gegenden das Bewusstsein, dass sie verpflichtet seien, alle diejenigen in ihren Gemeinden zu unterrichten und zu katechisieren, die gegen diesen Dienst nichts einzuwenden hätten. Eine Übereinkunft wurde ausgesetzt und von ihnen unterzeichnet, welche den Vorsatz enthielt, dieser Pflicht künftig nachzukommen; dennoch mochten sie nicht eher an das Werk gehen, bevor sie sich nicht feierlich gedemütigt hätten. Deshalb einigten sie sich, am 4. Dezember 1655 in Worcester zusammenzukommen und sich dort gemeinschaftlich in ernsthaftem Gebet an Gott zu wenden, dass er ihnen ihre bisherige Trägheit vergeben, seinen besonderen Beistand in dem Werk, welches sie vorhatten, zu schenken, und diese Aufgabe in ihren Gemeinden erfolgreich sein zu lassen. Auch ich erhielt damals- wie auch andere- die Aufforderung, bei dieser Gelegenheit eine Predigt zu halten; und so setzte ich die hier folgende Abhandlung auf. Obwohl sie nun zu lang wurde, um sie in einer, ja selbst in zwei Predigten vorzutragen, so war damals doch meine Absicht, den für jene Umstände passendsten Teil in Form einer Predigt mitzuteilen. Doch vor der Zeit nahmen meine üblichen Krankheitsübel so sehr zu, dass ich nicht hingehen konnte, und, um mein unverschuldetes Ausbleiben wiedergutzumachen, gab ich den Bitten einiger Brüder sehr gern nach und ließ meine Abhandlung drucken, damit es alle, die es damals nicht hören konnte, nun lesen möchte.

Richard Baxter stand in Folge in der Kritik der oben beschriebenen Leute, dass er die Sünden des geistlichen Standes nicht so direkt und scharf hätte rügen sollen, zumindest nicht so vor aller Welt – oder aber dass er sich der lateinischen Sprache hätte bedienen sollen, damit das Volk, Quäker und Papisten dieses nicht verstehen und ihnen somit nicht die Möglichkeit gegeben würde, verächtlich über die Geistlichen zu reden.

Allerdings hatte Baxter dies durchaus überlegt, doch aus folgenden 5 Gründen sich dennoch entschieden, diese Schrift öffentlich zu machen:

      1. Wir waren übereingekommen, uns feierlich vor dem Herrn zu demütigen und ihn um Vergebung zu bitten- dafür war diese Arbeit bestimmt. Wie hätten wir uns aber wohl demütigen können, ohne ein offenes Bekenntnis unserer Sünden?

      2. Wie kann man aber daran Anstoß nehmen, dass wir unsere eigenen Sünden bekennen und den Vorwurf und die Schande auf uns nehmen, wie es unser Gewissen uns sagte?

      3. Ferner: wenn die Sünde vor aller Welt geschieht, ist es vergeblich, sie verbergen zu wollen, und auf jede öffentliche Sünde sollte auch ein öffentliches Bekenntnis folgen.

      4. Hätten die englischen Geistlichen in lateinischer Sprache gesündigt, so hätte ich mich zuletzt wohl entschlossen, es ihnen lateinisch vorzuhalten oder hätte es ganz unterlassen. […] Sünde, die uns nicht vergeben ist, lässt uns ja nie zur Ruhe kommen und hindert unser Wachstum, wenn wir auch noch so viel Mühe und Arbeit darauf verwenden, um sie zu verbergen; unsere Sünde findet uns sicher, wenn wir sie nicht finden. […] Gehen wir so zart mit uns selber um und sind so träge zum Bekennen, so wird Gott umso weniger zart mit uns umgehen und uns selbst unsere Bekenntnisse diktieren. […]

      5. Schließlich: Viele die im Predigtamt stehen, leben einfach so weiter in ihrer Selbstsucht, Faulheit, ihrem Stolz und anderen Sünden, sodass es unsere heilige Pflicht wurde, sie zu ermahnen. Hätten sie sich ohne Vorhaltungen geändert, so hätten wir gerne die diese Bekanntmachung ihrer Sünden unterlassen. Da sich nun aber die Vorhaltungen so unwirksam zeigen, da sie sich daran mehr, als an der Sünde selbst stoßen und lieber wollten, dass wir mit unseren Vorhaltungen aufhörten, als das sie mit sündigen aufhören mögen, so scheint es mir wohl an der Zeit, die Arznei etwas stärker zu machen. Denn was sollen wir sonst tun? Unsere Brüder als unheilbar aufzugeben, wäre ja doch grausam, solange noch Heilmittel angewendet werden können. Es heißt ja: „Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen, sondern du sollst deinen Nächsten ernstlich zurechtweisen, dass du nicht seinetwegen Schuld tragen musst“ (3. Mose 19,17). Die Sünden der Geistlichen zu ignorieren, heißt, das Verderben der Kirche zu fördern, denn was kann die Leute schneller und sicherer ins Verderben stürzen als die Verdorbenheit ihrer Leiter? Und wie kann man wirksamer an einer Erneuerung der Kirche arbeiten, als dadurch, dass man an der Erneuerung ihrer Lehrer arbeitet? […] Denn wer – wenn er eine Stimme hat – kann ruhig sein, wenn es um die Ehre Gottes, das Wohlergehen seiner Gemeinde und das ewige Heil von so vielen Seelen geht.

Der 5. Grund ist m.E. der wichtigste Auslöser dieses Buches. Richard Baxter fordert dazu auf, sich seiner Verpflichtungen wieder bewusst zu werden:

Die erste und wichtigste Frage, die ich euch vorzulegen habe, ist diese: Ob es nicht die unzweifelhafte Pflicht der Prediger ist, jeden persönlich zu unterrichten und zu lehren, der ihnen Gehör geben will.

Er selber ist vom Erfolg überzeugt:

Ich muss gestehen, dass aus meiner Erfahrung heraus, durch dieses Werk, unter der Gnade Gottes, der Zustand unserer Kirche wesentlich verbessert werden sollte; dadurch wird die so weit verbreitete Unwissenheit aufhören; dadurch müssen die harten Herzen der Sünder erreicht werden; es muss ihnen ihre eitlen Ausflüchte versperren und ihnen ihre Vorurteile wegnehmen; es muss den treuen Seelsorgern ihre Herzen öffnen, die Wirkungen der öffentlichen Predigt des Evangeliums wesentlich fördern, und die Gottseligkeit zu einem Eigentum von mehr Personen und Familien machen, als sie es bisher gewesen ist. Ich meine, dass wir bis jetzt nie dieses sicherste Mittel zur Zerstörung des Reiches der Finsternis gebrauchten.

Hier ist jeder Christ gefragt, ob Prediger, ob in der Jugend- oder Kinderarbeit, ob mit oder ohne theologische Ausbildung. Gilt diese Verpflichtung nicht für jeden Christen? Was meint ihr? Wie sollten wir als Christen heute reagieren, wenn wir den Zustand der Kirche in Deutschland sehen?

Dieses Buch und die Beiträge sollen dazu ermutigen und herausfordern, sich ganz für das Reich Gottes einzusetzen, und, wo man träge geworden ist, die Hände und Füße stärken zu lassen, um wieder feste Schritte im Glauben zu gehen.

VD: JL

Die Puritaner über das Töten der Sünde

Ein essentieller Teil des christlichen Lebens ist der Kampf mit der Sünde. Ein Christ ist von der Heiligen Schrift aufgerufen, die Sünde zu töten (vgl. Kolosser 3,5 und Römer 8,13). Ich habe hier einige Aussagen von Puritanern gefunden, die uns zu diesem Kampf ermutigen (frei übertragen):

“Wenn der Gedanke an den Tod, das Grab und Fäulnis dir nicht gefallen, dann lass auch  sündige Gedanken dir nicht gefallen. Höre auf jede Versuchung zur Sünde als ob es eine Versuchung zum Selbstmord sei, als ob der Teufel dir ein Messer brächte und dich verleitete, deine Kehle damit durchzuschneiden. Handle so, wenn er dich mit der Sünde ködert.“

– Richard Baxter

„Es ist einzig der Heilige Geist, der Sünde töten kann. Er wurde verheißen, es zu tun. Alle anderen Mittel ohne ihn sind leer und vergeblich. Wie soll nun jemand die Sünde töten, der den Geist nicht hat? Ein Mensch wird eher ohne Augen sehen und ohne Zunge reden können als eine einzige Sünde tatsächlich ohne den Geist töten zu können.“

– John Owen

„Wehe dem, der allein ist! David war allein, als Satan ihn dazu trieb, mit der Frau seines Nachbarn zu schlafen. Wenn die Schafherde zusammensteht, ist sie sicher, weil das Auge des Hirten wacht. Aber wenn ein Schaf sich von der Herde entfernt wird es schnell zum Raub des gefräßigen Wolfs. Es ist keine große Sache, ein Haus auszurauben, dass weit weg vom  Nachbarn steht. Satan, der erbarmungslose Pirat, schaut nach den Schiffen aus, die ohne Konvoi fahren.“

– George Swinnock

„Kein Mensch sollte glauben, dass er die Sünde mit einigen wenigen, einfachen und sachten Schlägen töten wird. Jemand, der einmal auf eine Schlange einschlägt und nicht weiter zuschlägt bis sie tot ist, wird es schnell bereuen, dass er diesen Kampf begann. Ebenso wird es dem gehen, der angefangen hat mit der Sünde zu kämpfen und nicht beständig auf sie einschlägt, bis sie tot ist. Die Sünde wird nach einer Weile wieder aufleben und der Mensch wird sterben. Es ist ein großer und fataler Fehler wenn wir annehmen, dass der Kampf mit der Sünde Lässigkeit und Pausen zulässt.“

– John Owen