Christus allein

Schönheit und Grenzen von Biografien (Hofmannsthal)

Biografien sind zwar nicht meine vorrangige Literatur, doch weiß ich – ich denke hier konkret an einen früheren Jugendfreund – dass manche eine besondere Liebe zu dieser Gattung empfinden. Hugo von Hofmannsthal (1874-1910), ein österreichischer Dichter und Denker, den ich in den letzten Monaten durch seine „dezent-gefühlvollen“ Gedichte und tiefsinnigen Essays sehr zu schätzen gelernt habe, widmet sich in seinem Essay „Biographie“[1] der Grenzen und der Ästhetik von Lebensbeschreibungen. Einige besonders schöne Ausführungen möchte ich

Weiterlesen

Kindererziehung als „Training“ (L. Priolo)

Zorn  ist ein vom Schöpfer im Menschen angelegtes Potential, er ist also prinzipiell weder gerecht noch sündig. Entscheidend ist, wie diese Gemütsverfassung gebraucht wird. Um dem Kind im Umgang mit Zorn zu helfen, ist die Kommunikation unentbehrlich. Wenn das Kind in eine Problemsituation gerät, durch die es zum Zorn gereizt wird, wird es vermutlich auf eine der beiden sündigen Arten reagieren: entweder wird der Zorn sich in Wut und Geschrei entladen oder das Kind wird

Weiterlesen

Rebellische Kinder und der Einfluss der Eltern (L. Priolo)

Lou Priolo befasst sich in seinem Buch Rebellische Kinder[1] mit dem Ursprung von Zorn und Rebellion bei Kindern und gibt Eltern Rat im Umgang mit ihrem Kind. Vermutlich jeder Vater und jede Mutter ist schon mehrfach an seine persönlichen Grenzen gestoßen, wenn sein Kind zornig durchs Haus stürmt und die Tür hinter sich zuknallend ins Kinderzimmer flüchtet. Priolo möchte in seinem Buch zeigen, wie Eltern mit solchem Verhalten systematisch umgehen können. Auffälligerweise richtet er dabei

Weiterlesen

Die Endlichkeit des Lebens

Eine Beerdigung, wie ich sie in der letzten Wochen erlebt habe, ist immer wieder ein erdendes Ereignis. Dabei denke ich nicht an den liturgischen Satz des Predigers am Grab „Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub“, mit dem der Leichnam der Erde zurückgegeben wird. Ich denke vielmehr an mich, den Mittrauernden, für den die Erdung (bzw. Grablegung) des Gestorbenen ein Erlebnis ist, das ihn aus Wunschbildern und Visionen in die Realität holt. In

Weiterlesen

Was den Lebensdurst stillt

Die Samariterin, die Jesus am Jakobsbrunnen trifft, ist eine Frau wie wir. Sie sucht das wahre Leben. Ihr Durst richtet sich auf ein Leben, das sinnvoll, schön, erfüllend ist. Auf unterschiedlichen Wegen versucht sie ihrem Leben diese Qualitäten zu verleihen, doch Jesus macht ihr deutlich, dass ihre Wege zum Scheitern verurteilt sind. Das was sie braucht um ein Leben dieser Güte zu bekommen, ist die Gabe Gottes. Zuerst sucht die Frau, wir mir scheint, in

Weiterlesen

Jesus als Seelsorger im Gespräch mit der Samariterin

Das Gespräch zwischen Jesus und der Samariterin am Jakobsbrunnen (Joh 4) ist ein Paradebeispiel für die Seelsorge. Ich möchte kurz einige Aspekt beleuchten, die mir hier wichtig erscheinen. Das erste, was in diesem Gespräch zwischen Jesus und der Samariterin auffällt, ist, dass Jesu Augenmerk auf den Menschen und seine persönliche Not gerichtet ist. Er schert sich nicht sonderlich um die damaligen Konventionen, sondern spricht als Jude mit einer Person, die zu der Gruppe der Samariter

Weiterlesen

Lernt Vergebungsbereitschaft von den Kindern (Tolstoi)

Vor allem für uns Christen ist das Thema Vergebung von zentraler und existentieller Bedeutung. Wir bekennen in der Gemeinde durch Gesang und Zeugnis, dass wir (begnadigte) Sünder sind, die aus der Vergebung leben, und legen im lauten Gebet unsere Sündhaftigkeit Gott mit der Bitte um Vergebung vor. Diese Freimütigkeit, so scheint mir, endet aber dann, wenn uns ein anderer unsere Sünde tatsächlich spiegelt. Da stößt das offene Bekenntnis zur eigenen Sündhaftigkeit an seine Grenzen. Diese

Weiterlesen

Fiktiver Brief des Menno Simons an Dr. Martinus Luther

Dieser fiktive Brief basiert auf den Schriften des Menno Simons, herausgegeben vom Samenkorn Verlag 2013. Motiviert zum Schreiben dieses Briefes hat mich die Frage nach der Beziehung zwischen Menno Simons und Martin Luther: Menno Simons wünscht dem edlen und hochgelehrten Herrn Dr. Martinus Luther und seinen Mitarbeitern, wahren Glauben, klare Einsicht und einen unsträflichen Wandel, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. Zum Ersten: Dr. Martinus Luther bis in alle Ewigkeit habe ich die Verpflichtung Ihnen

Weiterlesen

Wenn Gnade das Herz überwindet… (Tolstoi)

Leo N. Tolstoi überträgt in seinen „Volkserzählungen und Legenden“[1] eine Erzählung von Victor Hugo, die mich ergriffen hat, da sie die Macht der Gnade plastisch und eindrücklich illustriert. Der Titel dieser kurzen Geschichte lautet „Die Macht der Kindheit“ und setzt folgendermaßen ein: „Töten …! Niederschießen …! Man muß den Schuft sofort erschießen! Man muss ihn töten …! Ihm die Kehle durchschneiden, dem Mörder …! Tötet ihn, tötet ihn …!“  Es ist eine riesige, aufgebrachte Menschenmasse,

Weiterlesen

Der junge Mann und Disziplin

Dass Disziplin ein Problem für junge Männer ist, führt Sanders im folgenden Zitat aus. Der junge Mann, der sich zur Führerschaft eignet, arbeitet, während andere bummeln; er studiert, während andere schlafen, betet, während andere sich amüsieren. […] Ohne sich zu sträuben, nimmt er die unliebsamen Aufgaben auf, vor denen sich andere drücken, die unscheinbare Pflicht, der andere ausweichen, weil sie keinen Beifall hervorruft und keine Würdigung findet.[1] Die Frage die ich mir angesichts dieser Problematik

Weiterlesen