R. C. Sproul: Bibelstudium für Einsteiger

Zusammenfassung des Buches

Das Buch „Bibelstudium für Einsteiger“ wurde von R. C. Sproul verfasst, um die grundlegende Bedeutung des Schriftstudiums für jeden Christen aufzuzeigen. Im ersten Kapitel geht es um die fundamentale Frage, warum die Bibel studiert werden sollte. Sproul benennt zunächst Dinge, die vom Bibelstudium abhalten, während er dann in einem weiteren Schritt zeigt, was für ein genaues Studium der Schrift spricht. Im zweiten Kapitel argumentiert der Autor, warum die Bibel persönlich studiert werden sollte; dabei benennt er aber auch die Gefahr des Subjektivismus, die bei einer zu starken Betonung des persönlichen Auslegens im Raum steht. Im dritten Kapitel wird der Begriff Hermeneutik erklärt: Hierbei geht es um Regeln und Richtlinien zur Auslegung. Im vierten Kapitel werden praktische Werkzeuge zur persönlichen Auslegung an die Hand gegeben. Im fünften Kapitel beschäftigt sich der Autor mit dem Zusammenhang zwischen Bibel und der Kultur der Niederschrift und der Kultur des (heutigen) Lesers. Im sechsten Kapitel werden noch einige nützliche Hilfsmittel zum Bibelstudium genannt. 

Drei Aspekte aus dem Inhalt des Buches

Der Gefühlschrist

Der Gefühlschrist will Gott nicht erkennen, sondern ihn „erleben“. Daraus resultiert ein geringer Stellenwert der Bibel. Das bedeutet in der Konsequenz ein geistliches Leben, dessen Pegel immer auf Höhe der Gefühle ist. Anstatt sich von der Wahrheit des Wortes beeinflussen zu lassen, vertraut man lieber den eigenen Gefühlen. Das kann so weit gehen, dass die eigenen Gefühle der letztendliche Maßstab für Wahrheit werden. Wenn also die Schrift zum Beispiel das volle Heil in Christus bezeugt, ist es möglich, dass der Gefühlschrist diese Tatsache verleugnet, da seine Gefühle ihm sagen, er müsse zu seinem Heil noch eigene Leistungen hinzufügen. Dabei richtet sich die Bibel in erster Linie an den Verstand. Das bedeutet nicht, dass Gefühle keine Rolle spielen. Aber sie erwachsen erst aus dem richtigen Verstehen der Schrift. Je höher das Wissen und die Erkenntnis der bzw. über die Schrift sind, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dementsprechende Gefühle zu entwickeln. Dabei ist aber immer die Reihenfolge entscheidend: Erkenntnis und dann Gefühle.

In dem dazugehörigen Kapitel benennt Sproul die Gefahr des falschen Maßstabs, wenn Gefühle über das Wort Gottes gesetzt werden. Daraus kann eine große seelsorgerliche Herausforderung resultieren: Gerade in gemeindlichen Hintergründen mit anthropozentrischer Theologie wird (mehr oder weniger) bewusst der Mensch in den Mittelpunkt gestellt, was häufig Probleme mit der Heilsgewissheit zur Folge haben kann. Hier ist es wichtig, die objektive Wahrheit des Wortes deutlich zu machen, aus der dann die subjektive Glaubenserfahrung erst entspringen kann. Dabei ist entscheidend, dass diese Tatsache auch faktisch in die offizielle Lehre der Gemeinde aufgenommen wird und Einfluss auf die Homiletik hat. Denn letztendlich ist primär die wöchentliche Predigt eine der Hauptquellen des geistlichen Lebens. In dieser Hinsicht wäre es auch wichtig, den Zusammenhang zwischen der Schrift, dem Heiligen Geist und der persönlichen Erfahrung zu klären, da hier durch ein falsches Verständnis oft Missverständnisse entstehen, die jemanden erst zum „Gefühlschristen“ werden lassen.

Implizite Aussagen durch explizite Stellen belegen

Indirekte Aussagen ergeben sich oftmals aus dem Text, stehen aber nicht ausdrücklich dort. Bei der Auslegung der Schrift besteht die Gefahr, indirekte Aussagen als direkte Aussagen des Textes zu erklären. Viele Unterschiede in Lehrauffassungen entstehen, weil man Dinge aus Textstellen schließt, die nicht ausdrücklich gesagt werden. Im schlimmsten Fall widerspricht eine Implikation einer expliziten Textstelle; wenn dieses der Fall ist, muss die Implikation in jeder Hinsicht abgelehnt werden. Falsche Implikationen werden vor allem dann gemacht, wenn man zu schnell etwas in den Text hineinlesen möchte und mit seinem vorgefassten Lehrgebäude die Stelle erklären möchte. Mit diesem Prinzip hängt auch die Regel zusammen, unklare Aussagen im Licht des Eindeutigen zu erläutern. Wenn man diesen Gesamtaspekt nicht beachtet, besteht die Gefahr, Sonderlehren aufzustellen, die sektiererischer bzw. esoterischer Natur sind. Entscheidend bei der Arbeit mit dem Text ist deshalb große Sorgfalt und Unvoreingenommenheit.

Bibel und Kultur

Beim Themenkomplex „Bibel und Kultur“ gibt es zwei Problemfelder: Zunächst ist es schwierig, die entsprechenden Textstellen zu verstehen und präzise auszulegen, da die Kultur zur Zeit der Niederschrift rekonstruiert werden muss. Je besser der kulturelle Hintergrund (vor allem des ersten Jahrhunderts nach Christus) verstanden wird, desto leichter ist es, Texte aus dieser Zeit richtig zu verstehen. Das zweite Problemfeld besteht darin, dass der subjektive kulturelle Einfluss des heutigen Lesers ihn bei der Lektüre beeinflusst und möglicherweise zu Falschauslegungen führt. Daher ist es notwendig, das reformatorische Prinzip des „Tabu-la-rasa“ anzuwenden und möglichst alle subjektiven Einflüsse bei der Bibellese auszuschalten. Da dies nicht vollständig möglich ist, muss das Ziel sein, die subjektive Wahrnehmung des Lesers in einer Art Zirkel immer mehr von der objektiven Wahrheit der Schrift zu prägen. 

Fazit

Dieses Buch ist im Grunde uneingeschränkt zu empfehlen. Auch wenn der deutsche Titel etwas unglücklich ist und sich das Buch eher weniger mit konkreten hermeneutischen Werkzeugen befasst, äußert Sproul doch sehr wertvolle Gedanken zum grundsätzlichen Verständnis von Gottes Wort, die einer Textanalyse vorausgehen sollten. Das Buch ist für wenig Geld beim Betanien-Verlag zu erwerben.

Warum eigentlich Kindertaufe?

Manch ein Baptist (oder welcher wiedertäuferischen Richtung man auch angehört) empfindet die Kindertaufe beinahe als ketzerisch. Diesen recht kurzen Beitrag von R.C. Sproul über die Lehre der Taufe habe ich soeben wirklich genossen. Er zeigt sehr schön von der Bibel her auf, welch reiche Bedeutung dieses Symbol hat. Daneben lässt sich aus dem Vortrag auch die Argumentationslinie der Kindertäufer erkennen, die – richtig verstanden – keineswegs leichtfertig jedem das Heil zuspricht und m.E. durchaus nachvollziehbar ist.

Wenn Sünder sich das Ja-Wort geben (2): Was in der Ehe wirklich zählt

– ein Beitrag von Donatus:

Es hat mich erstaunt, wie Dave Harvey an dieses Thema herangeht. Er beginnt mit einem Zitat von R.C. Sproul:

„Kein Christ kann Theologie vermeiden. Jeder Christ ist ein Theologe. Dies vielleicht nicht in einem technischen Sinne, aber dennoch ein Theologe. Die Frage, die sich für einen Christen stellt, ist nicht die, ob er ein Theologe ist oder nicht, sondern ob er ein guter Theologe ist – oder ein schlechter!“

Das ist eine starke Aussage, ich selbst habe mich nie so gesehen. Aber Harvey hat völlig recht:

„Was für ein Theologe bist du? Das ist nicht schwer herauszufinden. ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht, unsere Vorstellungen über das Leben, über die Ehe, über Gefühle, Konflikt usw. offenbaren sich durch unsere Worte und durch unser Verhalten – und spiegeln damit unvermeidlich unsere Ansicht über Gott wider. Das was wir mit unseren Lippen reden, ist schlicht unsere Theologie.“

Aufbauend auf dieser Erkenntnis führt Harvey drei der wichtigsten Bestandteile einer soliden biblischen Theologie an:

1. Die Grundlagen deiner Ehe – die Bibel

„Es ist eine unglaubliche Erfahrung, dass die Beständigkeit und die Qualität der Ehe letztendlich nicht von der Stärke deines Einsatzes für die Ehe abhängt, sondern von etwas völlig anderem – nämlich Gottes Wahrheit – von der Wahrheit, die wir klar und deutlich auf den Seiten der Bibel finden! […] Als Herr hat Er alles gegeben, was wir zum Leben, zur Gottesfurcht – und auch zur Ehe – benötigen. In Seinem Wort. Die Bibel ist das Fundament für eine gelingende Ehe.“

2. Die Quelle deiner Ehe – das Evangelium

„Das Evangelium ist das Herzstück der Bibel. Alles in ihr ist entweder Vorbereitung auf das Evangelium, Darlegung des Evangeliums oder Teilhabe am Evangelium. Im Leben, Sterben und Auferstehen Christi gibt uns das Evangelium eine ultimative Lösung für unsere Sünde – für heute, für morgen, für den Tag, an dem wir vor Gott stehen, für immer. […] Das heißt das Evangelium ist ein nicht endender Quell der Gnade Gottes für unsere Ehe. Man muss also dringend ein klares Verständnis des Evangeliums haben, nicht nur, um ein guter Theologe zu werden, sondern auch, um in der Lage zu sein, sich auf eine lebenslange, blühende Ehe zu freuen. Sonst kannst du weder Gott noch dich selbst noch deine Ehe als das sehen, was sie wirklich sind. Das Evangelium ist der Quellort einer blühenden Ehe.“

3. Der Focus deiner Ehe – die Ehre Gottes

„Wenn wir beginnen, unsere Ehen an biblischer Wahrheit zu orientieren, werden wir etwas erstaunliches sehen: Die Ehe wurde nicht nur von Gott erfunden, sie gehört Ihm auch. Er hat einen einzigartigen Anspruch auf ihr Urheberrecht, ihre Idee und ihre Zielsetzung. Sie existiert faktisch sogar mehr für ihn als für die Ehepaare selbst.“

Obwohl diese Worte auf den ersten Blick hart klingen, lässt uns Gottes Wort Harvey zustimmen. Wenn wir uns z.B. das fünfte Kapitel des Epheserbriefes anschauen, so werden wir merken das hinter den Worten von Paulus wesentlich mehr steckt als nur ein oberflächliches „Seid nett zueinander“:

„Das hervorstechendste Merkmal der Argumentationsweise des Paulus ist die Tatsache, dass er Christus als Bezugspunkt all unseres Verhaltens in der Ehe ansieht! Ehefrauen sollen sich ihren Männern „als dem Herrn“ unterordnen (V. 22). Ehemänner sollen ihre Frauen lieben, „wie Christus die Gemeinde geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat“ (V. 25). Ehemänner ihre Frauen pflegen und wertschätzen, „wie Christus die Gemeinde“ (V. 29). […] Die Ehe ist ehrfurchtgebietend, weil Gott sie entworfen hat, um seine Herrlichkeit aufzuzeigen. Der Fokus einer gelingenden Ehe ist die Ehre Gottes.“

Der Gefühlschrist

In einem der letzten Beiträge ging es um den Stellenwert von persönlichen geistlichen Erfahrungen. Eine der potenziellen Gefahren bei zu starker Betonung von Erfahrungen benennt R. C. Sproul:

Was ist ein Gefühlschrist? Er ist jemand, der sich von seinen Gefühlen leiten lässt, anstatt vom Verstehen des Wortes Gottes. Der Gefühlschrist ist nur dann zum Gottesdienst, Gebet oder Bibelstudium zu bewegen, wenn er sich danach fühlt. Sein geistliches Leben ist nie stärker, als seine momentanen Gefühle. Wenn er gerade geistlich „gut drauf“ ist, dann ist er ein Wirbelwind an Glaubensaktivität. Wenn er niedergeschlagen ist, ist er geistlich untätig. Er ist ständig auf der Suche nach neuen geistlichen Erfahrungen und deutet auf deren Grundlage das Wort Gottes. Seine „inneren Gefühle“ werden zum letztendlichen Maßstab für die Wahrheit. […] Der Gefühlschrist geht fröhlich seines Weges, bis er die Mühsal nicht so erfreulicher Probleme zu spüren bekommt und daran zerbricht. Meistens bleibt er dann an einer „Beziehungstheologie“ hängen. Das ist einer der übelsten Flüche der heutigen Christenheit […]

Sproul, Robert, Charles, Der Gefühlschrist, in: Bibelstudium für Einsteiger. Eine Einführung in das Verstehen der Heiligen Schrift, Deutsche Ausgabe, Oerlinghausen 2009, S. 26-27.