Was wir von Francis Schaeffer lernen können (13): Gebrauche deine Vernunft zu Gottes Ehre

Für viele Gläubige klingt das Wort „Vernunft“ bzw. „Verstand“ nach Sünde. Schließlich macht doch Paulus auch im Römerbrief 1,20-23 klar, „dass der Abfall des Menschen von Gott in seinem Denken beginnt“. Ist die Vernunft also böse? Hierauf muss ein deutliches Nein gegeben werden, denn

„die Boshaftigkeit bezieht sich nicht auf die Formen des Denkens (z.B. die Logik), sondern auf die Denkvoraussetzungen und Inhalte. […] Wir neigen dazu, den Bericht über den Sündenfall so zu deuten, als ob Einsicht und Erkenntnis an sich verwerflich seien. Aber die Problematik des Falls ist nicht Erkenntnis allgemein, sondern Erkenntnis, die unabhängig von Gott gewonnen wird.“

Kubsch spricht dabei von der autonomen bzw. heimatlosen Vernunft und erläutert die oft missbrauchte Stelle aus dem 1. Kapitel des 1. Korintherbriefes:

„Verwerflich ist also nicht die Einsicht oder die Vernunft, sondern die heimatlose Vernunft. Auch der Apostel Paulus verurteilt nicht das Denken. Zwar scheint es auf den ersten Blick so, als würde er in 1Kor 1-3 die Weisheit attackieren (1Kor 3,19-20) […]. Aber tatsächlich greift er die Weisheit dieser Welt an. Die Alternative zur weltlichen Weisheit (konkrete Vernunft) ist indes die ‚Weisheit Gottes‘ (ideale Vernunft, vgl. 1Kor 1,21-24; 2,6).“

Weiterhin verweist er auf das AT und macht deutlich, „dass die Alternative zum Missbrauch der gottgewollte Einsatz des Denkens ist.“ Der heimatlosen Vernunft kann also die beheimatete Vernunft gegenübergestellt werden:

„Wir sollen als Gläubige nicht mit dem Denken aufhören, sondern lernen, richtig zu denken.“ Ein Christ ist „ein denkender Mensch, ein Mensch, der seine nun beheimatete Vernunft dazu einsetzt, Gott die Ehre zu geben.“

aus: Ron Kubsch: Schaeffers Kierkegaard, in: Ron Kubsch (Hrsg.): Wahrheit und Liebe. Was wir von Francis Schaeffer für die Gegenwart lernen können. vkw 2007, S. 127-180.

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