Wir dürfen leben!

Joni Eareckson schreibt in ihrer Biografie „Der Gott, den ich liebe“:
Erinnerung bedeutet mir alles. Als Kind konnte ich ein afrikanisches Veilchen auf einer Fensterbank anschauen und mir später das Blaugrün der Staubgefäße, die krausen Blätter und die blassroten Blüten ins Gedächtnis zurückrufen, wenn andere schon vergessen hatten, dass da überhaupt ein Fensterbrett war.
Im Jahr 1967 wurde meine Erinnerung lebenswichtig für mich. Es war das Jahr, in dem ich durch einen Tauchunfall gelähmt wurde.
Ich war fast zwei Jahre im Krankenhaus. Die meiste Zeit verbrachte ich in einem sogenannten Strykerrahmen auf dem Rücken, sodass ich die Zimmerdecke anstarren, oder umgedreht, sodass ich den Fußboden betrachten konnte. Mit einem Körper, der nicht mehr in der Lage war, sich zu bewegen oder irgendetwas zu empfinden, rief ich mir jeden einzelnen Ausflug an den Strand, jeden Ritt, jedes Tennisspiel, jedes Lied, kurz, alles ins Gedächtnis, drehte und wendete es wie einen Diamanten und kostete seine Farbe und Leuchtkraft voll aus. Wenn ich meine Hände nicht mehr gebrauchen konnte, musste ich alles daran setzten, mich zu erinnern, wie es sich anfühlte, eine Flasche Coca-Cola in der Hand zu halten und zu spüren, wie die eiskalten Tropfen am Glas hinab und über meine Finger rannen. Wenn ich nie mehr gehen konnte, musste ich jede Einzelheit des Gefühls, wie meine Zehen sich bewegten, wie sie sich streckten, krümmten oder wackelten, heraufbeschwören.
Dieser Bericht hat mich nachdenklich gestimmt: ist es nicht so, dass wir uns über so viel Belangloses aufregen? Wir klagen darüber, dass es uns so schlecht geht und dass wir so viel Arbeit haben. Wir klagen über schlechtes Wetter und sind böse wenn uns eine kleine Krankheit einholt. Und dabei vergessen wir: wir dürfen Leben! Wir können gehen, laufen, essen, trinken und Sport treiben! Warum? Ist das Verdienst? Selbstverständlich? Nein, es ist GNADE! Gott hat uns das geschenkt – sollten wir nicht vor Dankbarkeit und Freude, ihm gegenüber, überfließen? Alles was wir tun, unser ganzes  Leben, sollte eine Anbetung Gottes sein. 

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