Christus allein

Rezension: Biblical Theology: How the Church Faithfully Teaches the Gospel

Das Buch Biblical Theology. How The Church Faithfully Teaches The Gospel von Nick Roarke und Robert Cline ist Teil der Serie von 9Marks, in der die neun Merkmale gesunder Gemeinden jeweils in einzelnen Büchern ausführlicher entfaltet werden. Die Reihe wird aktuell vom Betanien-Verlag nach und nach übersetzt und auf deutsch herausgegeben. Ich gehe davon aus, dass auch dieses Buch in Zukunft dort erscheinen wird.

Das 156 Seiten umfassende Buch ist eine gut lesbare Einführung in die Biblische Theologie. Im ersten Kapitel zeigen die Autoren die Notwendigkeit für Biblische Theologie auf. Sie behaupten, dass es möglich ist, die Bibel zu ehren, sie aber trotzdem falsch zu lesen und zu gebrauchen, weil man das große Bild der Bibel übersieht (S. 16). Sie zeigen, dass Biblische Theologie helfen kann,

  1. den Schwerpunkt der Bibel klarer herauszustellen,
  2. die Gemeinde vor einem falschen Evangelium zu bewahren,
  3. die Gemeinde für die Verkündigung des Evangeliums auszurüsten und
  4. die Bibel so zu lesen, zu verstehen und zu verkündigen wie Jesus es tat.

Roarke und Cline erklären, dass das Fehlen Biblischer Theologie und ein damit einhergehendes falsches Verständnis des Evangeliums zu ungesunden Gemeinden führt. Sie nennen die Prosperity-Gospel-Church (das Evangelium dient zur Selbstverwirklichung), die Civil-Gospel-Church (im Evangelium geht es um Gott und unser Land), die Soup-Kitchen-Church (im Evangelium geht es vor allem um soziale Unterstützung) und die Immorality-Affirming-Church (das Evangelium wird von den guten Werken getrennt). Die Gemeinsamkeit bei allen Beispielen liegt darin, dass sie in ihrem Verständnis und in der Verkündigung auf die ein oder andere Weise anstatt Gott den Menschen ins Zentrum rücken.

Im zweiten Kapitel beantworten die Autoren in Kürze die Frage, um was es bei der Biblischen Theologie geht. Die Schwierigkeit bei einer Definition besteht m.E. darin, die Ausgewogenheit zwischen der Gesamtaussage der Bibel und der jeweiligen Aussage der einzelnen Bücher im ursprünglichen Kontext beizubehalten. Die Autoren führen folgendes Bild an:

„Stell dir vor, dass jedes Buch wie ein Stern strahlt. Aber nur wenn du weit genug herauszoomst wirst du erkennen, dass diese Sterne eine großartige und wunderschöne Konstellation bilden. Biblische Theologie analysiert jeden einzelnen Stern und zoomt dann heraus um das atemberaubende Panorama der göttlichen Herrlichkeit zu betrachten.“ (S. 29)

Im dritten und vierten Kapitel stellen die Autoren das große Bild der Bibel in Kürze dar. Der besondere Wert dieser Kapitel besteht darin, dass  beim Durchgang durch die Heilsgeschichte der Bibel jede Phase mit einigen Hinweisen für Prediger abgeschlossen wird. Zum Sündenfall (1. Mose 3) schreiben sie z.B.:

„Es ist einfach, eine Predigt aus 1. Mose 3 zu halten und nur darüber zu sprechen, wie man Versuchungen widerstehen kann: ‚Adam war versucht und versagte. Wie können wir Versuchungen begegnen und nicht versagen wie Adam?‘ Das ist moralistisches Predigen, so als ob man sagen würde: ‚Adam war böse. Sei nicht wie Adam.‘ Die Wahrheit, nach Römer 5, ist, dass wir tatsächlich in Adam gefallen sind. Er war unser Stellvertreter und er versagte, und in ihm sind wir schuldig. Wir brauchen einen treuen Adam, einen der der versucht wird und sich als treuer Sohn erweist. Dieser treue Sohn ist natürlich Jesus. (Lukas 4,1-13).“ (S. 35)

In den letzten beiden Kapiteln geht es um den Mehrwert, der durch  Biblische Theologie für die Gemeinde entsteht. In Kapitel 5 geht es um Auswirkungen auf die Lehre der Gemeinde, in Kapitel 6 um Auswirkungen auf das Selbstverständnis bezüglich des Auftrages als Gemeinde.

Die Lehre der Gemeinde wird, so die Autoren, durch Biblische Theologie vor zwei Fehlern bewahrt, nämlich (1) Bibelstellen subjektiv als Belegstelle für eigene Meinungen zu gebrauchen ohne den Kontext zu beachten und (2) die Bibel moralistisch zu lesen und anzuwenden. Sie führen hilfreiche Beispiele aus verschiedenen Teilen der Bibel an und zeigen, wie sie missbraucht, aber auch im Kontext der Gesamtaussage ausgelegt werden können. Neben dem bekannten Beispiel von David und Goliath führen sie z.B. auch Texte über Simson oder die Versuchung von Jesus (Luk 4) an. Geleitet werden sie dabei immer von dem Prinzip, in der jeweiligen Passage nicht zuerst danach zu fragen, was sie mir über mich sagt, sondern was sie mir über den Herrn Jesus sagt (S. 84). In Kürze führen Sie im Anschluss einige Werkzeuge an, die helfen können, Texte im Licht des Evangeliums auszulegen. Sie unterscheiden dabei zwischen Tools zum hinein- und herauszoomen. Jedes Werkzeug beginnt im englischen mit dem Buchstaben „C“: Context, Covenant, Canon, Character of God, Christ (Kontext, Bündnisse, Kanon, Charakter Gottes, Christus).

Im sechsten Kapitel werden die in Kapitel 1 angeführten Beispiele für ungesunde Gemeinden aufgegriffen und für jeden dieser Gemeindetypen gezeigt, wie Biblische Theologie die falsche Ausrichtung korrigiert. An dieser Stelle des Buches kommt am Stärksten hervor, dass das Buch nicht im deutschen, sondern amerikanischen Kontext geschrieben wurde. Die Civil-Gospel-Church, die die Bibel mit dem Fokus „God an Country“ liest und Verheißungen direkt auf das eigene Land anstatt auf die Gemeinde anwenden möchte ist z.B. nach meiner Erfahrung im deutschen Kontext eher weniger bis gar nicht zu finden. Nichtsdestotrotz helfen die Beispiele, über mögliche Korrekturen im eigenen Gemeindekontext nachzudenken.

Das Buch enthält einen Anhang mit weiteren Beispielen, wie Texte aus verschiedenen Teilen der Bibel (AT/NT) bzw. verschiedenen Literaturgattungen (Erzähltexte, Poesie, Briefe) ausgelegt werden können. Die Beispiele sind hilfreich, hinterlassen den Leser teilweise aber mit neuen Fragen. Die Autoren weisen z.B. darauf hin, dass die Sprüche nur mit dem Wissen gelesen werden sollten, dass Jesus der eigentliche Salomo ist und die eigentliche Weisheit. Man ist geneigt, dieser Aussage schnell zuzustimmen. Aber wie eine Predigt über die angeführte Textstelle (Sprüche 2,1-6) aussehen kann, ohne die ursprüngliche Aussage zu verkürzen oder den Text nicht in den Gesamtkontext einzuordnen, wird nur vage angedeutet.

Alles in Allem bietet das Buch einen guten Einstieg in die Biblische Theologie. Die Autoren schaffen es, den Wert für die Gemeinde aufzuzeigen. Die vielen Beispiele und Tipps für Prediger steigern den Wert des Buches.

Literatur:

Roark, Nick; Cline, Robert (2018): Biblical Theology: How the Church Faithfully Teaches the Gospel (9Marks: Building Healthy Churches). Crossway. Kindle-Version.

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Ein Kommentar

  1. Zu dem Punkt, wie man Sprüche „mit Christus“ (d.h. mit der richtigen biblischen Theologie) auslegen kann: Ich habe kürzlich die Predigt „Your Plans: God’s Plans“ von Tim Keller gehört, in der Keller das m.E. gut macht: https://www.youtube.com/watch?v=3OXaJPiov5E
    Die Predigt beruht allerdings auf mehreren Textstellen, die aus dem gesamten Buch zusammengestellt wurden.

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