Gott wirkt die Frucht

Psalm 1 sagt deutlich, dass Frucht aus dem Wort Gottes kommt. J. I. Packer stellt fest, dass wir in der Evangelisation mit unseren Methoden nicht weiter gehen dürfen:

Wenn wir vergessen, dass es Gottes alleiniges Recht ist, Frucht zu wirken, wo das Evangelium verkündigt wird, werden wir anfangen, uns selbst dafür verantwortlich zu fühlen. Und wenn wir vergessen, dass Gott allein den Glauben wirken kann, werden wir immer mehr denken, Bekehrungen zu schaffen sei letztlich von uns und nicht von Gott abhängig, und dass der entscheidende Faktor in der Evangelisation die Darbietung sei. Und diese Denkart führt uns – konsequent zu Ende gedacht – weit in die Irre. Sehen wir uns das einmal genauer an: Wenn wir meinen, unsere Aufgabe sei mehr, als nur Christus anzubieten, wenn wir meinen, wir hätten Bekehrungen zu produzieren – also nicht nur treu, sondern auch erfolgreich zu evangelisieren – dann werden wir pragmatisch und berechnend an die Evangelisation herangehen. Wir würden folgern, daß wir – sowohl im persönlichen Gespräch, wie auch bei öffentlichen Predigten – über zwei Grundvorraussetzungen verfügen müßten. Es genügte nicht nur ein klarer Begriff von der Bedeutung und Reichweite des Evangeliums; unerläßlich wäre außerdem eine unwiderstehliche Technik, die den gewünschten Erfolg herbeiführt. Wir sähen es daher als unsere Aufgabe an, eine solche Technik zu entwickeln und einzuüben. Und wir würden unsere und anderer Leute Evangelisationsarbeit nicht nur an der verkündeten Botschaft, sondern auch am sichtbaren Erfolg messen. Brächten unsere Bemühungen keine Erfolge, so schlössen wir daraus, daß unsere Technik verbesserungswürdig ist. Wenn sie aber Frucht bringen, so hielten wir dieses für die Bestätigung, die richtige Methode zu haben. Wir sähen in der Evangelisation einen Kampf zwischen unserem Willen und dem unserer Zuhörer, einen Kampf, bei dem der Sieg darauf zurückzuführen ist, daß wir durch unser wirkungsvolles Artilleriefeuer den erwünschten Erfolg erzwungen haben.

Schon Luther sagte in seinen Invokavitpredigten 1522: „Ich kann nicht weiter an Menschen herankommen, als bis zu deren Ohr; in ihr Herz kann ich nicht kommen.“ Wer das vergisst, läuft Gefahr, Scheinbekehrungen zu fördern. Das kann durch einseitig besucherzentrierte Themen geschehen, aber auch durch eine starke und damit ungesunde Betonung von Emotionen beim „Zuruf“. Was Luther, Packer und viele andere erkannt haben: Das Wort Gottes reicht vollkomen. Unsere Aufgabe liegt darin, ein klares Evangelium zu verkündigen. Der Rest ist Gottes Sache.

Wer das Thema vertiefen möchte, sollte sich diesen Vortrag von Wolfgang Nestvogel anhören. Hier geht es darum, wie Martyn Lloyd-Jones mit der Souveränität Gottes in der Evangelisation umging.

Zitat aus: MacArthur, John F., Wenn Salz kraftlos wird. Die Evangelien im Zeitalter juckender Ohren, Bielefeld 1996, S.160f..

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