Johannes Busch (2): Hülben

Die geistliche Heimat der Busch-Familie liegt vor allem im schwäbischen Pietismus. Wilhelm Busch schreibt:

„Als Kinder durften wir mit den Eltern unsere Schulferien immer in der Heimat der Mutter, in Hülben verbringen. Das klingt jetzt so trocken. Aber wer kann ermessen, welche Fülle von Freude, Herrlichkeit und Liebe dies Wörtlein Hülben umschließt! Hülben ist ein Dorf auf der Hochfläche der Schwäbischen Alb. Mitten im Dorf steht ein riesiges Haus. Uns kam es immer wie ein altes Schloss vor. Ich habe nie wieder in meinem Leben einen so wunderlichen Bau gesehen wie dies „Alte Schulhaus“. Unter dem weitausladenden Dach sind zwei Schulräume, dazu die Wohnung des Lehrers. Und weil dieser früher zugleich Bauer war, deckt das Dach auch noch einen Stall für Kühe und Schweine, eine gewaltige große Scheune und geheimnisvolle Speicher, in denen Korn lagert und abgestellter Hausrat von vielen Generationen, also ein richtiges Ferienparadies für uns Kinder.“ (S. 10)

Ich bin kürzlich für ein paar Tage bei Stuttgart gewesen und habe es mir nicht nehmen lassen, Hülben aufzusuchen. Da habe ich nach einigem Hin und Her auch erfahren, dass das „Alte Schulhaus“ noch existiert, wenn auch nur noch eine alte Einwohnerin wusste, dass dies das alte Schulhaus sei. Ich war erstaunt, als ich auf der Klingel feststellte, dass sogar die Familie Kullen (das ist der Mädchenname der Mutter von Johannes und Wilhelm Busch) das Haus noch bewohnt. Auch die altpietistische Gemeinschaft trifft sich dort noch regelmäßig zur „Stund“. Hier einige Eindrücke:

Die Hochfläche der schwäbischen Alb ist schön:
Ausblick ganz in der Nähe von Hülben    
Das „Alte Schulhaus“, aber mit frischem Anstrich

Was Hülben für die Busch-Brüder aber vor allem sehr wertvoll machte, war die geistliche Prägung die sie dort bekamen. Busch schreibt:

„Die Buschkinder, die lesend im Garten sitzen, springen auf. Sie wissen: Jetzt kommt die „Stund“. Die gehört zu dem alten Haus wie das seltsame kleine Backhaus, wie die dunkelroten, vermoosten Dachziegel und wie die leuchtenden Ringelblumen im Garten. Ja, viel mehr: Die Kinder ahnen schon, dass diese „Stund“ das Herz dieses Hauses ist.“ (S. 13f.)

Und dann beschreibt er, wie die Bauern zusammenkommen, liebliche Hiller-Lieder singen und das Wort Gottes austauschen:

„Einen nach dem anderen fordert der Stundenleiter zu einem Wort auf. Das ist auch für Kinder nicht langweilig. In breitem Schwäbisch sprechen diese Bauern und Arbeiter von ihrem Alltag, ihren Sorgen und ihrem herrlichen Heiland.“

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