Hope for the Church

Ich habe am Mittwoch, auf dem Weg zur Arbeit, die Tim Keller-Predigt „Hope for the Church“ (hier zum Download verfügbar) gehört. Als ich auf dem Parkplatz ankam war ich beim Schlussgebet. Die Predigt hat mir so gut gefallen, dass ich sie auf dem Nachhauseweg noch einmal (fast) komplett durchgehört habe. Donnerstag habe ich die Predigt wieder auf dem Hin- und Rückweg zur und von der Arbeit gehört. Und Abends dann ein fünftes Mal, bei dem ich mitgeschrieben habe. Die Predigt lohnt sich!
Hope for the Church
Hebräer 10, 19-25
Unser Bibeltext zeigt, dass eine Gemeinde eine ganz bestimmte Art von Gemeinschaft ist bzw. sein sollte. Wir lernen drei Dinge:
1) Die Unersetzbarkeit der Gemeinde
Der Text fordert uns dazu auf, nicht unsere Versammlungen zu verlassen. Das Wort ‚Versammlung‘ ist (im Urtext) verwandt mit dem Wort Synagoge, was wiederum eine Gemeinschaft meint, in der jeder Teilnehmer wirklich zählt! ‚Versammlung‘ meint also nicht einfach einen Gottesdienst, den wir besuchen um eine Predigt zu hören, sondern eine Gemeinschaft in der alle Aspekte unseres Lebens zählen. Ein Schlüssebegriff ist hier das Wörtchen ‚miteinander‘ (one another). Wir lernen zusammen, wir essen zusammen, wir beten zusammen, wir lieben und bekennen einander unsere Sünden. Wir dienen gemeinsam einander. Was hat das mit der Unersetzbarkeit der Gemeinde zu tun? Der Hebräerbrief macht klar, dass die alttestamentlichen Gläubigen sich nicht direkt in die Gegenwart Gottes bewegen konnten. Gott wohnte im Allerheiligsten und nur der Priester durfte einmal im Jahr hereingehen. Aber gerade die Nähe Gottes brauchen wir! Durch Gottes Gegenwart werden wir verändert! Wenn ich egoistisch bin und mich Gott nahe und von ihm beeinflusst werde, dann verschwindet mein Egoismus. Und der Schreiber des Hebräerbriefes macht klar, dass wir durch das Blut Jesu geradewegs in die Gegenwart Gottes kommen können. Wir haben Zugang! Und jetzt die entscheidende Frage: wir bekommen wir Zugang zum Zugang (How do you access the access)? Durch die Gemeinde, durch Gemeinschaft. Der Schreiber macht das klar, indem er sagt: ‚wir können uns Gott nahen‘ und dann fährt er fort ‚und verlasst nicht die Versammlungen‘! Durch die Gemeinschaft in der Gemeinde nahen wir uns Gott und Gottes Kraft arbeitet an uns durch Gemeinschaft mit Geschwistern, sodass wir Christus ähnlicher werden. Das macht die Unersetzbarkeit der Gemeinde klar. Wie sieht diese Gemeinschaft aus?
2) Das Wesen der Gemeinschaft
Der Text zeigt vier Dinge auf, die eine christliche Gemeinschaft ausmachen:
 
1. Achthaben
Wir sollen aufeinander achthaben. Bleib stehen und denke wirklich nach! Wie kann ich meinen Freunden helfen geistlich zu wachsen? Weist du von Menschen, die darüber nachdenken, wie du geistlich wachsen kannst? Bist du Einer, der anderen hilft? Denke nach! Wir sollten unsere Freunden, Stärken, Schwächen und Sünden einander mitteilen und zusammen geistlich wachsen.
2. Anspornen
Wir sollen einander zum christlichen Leben anspornen. Anspornen meint mit jemandem ‚scharf nicht übereinstimmen‘, jemanden ‚scharf konfrontieren‘. Generell kann man sagen, dass wir dem anderen das geben was er braucht (!) und nicht was er will. Wir müssen verstehen, dass Sünde uns zerstört und den anderen das Recht geben uns zu korrigieren. Beispielsweise können wir zu unseren Freunden gehen und bekennen: „Die Bibel lehrt keinen Sex außerhalb der Ehe, aber ich habe das Verlangen. Die Bibel lehrt, dass wir nicht zu viel Geld für uns selbst verbrauchen sollten, aber ich tue das gerne“. Und dann geben wir unseren Freunden das Recht uns scharf zurechtzuweisen und uns zum christlichen Leben anzuspornen. Das brauchen wir!
3. Ermutigen
Wir sollen einander ermutigen. Es handelt sich hier im Grunde um das Gegenteil von Punkt 2. Wir sollen unterstützten und mitarbeiten. Wichtig ist, dass BEIDES vorhanden ist. Zurechtweisung und Ermutigung.
4. Arbeiten
Der Text fordert zu guten Werken auf. Die guten Werke sind das Produkt und wir sollen dafür arbeiten. Das Arbeiten hat eine sehr praktische Seite. Tim Keller erzählt, dass er, als seine Frau einmal länger krank war, jeden Abend von einem Gemeindemitglied eine Mahlzeit vorbeigebracht bekommen hat – gute Werke.
Keller macht aber auch klar, dass die guten Werke sich nicht nur auf die Gemeinde beziehen, sondern auch an Menschen ausgeübt werden sollten, auf die die Welt herabschaut. Er erzählt eine wahre Geschichte, die veranschaulicht was er meint:
Ein christlicher Redner fliegt zu einer Konferenz nach Hawaii. Aufgrund des Zeitunterschiedes ist er nachts wach und hungrig und sucht eine kleine Gaststätte auf. Zwei Frauen essen mit ihm im gleichen Raum und er ist gezwungen ihnen zuzuhören. Es stellt sich heraus, dass es sich um Prostituierte handelt, von denen die Eine, Agnes, morgen Geburtstag hat. Ihre Begleiterin fragt Agnes ob sie eine Feier veranstaltet. Agnes erwidert, dass sie noch nie in ihrem Leben eine Geburtstagsfeier hatte. Als die beiden Frauen gehen wendet sich Tony, der christliche Redner, an den Wirt und fragt ihn, ob er Agnes und ihre Freundinnen kennt. Dieser bejaht; er kennt Agnes und alle Freundinnen, bei denen es sich auch um Prostituierte handelt. Tony schlägt vor, für Agnes eine Geburtstagsfeier zu veranstalten. Der Wirt lädt die Freundinnen von Agnes ein, Tony kauft den Kuchen und die Dekoration. Als Agnes also die nächste Nacht zum Essen in die Gaststätte kommt ist der Raum geschmückt, ihre Freundinnen sind da und alles schreit „Herzlichen Glückwunsch“! Agnes ist so berührt, sie fällt auf einen Stuhl und kann nur weinen, sie ist nicht einmal in der Lage die Kerzen auf dem Kuchen auszupusten. Als sie den Kuchen anschneiden soll fragt sie, ob sie ihn jetzt essen muss, oder ob sie ihn auch aufbewahren kann. Sie nimmt den Kuchen, bringt ihn zu ihrem Block, wo sie wohnt, und will gleich zurückkehren. Tony und die anderen müssen warten. Tony fragt sich was er jetzt tun kann. Er schlägt den anderen vor für Agnes zu beten. Tony betet für ihre Errettung und für eine Lebensänderung. Nach dem Gebet fragt der Wirt, der erst jetzt merkt, dass Tony Christ ist, welcher Gemeinde er angehört. Tony sagt: „Der Gemeinde, die nachts Geburtstagsfeiern für Prostituierte veranstaltet“. Der Wirt erwidert lächelnd: „Nein, solche Gemeinden gibt es nicht! Wenn es sie gäbe, würde ich hingehen“.

Der Wirt sah Liebe und gute Werke und das weckte in ihm ein Verlangen nach dieser christlichen Gemeinschaft.
3) Die geheime Quelle
Die Verse 19-22 sprechen von dem was man als ‚Heilsgewissheit‘ bezeichnet. Es heißt in dem Text, dass wir ‚Freimütigkeit‘ (confidence) haben. Das bedeutet, dass wir ‚frei sprechen‘ können. Wir brauchen keine Angst haben, wenn wir mit Gott in Gemeinschaft sind. Wir sprechen mit unserem Vater wie ein Achtjähriger Junge, der seinen Vater um etwas bittet. Der Sohn denkt nicht über jedes kleine Wort nach, welches er ausspricht – das meint ‚Freimütigkeit‘. Warum haben wir das? Wenn wir Gott bitten uns anzunehmen, nicht aufgrund unseres Verdienstes, sondern aufgrund des Erlösungswerkes von Jesus und aufgrund seiner Gnade, dann sind wir ihm ‚inneren Ring des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes‘ (Keller erwähnt an dieser Stelle das Werk von C. S. Lewis „Der innere Ring“). Wir sind von dem angenommen, der wirklich zählt. Das gibt Freimut! Und Gott wird uns nicht verlassen! Wir verdienen es, von Gott verlassen zu sein, aber Christus hat die Verlassenheit, die wir verdienen, am Kreuz ertragen und darum wird Gott seine Kinder niemals verlassen. Christus hat es vollbracht!
Aus dieser Quelle fließt die oben beschrieben Gemeinschaft, die wir bilden sollen. Eine Gemeinde von Christen, die sich gegenseitig helfen geistlich zu wachsen und die auf diese Weise auch die ‚Gastwirte von Hawaii‘ für Christus gewinnen!
  

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