Christus allein

Die Mennoniten und das Plautdietsch

Freundlich wurde ich vor Kurzem in einer Gemeinde, die ich zum ersten Mal besuchte, vom Pastor im Foyer begrüßt. Als wir uns gegenseitig vorgestellt hatten, wozu selbstverständlich die Erwähnung des vollständigen Namens gehört, meinte er: „Dann kannst du ja plattdeutsch!“ Mit einigen Schlenkern, die deutlich machen sollten, dass dem nur bedingt so sei, bestätigte ich seine Aussage. Der Name verriet ihm meine Herkunft und damit einhergehend schloss er unwillkürlich darauf, dass ich dieser Sprache mächtig sein müsse. Das Plautdietsch, im nordamerikanischen Raum auch Mennonitenniederdeutsch genannt, ist nämlich ein markantes Merkmal der Russlandmennoniten. Wikipedia setzt das Mennonitentum und das Plautdietsch synonym, wenn dort steht: „Von den ca. 2,2 Mio russlanddeutschen Aussiedlern, die heute in Deutschland leben, haben ca. 200.000 einen plautdietschen bzw. russlandmennonitischen [Herv. d. Verf.] Hintergrund.“[1] Wie die Spanier ihr Spanisch und die Niederländer ihr Niederländisch, so haben die Russlandmennoniten ihr Plautdietsch.

Als im Rahmen des zweiten Weltkriegs das MCC, ein diakonisches Hilfswerk, zwischen Mennoniten und anderen russlanddeutschen Flüchtlingen unterscheiden wollte, diente die Sprache als Differenzierungsmerkmal[2]. Eine Kostprobe dieses Platts gibt das als Vater-Unser bekannte Gebet Jesu:

Ons Voda em Himmel!
Dien Nome saul heilich jehoole woare.
Lot dien Ritj kome;
lot dien Welle opp Ieed jrod soo
jedone woare aus em Himmel.
Jeff ons daut Broot, daut wie vondoag brucke.
Vejeff ons onse Schult,
soo aus wie dee vejewe, dee sich aun ons veschuljchthabe.
Brinj ons nich en Vesieetjunk,
oba bewoa ons von dem Beese.
Wiels die jehiet daut Ritj
en dee Krauft en dee Harlichtjeit
opp emma en emma.
Amen. [3]

Interessant finde ich noch die Frage nach dem Ursprung dieses Plautditsch‘. Entstammt es der Zeit der Reformation und damit den Niederlanden oder den folgenden Jahrhunderten in der Umgebung Danzigs, wo die Mennoniten bereits im 16. Jahrhundert ihre Zuflucht fanden? Das von dem Theologen und Historiker Hans-Jürgen Goertz herausgegebene Lexikon verweist darauf, dass die Russlandmennoniten „aus Westpreußen kamen, […][und] bis heute die früher zwischen Weichsel und Nogat gesprochene Variante des Niederdeutschen, das Plautdietsche“[4] sprechen. Ähnlich drückt sich Wikipedia bei der Definition des Plautdietschen aus, wenn es dort heißt, dass es „eine niederpreußische Varietät des Ostniederdeutschen, die sich im 16. und 17. Jahrhundert im Weichseldelta herausgebildet hat“[5].


[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Russlandmennoniten

[2] Die Quelle konnte ich leider nicht mehr ausfindig machen.

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Plautdietsch

[4] http://www.mennlex.de/

[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Plautdietsch

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