Christus allein

Was ich an Dostojewski und Tolstoi schätze

In einem Frage-Antwort-Video antwortet Albert Mohler auf die Frage nach seinen Lieblingsromanen, indem er u.a. auf die russischen Autoren verweist. Das, was die Erzählungen beispielsweise eines Dostojewskis ihm gegeben hätten, sei die besondere Einsicht in das Wesen und das Innere des Menschen.[1] Es ist nun bereits etwas her, dass ich mir den ersten Roman eines russischen Autoren besorgt und gelesen habe: Eugen Onegin von Puschkin. Danach kamen Dostojewski und Tolstoi hinzu. Und ebenso wie Mohler

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Notizen zur Ringparabel

In diesem Jahr ist das Drama G. E. Lessings „Nathan der Weise“ (1779) Pflichtlektüre für die Abiturprüfung. Diese Lektüre gilt als zentraler Text der Aufklärung, die sich u.a. durch die (Über-)Betonung der Vernunft und der Emanzipierung von der Religion auszeichnet. Bei einem Besuch eines Buchhandels fand ich den Klassiker im „Sale“-Bücherkorb und erwarb die Reclam-Ausgabe für wenige Euro mit der gefühlten Verpflichtung, dieses bekannte Stück als Germanistik-Student einmal gelesen haben zu müssen. Nach dem Lesen

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Neue, revidierte Menge-Übersetzung

In diesem Jahr jährte sich der Todestag Hermann Menges[1] zum 80-sten Mal. Die erste Begegnung mit Menge hatte ich durch die seiner Feder entsprungenen Bibelübersetzung: der Menge-Bibel. In dem Bücherregal meines Vaters befand und befindet sich heute noch die Hexapla, eine Gegenüberstellung mehrerer Bibelübersetzungen wie z.B. Schlachter, Albrecht und eben auch Menge. Was mir damals diese Übersetzung sympathisch machte, war vermutlich die gute Verständlichkeit im Vergleich zur Elberfelder, aber auch zur Schlachter-Übersetzung. Irgendwann hörte ich,

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Schönheit und Grenzen von Biografien (Hofmannsthal)

Biografien sind zwar nicht meine vorrangige Literatur, doch weiß ich – ich denke hier konkret an einen früheren Jugendfreund – dass manche eine besondere Liebe zu dieser Gattung empfinden. Hugo von Hofmannsthal (1874-1910), ein österreichischer Dichter und Denker, den ich in den letzten Monaten durch seine „dezent-gefühlvollen“ Gedichte und tiefsinnigen Essays sehr zu schätzen gelernt habe, widmet sich in seinem Essay „Biographie“[1] der Grenzen und der Ästhetik von Lebensbeschreibungen. Einige besonders schöne Ausführungen möchte ich

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Kindererziehung als „Training“ (L. Priolo)

Zorn  ist ein vom Schöpfer im Menschen angelegtes Potential, er ist also prinzipiell weder gerecht noch sündig. Entscheidend ist, wie diese Gemütsverfassung gebraucht wird. Um dem Kind im Umgang mit Zorn zu helfen, ist die Kommunikation unentbehrlich. Wenn das Kind in eine Problemsituation gerät, durch die es zum Zorn gereizt wird, wird es vermutlich auf eine der beiden sündigen Arten reagieren: entweder wird der Zorn sich in Wut und Geschrei entladen oder das Kind wird

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Rebellische Kinder und der Einfluss der Eltern (L. Priolo)

Lou Priolo befasst sich in seinem Buch Rebellische Kinder[1] mit dem Ursprung von Zorn und Rebellion bei Kindern und gibt Eltern Rat im Umgang mit ihrem Kind. Vermutlich jeder Vater und jede Mutter ist schon mehrfach an seine persönlichen Grenzen gestoßen, wenn sein Kind zornig durchs Haus stürmt und die Tür hinter sich zuknallend ins Kinderzimmer flüchtet. Priolo möchte in seinem Buch zeigen, wie Eltern mit solchem Verhalten systematisch umgehen können. Auffälligerweise richtet er dabei

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Die Endlichkeit des Lebens

Eine Beerdigung, wie ich sie in der letzten Wochen erlebt habe, ist immer wieder ein erdendes Ereignis. Dabei denke ich nicht an den liturgischen Satz des Predigers am Grab „Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub“, mit dem der Leichnam der Erde zurückgegeben wird. Ich denke vielmehr an mich, den Mittrauernden, für den die Erdung (bzw. Grablegung) des Gestorbenen ein Erlebnis ist, das ihn aus Wunschbildern und Visionen in die Realität holt. In

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Was den Lebensdurst stillt

Die Samariterin, die Jesus am Jakobsbrunnen trifft, ist eine Frau wie wir. Sie sucht das wahre Leben. Ihr Durst richtet sich auf ein Leben, das sinnvoll, schön, erfüllend ist. Auf unterschiedlichen Wegen versucht sie ihrem Leben diese Qualitäten zu verleihen, doch Jesus macht ihr deutlich, dass ihre Wege zum Scheitern verurteilt sind. Das was sie braucht um ein Leben dieser Güte zu bekommen, ist die Gabe Gottes. Zuerst sucht die Frau, wir mir scheint, in

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Jesus als Seelsorger im Gespräch mit der Samariterin

Das Gespräch zwischen Jesus und der Samariterin am Jakobsbrunnen (Joh 4) ist ein Paradebeispiel für die Seelsorge. Ich möchte kurz einige Aspekt beleuchten, die mir hier wichtig erscheinen. Das erste, was in diesem Gespräch zwischen Jesus und der Samariterin auffällt, ist, dass Jesu Augenmerk auf den Menschen und seine persönliche Not gerichtet ist. Er schert sich nicht sonderlich um die damaligen Konventionen, sondern spricht als Jude mit einer Person, die zu der Gruppe der Samariter

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Lernt Vergebungsbereitschaft von den Kindern (Tolstoi)

Vor allem für uns Christen ist das Thema Vergebung von zentraler und existentieller Bedeutung. Wir bekennen in der Gemeinde durch Gesang und Zeugnis, dass wir (begnadigte) Sünder sind, die aus der Vergebung leben, und legen im lauten Gebet unsere Sündhaftigkeit Gott mit der Bitte um Vergebung vor. Diese Freimütigkeit, so scheint mir, endet aber dann, wenn uns ein anderer unsere Sünde tatsächlich spiegelt. Da stößt das offene Bekenntnis zur eigenen Sündhaftigkeit an seine Grenzen. Diese

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