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Rezension: „Gesunde Lehre“ von Bobby Jamieson

Auch mit dem Buch Gesunde Lehre[1] ist es 9Marks gelungen „ein kurzes, leicht lesbares Buch herauszugeben“[2], wie Mark Dever es im Vorwort als Zielvorgabe der gesamten Reihe vorgibt. Auf rund 100 Seiten schafft es Jamieson überzeugend darzulegen, dass gesunde Lehre für die Gemeinde und das persönliche Christenleben von überaus zentraler Bedeutung ist und in dem Leser den Wunsch nach persönlicher, geistlicher Gesundheit zu wecken. Allein ein Blick in das Inhaltsverzeichnis zeigt bereits auf, was alles durch gesunde Lehre gefördert wird: das Leben der Gemeinde, die Heiligkeit, die Liebe, die Einheit, die Anbetung und die Evangelisation, um nur einige Aspekte zu nennen.

Gesunde Lehre definiert Jamieson als „ein Zusammenfassen dessen, was die Bibel lehrt, in sowohl wahrheitsgemäßer als auch lebenspraktischer Weise“[3]. Er markiert damit zwei Ebenen der gesunden Lehre: die korrekte Gesamtschau der biblischen Heils-Geschichte und auch die Umsetzung dieser gesunden Lehre in die Lebenswirklichkeit. Nachdem er den Wunsch nach gesunder Lehre entzündet hat, gibt er gut umsetzbare, praktische Anleitungen, wie jeder in der gesunden Theologie bzw. Lehre zunehmen kann: „Lesen Sie ein ganzes Buch innerhalb kurzer Zeit durch“ oder mit Verweis auf die Stephanusrede (Apg 7) „Studieren Sie sorgfältig die Stellen, wo die biblischen Autoren selbst eine Gesamtschau der Heilsgeschichte bieten“[4]. Diese praktischen, in den Textfluss eingeflochtenen Winke verleihen dem Buch eine motivierende Wirkung. Jamieson versteht es, durch Heranziehen von treffenden biblischen Zitaten, die Bibel sprechen und wirken zu lassen.

Die Betonung der Gemeinde ist in meinen Augen ein hervorstechendes Qualitätsmerkmal des Buches. Der Appell geht also nicht nur in Richtung des Lesers, in der gesunden Lehre zu wachsen, sondern in Gemeinschaft „Gemeinschafts-Theologie“ zu praktizieren, „indem Sie die lehrmäßigen und praktischen Folgerungen der Predigt gemeinsam mit anderen Gemeindegliedern erkunden und diese Wahrheiten gemeinsam in die Praxis umsetzen.“[5] Hier eröffnet das Buch einen Anstoß für eine kreative Umsetzung in der Gemeinde.

Der Schreibstil zeichnet sich durch eine leicht verständliche Ausdrucksweise aus. Nicht zuletzt resultiert dies aus den zahlreichen Bildern und Vergleichen, die Jamieson verwendet, wenn er die gesunde Lehre als „Straßenkarte für unsere Pilgerschaft von dieser Welt hin zur zukünftigen“[6], als „Skript für eine (Theater-) Aufführung“[7] oder als „das Herzblut der Gemeinde“[8] illustriert. Auch die typisch amerikanischen Anekdoten zu Beginn jedes Kapitels, die dann am Schluss des Kapitels noch zur Bündelung des Besprochenen herangezogen werden, machen das Lesen zu einem leichten Unterfangen. Bilder und Metaphern sind in diesem Buch definitiv keine Mangelware. Mit diesem Erzählstil geht jedoch auch ein Verlust inhaltlicher Dichte und Schärfe verloren, die ein an deutsche Theologen (z. B. Zahn oder Bonhoeffer) gewöhnter Leser vermissen dürfte.

Um das bisher Erarbeitete zu festigen, wiederholt der Autor – entsprechend dem Prinzip Lernen-durch-Wiederholung – im Verlauf des Buches zentrale Aussagen wie die Definition der gesunden Lehre. Eine weitere Auffälligkeit in dem Schreibstil ist die „coole“, kommunikative Art, wenn er den Leser gleich in der Einleitung direkt anspricht „Was denken Sie über Lehre?“[9] oder ihn später auffordert den 2. Johannesbrief zu lesen „Lesen Sie und ich warte hier solange. [Absatz] Okay fertig?“[10]. Vor allem jüngeren Lesern dürfte diese Art der Kommunikation zwischen Autor und Leser entgegenkommen.

Ein Dank gilt an dieser Stelle den stillen Arbeitern dieses Werkes, nämlich den Übersetzern und Lektoren, die eine gute Arbeit geleistet und damit dem Leser eine flüssige Lektüre ermöglichen. Eine angenehm lesbare Übersetzung ist keine Selbstverständlichkeit.

Das Buch motiviert mit neuer, erwartender Haltung die Bibel zu lesen und seine biblische Theologie, also die eigene Zusammenschau der gesamten Bibel, neu zu justieren. Jamieson hat das eigens formulierte Ziel erreicht, nämlich den Leser „davon [zu] überzeugen, dass gesunde Lehre maßgeblich ist, um ein gottgefälliges Leben zu führen und gesunde Gemeinde zu bauen“. Durch den gewählten Stil des Buches wird dem Einwand, theologische Bücher seien zu kompliziert zu lesen, der Boden entzogen. Es lohnt sich, sich diesem Motivationsanstoß zu unterziehen.


[1] Bobby Jamieson: Gesunde Lehre. Wie eine Gemeinde in der Liebe und Heiligkeit Gottes wächst. Augustdorf 2017.

[2] Ebd. S. 7.

[3] Ebd. S. 13.

[4] Ebd. S. 30.

[5] Ebd. S. 40.

[6] Ebd. S. 13.

[7] Ebd. S. 81.

[8] Ebd. S. 101.

[9] Ebd. S. 9.

[10] Ebd. S. 59.

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