Der dorngekrönte König

Pastor Wilhelm Busch ist Christen in Deutschland ein Begriff. Neben vielen anderen Werken, entstammt auch das Andachtsbuch 365 x ER seiner Feder.

Heute geht er auf den 29. Vers in Matthäus 27 ein: „Sie flochten eine Dornenkrone und setzten sie auf Jesu Haupt.“

Es gibt ein eindrucksvolles Bild von einem Maler aus dem 15. Jahrhundert, Hieronymus Bosch. Da steht Jesus inmitten von grauenvollen Fratzen. Ein Kerl mit gepanzerten Fäusten hält die Dornenkrone über den Scheitel des Herrn Jesus.

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Diese rohen Burschen ahnen nicht, was sie tun: Sie krönen Jesus zum König im Reiche der Liebe Gottes.

Es ist ein wundervolles Reich, dessen König die Dornenkrone trägt. Wo gibt es sonst wohl ein Reich, in dem der König selbst sich um jeden Untertanen persönlich kümmert! Hier gibt es keine Bürokratie. In diesem Reich hat es jeder mit dem König direkt zu tun.

In diesem Reich sollte man sein!

Nun, die Grenzen des Reiches der Liebe stehen uns offen. […] Man überschreitet die Grenze, wenn man im stellen Kämmerlein sich dem König völlig übergibt

[…] Der gültige Pass ist ein zerbrochenes, bußfertiges Herz, das nach Frieden mit Gott verlangt.

Für diesen König und für dieses Reicht hat Busch sein ganzes Leben gekämft – und uns ein Beispiel hinterlassen.

 

Welche Bedeutung hat Luthers „was Christum treibet“?

Helmut hat hier die Frage nach der Bedeutung des Gesetzes aufgeworfen. Wilhelm Busch spricht in seiner Predigt Die Bibel – in welcher er die Bibel mit einer Burg vergleicht – unter anderem über Menschen, die von der Burg „abbauen“. Das zeigt sich z.B. darin, dass die Bedeutung des Alten Testaments infrage gestellt wird.

Wilhelm Busch erinnert sich ein eine Begegnung mit seiner Mutter (ich kann leider nicht alles wörtlich genau wiedergeben, weil Busch in dieser Predigt z.T. schwer zu verstehen ist):

Man beruft sich auf den guten alten Luther, der sich ja nicht wehren kann, weil er längst im Grabe liegt und sagt: „Luther hat gesagt: Die Bibel gilt für uns so weit als sie Christum treibet“. Habt ihr vielleicht auch schon gehört. „So weit als sie Christum treibet“. Das klingt so fromm und ist n´ Bombenschwindel! Luther hat es in einem ganz anderen Zusammenhang gesagt! Denn man muss sich fragen: „Was treibt den in der Bibel nicht Christus?“ Da hat einer so n´ Vortrag gehalten: „Was Christum treibet, dass geht uns an.“ Sag ich: „Moment mal, lieber Amtsbruder. Treibt das vierte Buch Mose, wo von Opfergesetzten steht, Christum?“ „Nein, nein“, sagt er „das natürlich nicht“. Da sag ich: „Pass mal auf! Ich komm mal ins Zimmer als meine Mutter noch lebte. Da sitzt meine alte Mutter über der Bibel und sagt: ‚Wilhelm: Herrlich, herrlich‘! Ich sag: ‚Was liest denn?‘ ‚Das vierte Buch Mose‘. Ja, da sag ich: ‚Da sind doch bloß so Opfervorschriften und so Sachen.‘ Da sagt sie: ‚Ja merkst du denn nicht das das alles ein Hinweis auf den Heiland ist?! Du kannst doch das Opfer Jesu gar nicht verstehen, wenn du nicht gelesen hast da, was das heißt, ein Opfer.‘“  Da sagte ich: „Für meine Mutter trieb das vierte Buch Mose Christum“.

Echte Männer!

Was macht heute einen „echten Mann“ aus? Selbstvertrauen, Karriere, Frauen und Sex? In diese Richtung tendiert, wie ich glaube, unsere (säkulare) Gesellschaft.

Wilhelm Busch spricht in seinen „Plaudereien in meinem Studierzimmer“ auch von „richtigen Männern“. Er beschreibt die Berliner CVJM-Mitarbeiter folgendermaßen:

Und nun folgte eine Woche in der Gemeinschaft mit Albert Michaelis und Heilmann. Bei ihnen lernte ich, alle Schüchternheit über Bord zu werfen. Das waren Männer! Richtige Männer! Lachen konnten sie, daß die Wände dröhnten. Und beten konnte man mit ihnen, daß man es spürte: „Gott ist gegenwärtig“.

Ich stelle mir die Gemeinschaft mit solchen Brüdern – mit solchen „richtigen Männern“ – herrlich vor! Lasst uns beten, dass Gott uns zu echten Männern, zu Männern (und natürlich auch Frauen), nach seinem Herzen macht.

Johannes Busch (1): Ein Botschafter Jesu Christi

Ich lese mittlerweile zum zweiten Mal die Biografie von Johannes Busch, die von seinem bekannteren Bruder Wilhelm verfasst wurde. Johannes studierte Theologie (unter anderem bei Karl Barth) und war später Pfarrer in Witten im Ruhrgebiet. Während des Kirchenkampfes im dritten Reich positioniert er sich klar auf Seiten der Bekennenden Kirche, was im die zwischenzeitliche Entlassung von seinem Pfarramt einbrachte. Später wird er Verantwortlicher für die Jugendarbeit der Kirche und ist damit Bundeswart im Westbund. Johannes Busch wird auf einer Dienstfahrt im frühen Morgengrauen von einem betrunkenen Karnevalisten angefahren und verstirbt wenige Wochen später. Zu seiner Beerdigung sind tausende von Menschen anwesend. Wilhelm Busch schreibt darüber:

Als ich nach der Trauerfeier vom Grabe meines lieben Bruders Johannes wegging, sah ich hinter einem Gebüsch einen jungen Mann hemmungslos weinen. Das schien mir der ergreifendste Nachruf zu sein.

Das macht deutlich, welch wichtige Rolle Johannes Busch im Leben der kirchlichen Jugend einnahm. Wo liegt der Grund dafür? Und warum sind uns diese Menschen bis heute Vorbild?
Ich denke, dass es die Art und Weise ist, wie gut Lehre und Leben bei den „Busch-Brüdern“ in Einklang miteinander stehen und wie herrlich das Evangelium alles überstrahlt. Wer die Bücher liest, der redet nachher weniger vom Menschen, nein, er weiß plötzlich einmal mehr, was Jesus für ihn bedeutet und wie herrlich es ist, einen Heiland zu haben! „Christus allein“ charakterisiert besonders treffend die Lebenseinstellung der beiden Brüder!

Die erweckliche Predigt

Wilhelm Busch äußerte sich in seinen „Plaudereien“ über den „Erfolg“ in der Evangelisation der sogenannten Erweckungsprediger (Krummacher, Spurgeon, etc.) folgendermaßen:

Die Botschaft von Römer 3 ist seit der Reformation viel gepredigt worden. Aber je länger, je mehr wurde solche Predigt unaktuell, trocken, lehrhaft. Sie versenkte die Gemeinde in Schlaf. Und nun machte ich die Entdeckung: Die Erweckungsprediger verkündeten die freie Gnade Gottes für Sünder niemals so, dass die Menschen in eine trübe Sicherheit gerieten. Es geschah vielmehr das Eigentümliche, dass der Mensch durch die Predigt von dem, was Gott für ihn getan hat, im Gewissen getroffen und erweckt wurde, dass er aufstand und umkehrte. So entstand lebendige Gemeinde. Es wurde mir deutlich, dass wir viel mehr bei diesen von Gott legitimierten Predigern in die Schule gehen müssten. Ich bin gewiss, die Kirche steht und fällt mit ihrer Predigt(!). Und ich bin überzeugt, dass darin die eigentliche Aufgabe unserer Predigt besteht: Die Rechtfertigung „erwecklich“ zu predigen. Das gilt ebenso für unsere Predigten, wie für die besondere Verkündigung der Evangelisation, die trotz mancher Veränderung der Zeiten auch heute noch ihre Bedeutung hat. Ein Leben lang habe ich mich darum gemüht. Dabei bin ich Schüler geblieben bis zu diesem Tag. Es gab Gottesdienste, in denen ich mich geradezu entschuldigte, dass ich so unaktuell predigen müsse. Aber ich habe erleben dürfen, dass solche Predigt Bewegung schafft. Es stellte sich heraus, dass die Predigt vom Kreuz in der Tat hochaktuell ist. Wenn vom „Frieden mit Gott“ gepredigt wird, entdeckt der Mensch, was ihm fehlt und woher all seine Nöte kommen. Ich lernte Paulus verstehen: „…dass ich nichts wüsste als Jesusm Christum, den Gekreuzigten.“