Die Souveränität Gottes und das Gebet

Wir haben als Jugendgruppe vor einigen Tagen einen Vortrag zum Thema „Gottes Souveränität und Mission“ hören (und genießen) dürfen. Als Folgen der Souveränität Gottes für die Mission wurden z. B. Demut oder auch Optimismus genannt. Heute haben wir mit einigen Jugendlichen die Frage diskutiert, warum man denn dann noch für Verlorene beten solle, wenn Gott sowieso souverän zum Heil bestimme. Einige Antworten bieten ältere Posts (hier und hier). Speziell zu diesem Thema hat auch John Piper schon gepredigt:

[…] Wenn nun jemand sagt: „O.k., angenommen, die Bekehrung eines Menschen hängt letztendlich wirklich von Gott ab, verstehe ich immer noch nicht, welchen Sinn Gebet macht. Wenn Gott vor Grundlegung der Welt erwählt hat, wer gläubig wird, welche Aufgabe erfüllt dann unser Gebet?“ Darauf antworte ich, dass es eine ganz ähnliche Aufgabe erfüllt wie die Evangeliumsverkündigung: Wie sollen die Verlorenen an den glauben, von dem sie nicht gehört haben, und wie sollen sie hören ohne einen Prediger, und wie sollen sie predigen, wenn sie nicht gesandt sind (Römer 10,14f.)? Der Glaube an Christus ist eine Gabe Gottes (Johannes 6,65; 2. Timotheus 2,25; Epheser 2,8), aber Gott hat verordnet, dass Menschen durch das Mittel der Evangeliumsverkündigung zum Glauben an Jesus Christus kommen. Es ist einfach naiv, wenn man sagt, dass die Erwählten sich sowieso bekehren würden, auch wenn niemand das Evangelium verkündet. Das ist deshalb naiv, weil es die Tatsache ignoriert, das die Verkündigung des Evangeliums genauso zuvorbestimmt ist wie der Glaube an das Evangelium: Paulus wurde zum Verkündigungsdienst ausgesondert, bevor er geboren wurde (Galater 1,15), gleiches gilt für Jeremia (Jeremia 1,5). Die Frage: „Würden die Erwählten gerettet, wenn wir nicht evangelisierten?“, kommt deshalb der Frage gleich: „Würden die Erwählten gerettet, wenn es keine Erwählung gäbe?“ Gott kennt die Seinen und er wird Boten erwecken, um sie zu gewinnen. Wenn sich jemand weigert, Bestandteil dieses Planes zu sein, weil ihm der Gedanke missfällt, da hineingenommen zu werden, bevor man geboren ist, dann werden weder Gott noch die Erwählen die Verlierer sein, sondern er. „Man wird gewiss in jedem Fall der Absicht Gottes dienen, wie immer man auch handelt, aber es ist ein Unterschied, ob man der Absicht Gottes dient wie Judas oder wie Johannes.“

Gebet gleicht der Evangeliumsverkündigung darin, dass es eine menschliche Handlung ist. Sie ist eine menschliche Handlung, die Gott verordnet und an der er Gefallen hat, weil sie die Abhängigkeit seiner Geschöpfe von ihm ausdrückt. Er hat verheißen, Gebet zu erhören, und seine Erhörung hängt in dem Maße von unserem Gebet ab, wie unser Gebet in Übereinstimmung mit seinem Willen steht. „Und dies ist die Zuversicht, die wir zu ihm haben, dass er uns hört, wenn wir etwas nach seinem Willen bitten“ (1. Johannes 5,14). Wenn wir nicht wissen, wie wir gemäß dem Willen Gottes beten sollen, diesen aber ernstlich wünschen, „verwendet sich der Geist Gottes für uns Gottes Willen gemäß“ (Römer 8,27).

Anders gesagt: So wie Gott darauf achtet, dass sein Wort verkündet wird als Mittel zur Errettung der Erwählten, so achtet er auch darauf, dass all jene Gebete gebetet werden, deren Erhörung er verheißen hat. Ich denke, dass die Worte des Paulus in Römer 15,18 gleichermaßen für seine Verkündigung gelten wie auch für seinen Gebetsdienst: „Ich würde nicht wagen, etwas davon zu sagen, wenn nicht Christus es durch mich gewirkt hätte, um die Heiden zum Gehorsam zu bringen durch Wort und Werk.“ Sogar unsere Gebete sind eine Gabe von dem Einen, der „in uns schafft, was vor ihm wohlgefällig ist“ (Hebräer 13,21). O wie dankbar sollen wir sein, dass er uns erwählt hat, an diesem hohen Dienst beteiligt zu sein! Wie eifrig sollten wir sein, viel Zeit im Gebet zu verbringen!

Die ganze Predigt findet man hier.

Ein Gedanke zu „Die Souveränität Gottes und das Gebet“

  1. Danke, Helmut!
    Die Thematik ist wirklich nicht so einfach. Ich bin mit nicht sicher, ob wir (auf der Erde, als Menschen) die Beziehung zwischen Souveränität und Gebet je begreifen werden. Aber der Punkt von Piper ist gut: das Gebet ist das von Gott bestimmte Mittel, also sollten wir beten.
    Man könnte dazu neigen (um das Problem zu lösen), irgendwie an Gottes Souveränität herumzubasteln, was allerdings, so glaube ich, ein fataler Fehler wäre! Micheal Horten macht das klar: WEIL Gott souverän ist, können wir beten.
    Leute, die die Souveränität Gottes herunterspielen, damit Gebet Sinn macht, schneiden sich (wenn man den Gedanken zu Ende denkt) ins eigene Fleisch: man spielt Gottes Souveränität runter (und dann lehrt man als Konsequenz den freien Willen des Menschen!) und dann betet man für die Menschen. Warum? Gott ist nicht souverän, der Mensch hat einen freien Willen, soll er sich doch einfach entscheiden. Gott hat ja seinen Teil getan. Wenn die freier-Wille-Leute beten, dass Gott die Menschen rettet, dann vergewaltigt Gott doch den freien Willen, auf dem man bestehen will!
    Wenn man allerdings Gottes Souveränität anerkennt, dann macht Gebet schon mehr Sinn. Gott bearbeitet die Menschen und führt sie zur Umkehr (hilfreich könnte auch der Post vom 29.10.12 sein „Der widerwillige Bekehrte)
    Vielleicht hilft irgendjemandem der Gedankenanstoß.
    Anmerkung: mit dem oben erwähnten sage ich nicht, dass Gott zur Hölle erwählt, oder der Mensch überhaupt keine Verantwortung hat.

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