Theologie vs. "Einheit" – Die Wichtigkeit von reiner Lehre

Erwin Lutzer schreibt in dem Buch „Einig in der Wahrheit? Grundlegende Kontroversen in der Geschichte des Christentums“ am Schluss über die Tendenz, die Einheit der Kirche mit allen Mitteln zu erreichen – während die Lehre darunter leidet, wie er meint (und ich übrigens auch denke):

Heute gilt Toleranz vielmehr als lehrmäßige Genauigkeit. Wir haben uns an christliche Talkshows gewöhnt, in denen Erfahrungen groß und Lehre sehr klein geschrieben werden. Einige der Kardinalforderungen christlicher Publizistik ist die, dass man Lehre, falls überhaupt vorhanden, auf den kleinsten gemeinsamen Nenner reduziert. Wenn man an die Massen appelliert, das Evangelium anzunehmen, dann bekommen sie kaum Gründe geliefert, was und warum sie glauben sollten.

[…] Während ich diese Zeilen schreibe, dringt das Denken der New Age Bewegung in die Christenheit ein. Manche halten östliche Spiritualität für durchaus vereinbar mit dem christlichen Glauben. Die Einzigartigkeit des Christentums wird in einem verstandesfeindlichem Trachten nach Erfahrungen fast vollständig preisgegeben.

[…] Ich plädiere dafür, dass die Theologie wiederum zur Königin der Gelehrsamkeit erhoben werde. Das bedeutet mit anderen Worten ausgedrückt, dass wir nie ablassen sollten, über die grundlegenden Fragen zu diskutieren. Unser ewiges Los und das Schicksal der Welt hängen am rechten Verständnis der in diesem Buch diskutierten Lehren. […]

Lutzer zeichnet das Bild einer christlichen Gemeinschaft, die (fast) ohne Lehre auskommt. Deshalb halte ich es für sehr wichtig, auch weiter für eine „lehrreiche“ Diskussionskultur (und auch für Dinge wie die Gemeindebibelschule) einzutreten!

Ein Gedanke zu „Theologie vs. "Einheit" – Die Wichtigkeit von reiner Lehre“

  1. „Ich plädiere dafür, dass die Theologie wiederum zur Königin der Gelehrsamkeit erhoben werde.“
    Ich erinnere mich gerne an manches Gespräch mit dem Dozenten an der Uni, der meine Diplomarbeit betreute. Durch ihn bin ich darauf aufmerksam gemacht worden, dass sich geschichtlich eine gewaltige Verschiebung ergeben hat. Früher war die Theologie tatsächlich Königsdisziplin an den Universitäten. Alle Lehrstühle, ob geisteswissenschaftlicher oder naturwissenschaftlicher Art, mussten sich der Theologie unterordnen. Die Wissenschaft hat sich heute jedoch verselbstständigt. Heute besetzt die Theologie nur einen von vielen Lehrstühlen an den Unis. Und mit der Naturwissenschaft hat sie schon lange nichts mehr zu tun. Schade. Die Folgen hast du ja auch für die Gemeinde aufgezeigt.

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