Jonathan Haidt and Tim Keller: The Closing of the Modern Mind

Vor einigen Tagen haben Tim Keller und Jonathan Haidt im Rahmen des Veritas Forums über Pluralismus, Glauben und moralische Meinungsverschiedenheiten gesprochen. Die Veranstalter schreiben dazu: „What should be our foundation for morality? How do we deal with the inevitable moral conflict in society? Is morality just a social construct? How do we deal with our biases?

Tim Keller ist den meisten Christen ein Begriff. Jonathan Haidt ist Professor für Psychologie mit einem besonderen Fokus auf Moral. Haidt ist außerdem Atheist, gehört allerdings nicht den „Neuen Atheisten“ an, die für eine aggressive Bekämpfung von Religion plädieren, sondern bezeichnet sich als „Fan“ von Religion (was vielleicht mit seiner akademischen Disziplin tun hat?). Außerdem ist er ein sympathischer, respektvoller und offener Gesprächspartner.

Ich freue mich, dass das Veritas Forum die interessante Diskussion jetzt auch online zur Verfügung gestellt hat:

Christus verbindet uns als Christen – unauflöslich!

Was verbindet uns als Christen? Die Antwort scheint zunächst ganz einfach zu sein: Christus. In der Praxis ist es dann allerdings oftmals so, dass man sich seinen Geschwistern kaum verbunden fühlt. Man sieht theologische Unterschiede, vielleicht gibt es kulturelle Unterschiede oder auch einfach Generationskonflikte. Ich will hier nicht sagen, dass man diese Differenzen einfach ignorieren kann. Es ist aber doch, glaube ich, sehr wichtig, dass wir niemals das Band übersehen, welches uns untrennbar verbindet: Christus!

Tim Keller erklärt hier diesen Zusammenhang:

Tim Keller: Laboring for a God Who Fights for Us

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Im Juni diesen Jahres fand die National Women’s Conference der Gospel Coalition statt. Im Zentrum stand das biblische Buch Nehemia.

In seiner Predigt „Laboring for a God Who Fights for Us“ beleuchtet Tim Keller das dritte und vierte Kapitel des Buches. Die Predigt richtet sich, auch wenn während einer Frauenkonferenz gehalten, nicht in spezieller Weise an Frauen und ist somit auch für Männer ein wertvoller Beitrag zum Verständnis von Nehemia.

Keller beginnt mit einigen grundlegenden Erklärungen, wie alttestamentliche Geschichten (richtig) gelesen und verstanden werden müssen. Gerade Bücher wie Nehemia zeigen oft auf, wie oberflächlich die Herangehensweise an das Alte Testament oftmals ist.

Gelehrte sind sich einig darüber, dass im dritten Kapitel des Nehemia-Buches eine heilsgeschichtliche Progression festzustellen ist. Während geistliche Aufgaben zuvor (ohne viel Kooperation mit dem Volk) meist von einzelnen Leuten ausgeführt wurden (Mose, David), arbeiten im dritten Kapitel von Nehemia Männer und Frauen, Geistliche und „normales Volk“ und Leute verschieden Handwerks und aus verschiedenen Klassen nebeneinander!

Heilgeschichtlich ist folgendes festzuhalten: in den Anfängen (der Geschichte Israels) kommt die Herrlichkeit Gottes immer wieder kurzzeitig auf die Erde (z.B. Bethel). Im weiteren Verlauf der Geschichte „wohnt“ die Herrlichkeit Gottes an einem fixen Punkt: zuerst in der Stiftshütte, dann im Tempel. Die Progression schreitet jedoch weiter fort! Gott verheißt eines Tages die Menschen heilig zu machen (Jes.4). Der Prophet Sacharja endet mit folgenden Worten:

20 An jenem Tag wird auf den Schellen der Pferde stehen: «Heilig dem HERRN». Und die Kochtöpfe im Haus des HERRN werden wie die Opferschalen vor dem Altar sein; 21 und jeder Kochtopf in Jerusalem und in Juda wird dem HERRN der Heerscharen heilig sein; und alle Opfernden werden kommen und von ihnen nehmen und darin kochen. An jenem Tag wird es keinen <Vieh>händler mehr geben im Haus des HERRN der Heerscharen.

Was bedeutet dies? Wenn z.B. Kochtöpfe nur für den Dienst im Tempel gebraucht wurden, wurden die Töpfe entsprechend markiert: „Heilig dem Herrn!“ Sacharja aber spricht von einer Zeit, in welcher Arbeitsgeräte des Alltags mit „Heilig dem Herrn“ versehen sind. Tim Keller macht klar:

Again it’s saying: some day I’m going to turn the people into a living temple! Some day the holiness of God, the glory of God, will break out of the building, as it were, and all the people will be holy.

Erfüllt sind diese Prophetien in Christus, der durch seinen Tod seine heilige Gemeinde ins Leben gerufen hat. Doch Andeutungen auf diese großartige Zeit (in der wir leben!) finden sich bereits bei Nehemia, wo jeder gebraucht wird um Gottes Werk zu vollenden.

All we know is: Nehemia is in a sense pointing toward the future in which we’re all priests, in which we’re all prophets, […] all kings; we all have the Holy Spirit.

Das hat unglaublich praktische Konsequenzen: jeder Christ hat einen Dienst von Gott empfangen und als Christen sind wir alle vereinigt. Was bedeutet das z.B. für die örtliche Gemeinde? Tim Keller führt aus:

If God in his providence has drawn together 100 people to be a church – you are not there by accident! You’ve got a gift or you’ve got certain people that you can speak to, you’ve got certain hands that you can hold. Because of your background, because of your experience you’ve got certain hearts that you can reach. There are certain people that you can be a prophet, a priest and a king to. There are certain ways that you can, in a sense, build up the people of God and you wouldn’t be there unless God wants to use your gift in that community! And unless all the gifts are being used the community can’t do the work God has given it to do.

Zum Ende der Predigt geht Keller noch auf das vierte Kapitel ein. In dem Zusammenhang führt er den Zusammenhang zwischen Gottes Souveränität und menschlicher Verantwortung aus und endet mit einigen Gedanken zum Thema Leiden um Christi willen (entsprechend aus dem vierten Kapitel abgeleitet).

Die Predigt leistet, glaube ich, einen wertvollen Beitrag zum Verständnis des Nehemia-Buches und ist auch dahingehend hilfreich, was generell die Auslegung von alttestamentlichen Geschichten betrifft.

Hier geht es zur Predigt, die ich wärmstens empfehle.

 

Jesus ist die Erfüllung jeder Sehnsucht

Die vergangenen Tage habe ich dazu nutzen dürfen, immer mal wieder eine längere Zeit mit dem Lesen des „Jesus-Buches“ von Tim Keller zu verbringen (Eine Besprechung des Buches findet sich hier).

Auch wenn ich nicht mit jeder Schlussfolgerung Kellers einverstanden bin (stellenweise liest er mir zu viel in den biblischen Text hinein, anstatt ihn auszulegen), kann ich seine Gesamtaussage nur unterstreichen. Besonders beeindruckt hat mich dabei das Kapitel, das sich mit der Heilung eines Gelähmten befasst (Markus 2, 1-12). Keller analysiert hier schonungslos die Sehnsucht des Einzelnen nach Glück und Erfüllung und zeigt anhand des biblischen Befundes auf, dass diese nur in Jesus gestillt wird. Ich habe die wichtigsten und schönsten Zitate dieses Kapitels notiert:

Ich sage: „Wie ich lebe, das bestimme ich gefälligst selber.“ Und Jesus sagt, dass genau dies unser größtes Problem ist.

„Ich glaube, wenn Gott uns einen richtig bösen Streich spielen will, erfüllt er uns unseren größten Wunsch.“ (zitiert nach Cynthia Heimel)

Wir machen unseren Wunsch zu unserem Erlöser. […] Erfüllt der Wunsch sich dann nie richtig, sind wir wütend, unglücklich und leer.

Das Problem ist ja nicht unser tiefster Wunsch als solcher. […] Nein, das Problem ist, dass wir denken, dass die Erfüllung unseres tiefsten Wunsches uns erlösen würde.

Wir brauchen nicht jemanden, der uns alle unsere Wünsche erfüllt. Wir brauchen jemanden, der mehr tut, jemanden, der gründlich und liebevoll die Drachenhaut der Ichbezogenheit von uns abschält und die Sünde wegnimmt, die uns versklavt hält und selbst unsere besten Sehnsüchte pervertiert. Kurz: Wir brauchen Vergebung. […]

Wenn Sie das, was Sie für Ihre tiefsten Sehnsüchte und Wünsche halten, in diesem Sinne hinterfragen, wird Jesus Ihnen zeigen, dass unter diesen Wünschen ein noch tieferes, echteres Sehnen verborgen liegt – die Sehnsucht nach ihm selber. Und Sie werden erleben, dass er Ihnen diesen tiefen Wunsch nicht nur gewährt, sondern dass er seine Erfüllung ist. Er wird Ihnen nicht den bösen Streich spielen, Ihnen Ihre tiefsten Wünsche zu erfüllen; er wird Ihnen zeigen, dass Sie sich die ganze Zeit nach ihm gesehnt haben.

Zitate aus: Keller, Timothy, Jesus. Seine Geschichte – unsere Geschichte, S. 42-51.

Tim Keller: Faith is Reason

Heutzutage müssen sich Christen, aber auch generell Gläubige, oft den Vorwurf anhören, dass sie lediglich „glauben“ würden, das „Denken“ hingegen sträflich vernachlässigten. Ich erinnere mich zum Beispiel an einen ehemaligen Lehrer, der Schüler, insofern sie ihre Antwort mit „ich glaube“, begannen mit zurechtweisenden Worten in die Kirche verwies: „Glauben kannst du in der Kirche! Hier (im Unterricht) wissen wir.“
Haltbar ist dieser Gedankengang natürlich nicht, trotzdem ist er weit verbreitet. Interessanterweise ist der Grund, warum die Vorstellung einer Diskrepanz von Glauben und Denken in vielen Köpfen kursiert, nicht zu viel, sondern zu wenig Denken.
Tim Keller erklärt hier, dass christlicher Glaube nicht nur „kompatibel“ mit rationalem Denken ist, sondern dass rationales Denken essentiell für den Glauben ist und letztendlich zu Jesus Christus führt, ohne den jegliches Weltbild in Verzweiflung endet.

 

Calvinistische Erweckung?

Letzten Sonntag entstammte einer der Predigttexte aus dem 5. Kapitel des 1. Briefes an die Thessalonicher:

 19 Den Geist dämpft nicht! 20 Die Weissagung verachtet nicht! 21 Prüft alles, das Gute behaltet! 22 Haltet euch fern von dem Bösen in jeglicher Gestalt!

Wir wurden u.a. dazu aufgefordert, gerade unsere „Lieblingsprediger“ kritisch prüfend zu hören und bei Predigern, denen gegenüber wir (subjektive) „Abneigungen“ haben, das Wort Gottes sprechen zu lassen. Die Gefahr, bei „Lieblingspredigern“ Fehler (absichtlich?) zu übersehen ist durchaus da, genauso wie die Gefahr, biblische Wahrheiten bei Verkündigern, die wir nicht „mögen“ (absichtlich?), zu überhören.

In diesem Zusammenhang ist mir der Artikel „Calvinistische Erweckung?“ in der aktuellen Ausgabe (Nr. 05.2014) des Mitternachtsrufs aufgefallen:

Anfang dieses Jahres schrieb Mark Oppenheimer für die New York Times: „Der Evangelikalismus steckt mitten in einer calvinistischen Erweckung. (…) Mark Driscoll, John Piper und Tim Keller – Prediger von Megakirchen und wichtige evangelikale Autoren – sind alles Calvinisten.“ Diese Männer vertreten einen sogenannten „neuen Calvinismus“, den das Time-Magazin 2009 unter zehn Ideen auflistete, die „gerade jetzt“ die Welt veränderten. 2006 nannte Collin Hansen diese Bewegung in Christianity Today „young, restless, reformed“ (jung, ruhelos, reformiert). Ihr starker Einfluss ist von den USA auch in den deutschsprachigen Raum übergeschwappt. So wird ein Grossteil der deutschen „bibeltreu“-christlichen Blogs von jungen Männern betrieben, die die Lehren von Piper, Driscoll und Co. verbreiten. Doch die Bewegung gerät in die Kritik, auch von calvinistischer Seite. Dr. Paul Owen, ein calvinistisch-episkopaler Professor, hat beobachtet, dass der Calvinismus heute häufig für eine „bestimmte Art von Persönlichkeit“ attraktiv ist: männlich, „intellektuell arrogant, streitlustig, unsicher (und daher intolerant)“. Weil sie die fünf Punkte des Calvinismus als „zweite Segnung“ empfinden und mit dem Evangelium gleichsetzen, treten neue Calvinisten oft ablehnend gegenüber andersdenkenden Christen auf. Owen geht sogar so weit, die Bewegung mit einem Kult zu vergleichen. „Es ist nicht der Name des Lammes, der ständig auf den Lippen dieser Männer ist, sondern die Namen von Calvin (…) und der Persönlichkeiten, die auf calvinistischen Konferenzen, Versammlungen und Webseiten vertreten sind.“ Owen spielt am Ende seines Essays auf einige Skandale unter Neocalvinisten an und wundert sich darüber, dass eine reformierte Bewegung, „so tolerant gegenüber Weltlichkeit, Oberflächlichkeit und kultischer Hingabe an nichts-wissende calvinistische Berühmtheiten“ sein kann.

Ich glaube nicht, dass die ganze „young, restless, reformed“-Bewegung hiermit „abgeschrieben“ werden muss – überhaupt nicht. Was jedoch gilt – und genau darum müssen wir auch Dr. Paul Owen ernst nehmen – ist: „Prüft alles, das Gute behaltet!“ Außerdem sollte Kritik (unter Brüdern und Schwestern, die die Bibel ernst nehmen), denke ich, positiv verstanden und ausgeübt werden. D.h. sie sollte nicht verdammend gemeint sein, sondern als Hinweis auf die Heilige Schrift verstanden werden. Was wir im Endeffekt doch alle wollen ist Bibeltreue!

Hier geht es zum Artikel von Dr. Owen.

Tim Keller’s 10 Personal Evangelism Tips

Tim Keller gibt 10 hilfreiche Ratschläge:

  1. Let people around you know you are a Christian (in a natural, unforced way)

  2. Ask friends about their faith – and just listen!

  3. Listen to your friends problems – maybe offer to pray for them

  4. Share your problems with others – testify to how your faith helps you

  5. Give them a book to read

  6. Share your story

  7. Answer objections and questions

  8. Invite them to a church event

  9. Offer to read the Bible with them

  10. Take them to an explore course