Christus allein

Der Prophet Haggai (3): Auszeit für entmutigte Bauarbeiter (Hag 2,1-9)

I. Eine entmutigende Ausgangssituation (1-3)

Es sind bereits knapp vier Wochen Bauzeit vergangen, als Gott sich seinem Volk erneut zuwendet. Es ist ein einfacher Grund: das Volk bedarf einer stärkenden Auszeit. Die Anfangsmotivation scheint der ernüchternden Realität gewichen zu sein. Die Arbeit ging womöglich nicht so schnell voran, wie gedacht und ihr ganzes Tun schien in ihren Augen so viel wie Nichts zu sein. Was die Alten unter ihnen aber vor allem schmerzte, war die Erinnerung an den herrlichen, großartigen Tempel, den die Babylonier vor 66 Jahren dem Erdboden gleich gemacht hatten.

„Wer ist unter euch übrig geblieben, der dieses Haus in seiner früheren Herrlichkeit gesehen hat? Und wie seht ihr es jetzt? Ist es nicht so viel wie nichts in euren Augen?“ (Hag 2,3)

Gleich einem Trainer, der seinem Team ein Time-Out nimmt und seine Spieler um sich schart, um sie neu zu motivieren und zu korrigieren, läßt Haggai die Bauleute um sich sammeln.

II. Ein ermutigendes Wort (4-5)

Statt ihnen vorzuhalten, dass sie gerade erst 26 Tage am Werk sind, nimmt Gott sich zunächst Zeit für die beiden Führer Serubbabel und Josua, auf deren Schulter eine gewaltige Bürde lag. Und dann richtete er sich an das übrige Volk und allen gilt dieselbe Botschaft:

„Nun aber sei getrost, Serubbabel!‹ – so lautet der Ausspruch des HERRN – ›und sei getrost, Josua, Sohn Jozadaks, du Hoherpriester, und seid getrost ihr alle, die ihr das Volk des Landes bildet‹ – so lautet der Ausspruch des HERRN.“ (Hag 2,4)

Mit einem dreifachen „Seid getrost“ oder „Seid stark“ ermutigt er sie das angefangene Werk weiterzuführen. Gott weiß, diese Männer brauchen Ermutigung, Empathie und Zuspruch. Dabei ruft er ihnen nicht zu, wie man es heute populärer Weise tun würde: „Hey, ihr seid stark! In euch ist genug Stärke, ihr müsst euch nur auf eure inneren, verborgenen Kräfte besinnen.“ Nein, dass was ihnen neuen Mut verleihen soll, ist ihr Gott:

„Die Verheißung, die ich euch bei eurem Auszug aus Ägypten feierlich gegeben habe, bleibt bestehen, und mein Geist waltet in eurer Mitte: Fürchtet euch nicht!“ (Hag 2,5)

Ihr Ziel war es den Tempel zu bauen, damit Gott wieder in ihrer Mitte wohnen kann. Sie waren entmutigt wegen des bescheidenen Fortschritts, den sie vor Augen hatten. Nun aber sagt Gott, dass er schon mitten unter ihnen ist, und zwar bereits jetzt während sie bauen. Sie sollen stark sein, indem sie ihm vertrauen. Das muss für sie Wind in ihren schlaffen Segeln gewesen sein.

Erliegen wir nicht auch manchmal der Täuschung, dass Gott mit uns ist, wenn alles glatt läuft? Wenn es hingegen schwer wird, meinen wir Gott sei nicht mit uns. Gott ist mit uns auf unseren Baustellen in der Gemeinde, in der Familie und überall.

III. Eine motivierende Verheißung (5-9)

Nachdem Gott dem Volk in ihrer entmutigenden Lage Mut zugesprochen hat, korrigiert er ihre Perspektive. Sie sahen nur auf die vor ihnen liegende, sie überwältigende Arbeit, doch Gott hebt ihren Blick darüber hinaus. Er verspricht sein gewaltiges Eingreifen; dass seine Herrlichkeit diesen Tempel erfüllen wird. Es sind noch ca. 530 Jahre bis Jesus diesen Tempel betreten wird…

„Denn so spricht der HERR der Heerscharen: Noch einmal, eine kurze Weile, werde ich den Himmel und die Erde erschüttern, das Meer und das trockene Land; und ich werde auch alle Heidenvölker erschüttern, und das Ersehnte aller Heidenvölker wird kommen; und ich werde dieses Haus mit Herrlichkeit erfüllen, spricht der HERR der Heerscharen. […] Die letzte Herrlichkeit dieses Hauses wird größer sein als die erste, spricht der HERR der Heerscharen; und an diesem Ort will ich Frieden geben!, spricht der HERR der Heerscharen.“ (Hag 2,6-9)

Es geht den Bauleuten wie einem alteingesessenen Bauern, der nie über die Nachbardörfer hinaus gekommen ist und dann einen Flug über sein Dorf und das Umland gewinnen würde. Er erkennt aus der Höhe auf einmal die ganz großen Zusammenhänge: Dörfer, Städte, die sinnvolle Anordnung der Straßen, die vielen Wälder, die zahlreichen Seen und die vielen Ländereien. Bisher war sein Dorf alles, nun aber sieht er weiter. Sein Blick wird klarer. Ebenso verhilft Haggai den Juden nun zu einer weitsichtigeren Perspektive.

Auch uns sagt Haggai folgendes: Du lebst nicht nur hier in dieser Stadt, in deiner überschaubaren Gemeinde. Du lebst im großen Kreis des Planes Gottes! Du machst nicht nur den Kinderdienst, sondern du dienst Gott, der womöglich gerade mit den vor dir sitzenden Kindern, das Evangelium weit streuen möchte. Du putzt nicht nur den Saal. Du stellst nicht nur die Stühle und Tische für den Gottesdienst auf. Dein Tun ist eingebettet in Gottes Plan. Deine Arbeit am Reich Gottes ist nicht vergeblich in dem Herrn (1Kor 15,58)!

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