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Der Ketzerbischof | Leben und Ringen des Reformators Menno Simons

Als ich vor einigen Monaten mit meinen Brüdern und meinem Vater auf den Spuren Menno Simons die Menno Kate[1], die ehemalige Druckerei der Schriften Mennos in Bad Oldesloe, besuchte, stießen wir auf einen etwa daumendicken, zusammengebundenen Papierstapel. Bei der Durchsicht der mit Schreibmaschine getippten Seiten, entdeckten wir, dass wir hier das Manuskript eines Romans über Menno Simons in den Händen hielten, der als die prägendste Gestalt der Mennoniten gilt. Das weckte mein Interesse: Eine leicht zugängliche Lektüre, um sich mit dem Leben dieses Mannes vertraut zu machen. Als ich mit einer anderen Gruppe Wochen später in der Mennonitenforschungsstelle am Weiherhof[2] in deren Bibliothek stöberte, stieß ich auf diesen Roman und diesmal in Buchform, das Manuskript hatte es in den Druck geschafft.

Der rund 400-seitige Roman „Der Ketzerbischof“ von Ernst Behrends, erschienen 1966, malt auf der Grundlage der historischen Eckdaten des Lebens Menno Simons eine fiktive, aber doch recht realistisch anmutende Geschichte des Täufervaters Menno Simons. Vorweggenommen sei gesagt, dass das Buch nicht wie erhofft die leichte Lektüre war, was vor allem der bereits veralteten Sprache und Begriffe geschuldet ist. Worte, wie „vermaledeit“, „Maid“ oder „Junker“, sind nun mal nicht die geläufigsten Worte unserer Zeit. Zum anderen sind die langen Sätze hier und da eine Herausforderung.  Inhaltlich ist in dem großen Personen-Netzwerk, das um Menno herum aufgebaut wird, leicht der Überblick zu verlieren. Hier bietet es sich an einen Notizzettel beim Lesen neben sich zu haben, um die Personen um Menno herum als auch die Art der Beziehung zu skizzieren. Neben der Herausforderung, die das Netzwerk darstellt, ist es jedoch für den interessierten Leser ein großer Nutzen, da er eine Vielzahl an historischen Personen, mit denen Menno in Beziehung stand und die sein Leben maßgeblich durch Freundschaft oder Feindschaft geprägt haben, kennenlernt. Überhaupt ist die gründliche  Schilderung der damaligen Welt, für den heutigen Leser, der z.B. an eine strikte Trennung zwischen Kirche und Politik und ein einiges Deutschland gewöhnt ist, ein großer Gewinn. Auch in die kirchengeschichtliche Situation mit Katholiken, Reformierten, Lutheranern und eben Täufern erhält der Leser einen Einblick. Was ich persönlich beim Lesen höchstinteressant empfunden habe, ist die Tatsache, dass die heutige Theologie der Mennoniten erkennbar in den Wurzeln, die bald 500 Jahre zurückreichen, angelegt ist.

Die Frage, die ich mir beim Lesen wiederholt gestellt habe, war: Ist diese Beziehung bzw. dieses Ereignis jetzt historisch oder fiktiv? Eine Hilfestellung zur Beantwortung dieser Frage bietet die dem Roman angehängte Auflistung der im Roman auftretenden, historischen Personen. Und natürlich ist es so, dass Fiktion nun mal die Gattung des Romans in elementarer Weise ausmacht. Diejenigen, die sich beim Lesen dieselbe Frage stellen, können im Anschluss an den Roman die Biografie „Menno Simons‘ Lebenswerk“[3] von Cornelius Krahn lesen. Diese kleine Lektüre lässt sich  zeitlich betrachtet innerhalb von etwa zwei bis drei Kaffetassen lesen.

Alle die sich für die Zeit, das Leben und das Wirken Menno Simons‘ interessieren und Erzählungen gegenüber Biografien vorziehen, empfehle ich dieses Buch als Urlaubslektüre für den Sommer. Über Rückmeldungen würde ich mich freuen.

Im Schutzumschlag des Buches heißt es über den Autor, der ab 1929 in Berührung mit den Mennoniten kommt:

„Der Dichter versenkte sich in die Geschichte des Volkes der Wanderschaft und erkannte Wahrheiten, die tiefer liegen als die des Schaufensters, des Bildschirmes und der Zeitung. Er drang bis in die ersten Anfänge einer Bewegung vor, die heute vielfach als „linker Flügel der Reformation“ bezeichnet wird. In diese Zeit des geistlichen Umbruchs führt er seine Leser. Er läßt die Gestalt Menno Simons vor ihnen erstehen, eines katholischen Geistlichen, dessen neun Jahre währender innerer Kampf endet, als sein Bruder unter den Aufrührern einen gewaltsamen Tod findet. Menno Simons wirft den Priesterrock ab und wird ein Bischof der „Taufgesinnten“. Sein Kampf, der nun beginnt – in der Welt wider die Welt -, ist er nicht heute noch not?“

Zu bekommen ist das Buch bei booklooker oder auch bei der Mennonitenforschungsstelle Weiherhof.

[1] mennokate.de

[2] mennonitischer-geschichtsverein.de/geschichte/forschungsstelle

[3] samenkorn.shop/buecher/geschichte/biografien/4730/menno-simons-lebenswerk/buch

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