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Gedanken vor einem Hauskreis-Besuch

Jeden Dienstag besuche ich einen Hauskreis unserer Gemeinde. Wir treffen uns wöchentlich, immer ab 19 bis 19:30 Uhr und verbringen anschließend etwa zwei Stunden miteinander. Der Ablauf ist eigentlich immer gleich: Zunächst das Singen, dann das gemeinsame Gebet mit dem dazugehörigen Austausch und anschließend in der Regel eine Bibelarbeit, die von einem der Teilnehmer vorbereitet wird; manchmal nutzen wir aber auch Hilfsmittel, wie speziell für Hauskreisgruppen konzipierte Hefte und/oder ähnliches, die dann die Struktur des Gesprächs vorgeben. Einmal im Monat essen wir gemeinsam und nehmen in diesem Zusammenhang auch das Abendmahl.

Ich schätze meinen Hauskreis sehr. Ich bin zwar erst ein gutes Jahr dabei, habe aber die Beziehungen zu den anderen Mitgliedern (zum Teil enorm) vertiefen und zugleich wertvolle Erfahrungen und Einsichten durch das gemeinsame Gebet und den Austausch machen können. Gerade die manchmal auch verhältnismäßig lange Gebetszeit möchte ich nicht mehr missen. Es ist etwas Schönes, Sorgen und Freuden im Gebet teilen zu dürfen.

Aus meinem eigenen Hauskreis-Kontext habe ich mir überlegt, wie man sich sinnvollerweise am besten auf den Besuch dieser Kleingruppe vorbereiten sollte, um auch in diesem Lebensbereich bewusst vor Gott („coram deo“) und zugleich zu seiner Ehre („soli deo gloria“) unterwegs sein kann. Sicher sind die Gedanken subjektiv gefärbt, von meinem eigenen Hintergrund geprägt und natürlich wird auch hier das Rad nicht neu erfunden. Aber der ein oder andere Impuls wird den Lesern vielleicht in ihrer eigenen Situation eine Hilfe bzw. ein Gedankenanstoß sein.

Der Besuch des Hauskreises ist ein Dienst

Natürlich, irgendwie berührt die „Dienst-Frage“ jeden Aspekt unseres Lebens. Aber es ist hilfreich, sich das immer wieder bewusst zu machen, gerade bezüglich des Hauskreises. In unserer Konsumgesellschaft übernehmen wir manchmal die Denkvoraussetzungen und übertragen diese (unbewusst) auch auf Dinge, in welchen wir uns eigentlich als Diener und nicht als reine Konsumenten betätigen sollten. Mit der Einstellung, meinen Geschwistern im Hauskreis dienen zu wollen, eröffnen sich viele ganz praktische Möglichkeiten: Ich kann sie z.B. mitnehmen und/oder wieder heimfahren; ich kann Gastfreundschaft üben; ich darf andere mit meinen Erkenntnissen von Gott bereichern, aber auch zuhören, wenn andere berichten und ihre Sorgen teilen; etc. Das bedeutet unter Umständen auch, dass ich zum Hauskreis fahre, selbst wenn mir nicht danach ist, weil ein harter Tag hinter mir liegt, oder ich einfach entspannen möchte. Es geht aber schließlich nicht um mich, sondern um die anderen, denen ich dienen möchte. Und das kann dann eben eventuell bedeuten, sich aufzuraffen und trotz des Unwillens hinzufahren.

Stimm‘ dich auf den Abend ein

Es gilt, die Gedanken auf den Abend auszurichten. Das bedeutet, private und berufliche Angelegenheiten auszublenden (soweit möglich) und sich auf die Personen im Hauskreis, ihre Anliegen und auf das Thema des Abends einzustellen. Es ist z.B. sehr sinnvoll, den Bibeltext vorher mindestens schon in Ruhe gelesen zu haben.

Sei offen für neue Gesichter

Es wäre nicht gut, wenn die Gruppe zu einer Blase wird, in der die immer gleichen Leute die immer gleichen Themen mit dem immer gleichen Ergebnis abhandeln. Deswegen sollte man grundsätzlich ein offener Hauskreis bleiben, natürlich auch für dem Glauben Fernstehende. Weil man nun nicht immer im Voraus weiß, dass Gäste da sind, kann man sich einfach immer vorher die Frage stellen, wie man mit Neuen in der Gruppe umgehen möchte, sollten gerade an diesem Abend welche dabei sein.

Bereite den Hauskreis nach

Streng genommen ist das keine Frage der Vorbereitung. Aber auch im Nachgang sollte der Ablauf des Abends bedacht werden. Wurden Neue gut integriert? Wen sollte ich vielleicht anrufen? Welche Dinge bringe ich erneut ins Gebet? Studiere ich den Bibeltext erneut? Sollten Teilaspekte des Textes eventuell vertieft behandelt werden? Wer war nicht da und ist da vielleicht ein Problem, dem man nachgehen sollte?

Manche dieser Dinge praktiziere ich bereits und habe damit gute Erfahrungen gemacht. Andere sind noch nicht so verinnerlicht und ich möchte gerne daran arbeiten. Ich bin dankbar für die Gnade Gottes, die mir gerade im Hauskreis immer wieder besonders deutlich wird.

Zur Vertiefung: Wie man den Zweck von Hauskreisen verfehlen kann (englisch)

Ein Anstoß für Hauskreise: Mal eine systematische Theologie gemeinsam lesen

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