Christus allein

Lass dich prägen von Gottes Wort: Auswendiglernen

Vor einigen Jahren war ich Teil eines Freizeitteam, welches für die Organisation einer Jugendfreizeit zuständig war. Es sollte nach Dänemark gehen. Neben den Aktivitäten und Workshops, die dafür geplant wurden, entschied man sich damals für den 1. Thessalonischerbrief als thematischen Schwerpunkt. Um die Jugendlichen zu motivieren, sich schon vor der Freizeit mit diesem Brief zu beschäftigen, wurde etwa anderthalb Monate vor der Freizeit ein Wettbewerb ausgerufen: der Brief sollte auswendiggelernt werden. Es galt auf der Freizeit seinen gelernten Teil einer Jury aufzusagen und derjenige, dessen gelernter Anteil der größte war, gewann ein Buch. Dabei gab es insgesamt 5 Plätze und somit 5 Bücher zu gewinnen, deren Auswahl und Beschaffung mir anvertraut wurde. Ich fand die Idee mit dem Wettbewerb persönlich sehr gut und besorgte sehr gerne die Bücher, nahm aber leider nicht aktiv daran teil. Der Grund meiner Nichtteilnahme war, wie ich das jetzt im Nachhinein beurteile, dass ich nicht schlecht abschneiden wollte. Es nahmen insgesamt nicht sehr viele Jugendliche teil, aber die Ergebnisse der Teilnehmer waren erstaunlich.

Vorteile des Auswendiglernens

Natürlich war so ein Wettbewerb eine besondere Situation und hat vielleicht einige zum Auswendiglernen gereizt, die sich sonst nicht einen ganzen Brief zum Auswendiglernen vorgenommen hätten. Ich bin aber heute überzeugt, dass das Auswendiglernen von Bibelversen oder Bibelbüchern eine wunderbare Möglichkeit ist, sich mit Gottes Wort auseinander zu setzen und sich davon prägen zu lassen. Man hat die Möglichkeit, sich durch das Wiederholen und Rezitieren die Worte sozusagen „auf der Zunge zergehen“ zu lassen, wahrscheinlich noch mehr als beim Lesen oder Beten der Worte der Bibel. Außerdem hat man die auswendiggelernten Passagen immer dabei und kann im Alltag darüber nachsinnen (vgl. Psalm 1). Ich kenne viele Christen, die einzelne thematisch ausgewählte Bibelverse auswendig kennen. Und das ist auch sehr gut, kann man so doch zu unterschiedlichen Themen passende Verse abrufen. Neben dem oben beschriebenen Wettbewerb hatte ich in der Jugendzeit auch Berührungspunkte mit diesem Thema des Auswendiglernens von Bibelbüchern durch zwei Jugendliche, die mehrere Briefe auswendig können, darunter auch lange Briefe wie den Römerbrief und den Hebräerbrief. Das fand ich damals (und finde es heute auch) sehr bewundernswert.

Welchen Mehrwert hat das Auswendiglernen eines Buches?

Im Gegensatz zum Lernen einzelner Verse prägt man sich beim Lernen eines Buches nicht nur einzelne Verse ein, sondern man lernt alle Verse. Auch die Verse, die einem zunächst nicht so bedeutungsvoll vorkommen wie andere Verse. Dadurch kann man den Fluss eines Buches aber viel besser verstehen und lernt die Gesamtaussage eines Buches kennen. Man entdeckt Begriffe, die sich wiederholen und reflektiert, wie diese Begriffe verwendet werden und stellt Zusammenhänge fest, die einem vorher noch nicht bewusst waren.

Warum sollte man ein Bibelbuch auswendig lernen?

Jesus hat seinen Jüngern versprochen, dass sein Wort ihnen wahre Freiheit schenkt. Das Auswendiglernen kann helfen, Gottes Wort immer besser zu verstehen und im Herzen verändert zu werden, was sich dann in unserem Denken und Handeln zeigt. Neben den genannten Vorteilen ist es hier noch wichtig zu betonen, dass die Motivation dafür die Ehre Gottes, und nicht die eigene Ehre, sein sollte. Ein Einwand könnte sein: „Ich könnte stolz werden“. Doch wie die Bibel erklärt, bist du bereits stolz. Sich mit der Bibel zu beschäftigen ist niemals Ursache für unseren Stolz, sondern Heilmittel.

Praktische Tipps

  • Auswahl des Buches: Man sollte sich für den Anfang ein Buch auswählen, welches nicht zu viele Verse hat, am besten ein Buch, das dir viel bedeutet (Frage: Welches Buch hat mir in meinem Glauben besonders weitergeholfen?). Dabei kannst du ruhig noch Fragen an das Buch mitbringen, muss nicht alles verstanden haben.
  • Verschaffe dir einen Überblick! Wie viele Verse hat das Buch? Wie viele Tage würdest du dafür benötigen, wenn du jeden Tag (oder sechs Tage pro Woche) einen Vers lernen würdest?
  • Mache dir einen Plan! Je nachdem wie leicht es dir fällt, eine Sache jeden Tag zu machen, solltest du dir überlegen, Pufferzeit mit einzuplanen. 10 – 15 % können ein angemessener Spielraum sein.
  • Fass einen Entschluss! Halte deinen Entschluss schriftlich fest und lege ihn so ab, dass du ihn dir regelmäßig zur Motivation hervorholen kannst. Schreibe deine Motivation auf (das Warum hinter dem Entschluss) und das Enddatum. 
  • Täglicher Lernprozess: Jeden Tag wiederholst du zuerst 10 x den Vers vom Vortag und lernst einen neuen Vers auswendig, indem du auch diesen 10 x wiederholst. Anschließend gehst du alle bisher gelernten Verse durch. Man kann auch einen Tag in der Woche, z.B. am Sonntag, pausieren.
  • Anhand des Galaterbriefes sieht es dann wie folgt aus:
    • Tag 1: Galater 1,1 10 x einprägen
    • Tag 2 Galater 1,1 10 x wiederholen -> Galater 1,2 10 x einprägen -> Galater 1,1-2 durchgehen
    • Tag 3 Galater 1,2 10 x wiederholen -> Galater 1,3 10 x einprägen -> Galater 1,1-3 durchgehen
    • Tag 21 Galater 1,20 10 x wiederholen -> Galater 1,21 10 x einprägen -> Galater 1,1-21 durchgehen etc.
  • Lerne Kapitel- und Verszahlen mit! Dies hilft dabei, keinen Vers beim Durchgehen zu vergessen. Außerdem weiß man, wo man diesen Vers „wiederfinden“ kann.
  • Präge dir die Verse „photographisch“ ein! Auswendiglernen hat viel mit visueller Merkfähigkeit zu tun.
  • Lies die Verse laut! Nutze sowohl die visuellen, als auch die akustische Merkfähigkeit.
  • Plane dir für jeden Tag eine Zeit ein, in der du den Lernprozess ausführst. Bedenke, dass mit jedem Tag die benötigte Zeit etwas zunimmt. Idealerweise lässt sich dieser Lernprozess in deine Morgenroutine (beim Kaffeekochen, direkt nach dem Bibellesen o.ä.) integrieren, was hilfreich für das Etablieren dieser neuen Gewohnheit ist. 
  • Bleib dran! Solltest du bemerken, dass du deine Ziel-Zeit nicht erreichst, mach dennoch weiter. Wichtig ist nicht, dass dein Plan funktioniert, sondern die Beschäftigung mit dem Wort Gottes. 
  • Bete und vertraue Gott! Bitte Gott um Demut und Durchhaltevermögen!

Literaturempfehlung

Ich bin seit einigen Wochen dabei den Galaterbrief auswendig zu lernen. Dazu motiviert und für diesen Artikel inspiriert hat mich das kurze E-Book „An Approach to Extended Memorization of Scripture“ von Dr. Andrew Davis (hier erhältlich). Es enthält neben einigen weiteren praktischen Hinweisen und Erklärungen einen motivierenden Teil, der den großen Wert des Auswendiglernens von Abschnitten aus der Bibel zeigt. Außerdem geht er auf mögliche Einwände ein und entkräftet diese. Klare Leseempfehlung!

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