Christus allein

Der Heilige Geist als Lebensstifter

Gian Lorenzo Bernini, Depiction of the Christian Holy Spirit as a dove (Bildquelle: Wikipedia)

Im Buch des Propheten Hesekiel findet sich eine nahezu unheimliche Vision: Hesekiel sieht eine große Ebene voller Totengebeine (Hes. 37). Diese repräsentieren das Volk Israel: „Siehe, sie sprechen: ‚Unsere Gebeine sind verdorrt, und unsere Hoffnung ist verloren; es ist aus mit uns!'“ (Hes. 37,11). Die Botschaft Gottes hingegen ist gar nicht unheimlich, sondern vermittelt Hoffnung. Mein Geist, erklärt Gott seinem Volk, kann diese toten Gebeine lebendig machen. Der Geist Gottes macht lebendig! Das ist eine Botschaft, die sich durch die ganze Bibel zieht. Ich möchte das anhand von drei Punkten verdeutlichen.

(1) Der Geist Gottes ist der Ursprung allen Lebens

Ganz am Anfang der Bibel heißt es in der Schöpfungserzählung: „Die Erde aber was wüst und leer, und es lag Finsternis auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über den Wassern“ (Gen. 1,2). Der Geist ist also von Anfang an dabei, ohne Geist gibt es kein Leben. Das Leben selbst ist ja großes Wunder: Woher kommt das Leben? Wie kann es sein, dass Leben entsteht? Wenn man es philosophisch wenden möchte, haben wir es hier mit der Frage „Warum gibt es überhaupt etwas und nicht nichts?“ zu tun. Naturalisten klammern den Geist aus und behaupten, dass sowohl Geist als auch Bewusstsein vollkommen Produkt der physischen Natur sind. Als Christen bekennen wir uns jedoch dazu, dass es nicht Materie ist, die alles Sein fundamental zusammenhält, sondern Geist. Auch wenn man nicht Christ sein muss, um das zu behaupten (auch Idealisten – und man muss nicht gläubig sein, um einer zu sein – würden die naturalistisch-materialistische Position als grundsätzlich verkürzt ansehen), würden wir als Christen daran festhalten, dass es der Geist Gottes ist, mit dem wir es hier zu tun haben. Klammert man diesen Geist aus, kann man das Leben in seiner Tiefe, glaube ich, nicht begfreifen.

Aber wenn wir uns als Christen zum Geist Gottes als dem Ursprung allen Lebens bekennen, stellt sich natürlich die Frage, wieso Hesekiel es in seiner Vision mit Totengebeinen zu tun hat? Die Antwort dafür finden wir im Sündenfall: Durch die Sünde, die nichts anderes tut als das Leben, das der Geist Gottes bringt, zu zerstören, ist der Tod in die Welt gekommen. Und das führt zum nächsten Punkt:

(2) Der Geist Gottes ist der Ursprung des neuen Lebens in Christus

Die Sünde hat zwar den Tod in die erste Schöpfung gebracht, aber Gott hat gleich von Anfang an Erlösung verheißen. Erlösung heißt auch Hoffnung auf eine neue Schöpfung, in der der Tod keinen Platz mehr hat. In Jesus Christus ist diese neue Schöpfung, das neue Leben, tatsächlich zu uns gekommen. Die Jesusgeschichte, das muss man betonen, hat kosmische Signifikanz: Jesus möchte dir nicht nur deine Sünden vergeben, sondern in Jesus wird der ganze Kosmos neu erschaffen! In dem Moment, in dem Maria Jesus durch den Heiligen Geist empfangen hat, hat dort in ihrem Mutterleib der Neuschöpfungsprozess Gottes begonnen.

Interessant ist hier, dass es wieder der Geist Gottes ist, der der Ursprung dieses (neuen) Lebens ist. Der Geist Gottes steht also am Anfang der Jesusgeschichte, er steht aber auch an ihrem Ende. Denn nachdem Jesus durch seinen Tod am Kreuz die Sünde und den Tod endgültig besiegt hat, ist es wiederum der Geist Gottes, der ihn aus den Toten auferweckt (Röm. 8,11). Der Geist Gottes ist also (1) der Ursprung allen Lebens, er ist aber auch (2) der Ursprung des neuen Lebens in Christus. Und genau dieses Leben möchte der Geist nun in dir ganz persönlich wirken:

(3) Der Geist Gottes möchte dein Leben neu machen

„Wenn der Geist dessen“, erklärt Paulus, „der Jesus aus den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird derselbe, der Christus aus den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt“ (Röm. 8,11). Paulus spricht hier nicht einfach von der Auferstehung nach dem Tod. Nein, der Geist macht uns schon jetzt lebendig für Gott und schenkt uns schon hier das neue Leben aus Gott.

Wenn dein geistliches Leben den Totengebeinen gleicht, die Hesekiel gesehen hat, dann ist Gottes Botschaft an dich eine Botschaft der Hoffnung: Gottes Geist möchte dir neues Leben einhauchen. Der Puritaner John Winthrop, der 1630 nach Amerika ausgewanderte und dort der Gouverneur der Massachussats Bay Colony wurde, erzählt, dass ihn das Wort Gottes im Alter von 18 Jahren erstmals getroffen und verändert hat. Und doch war es so, dass er sich in diesem neuen Leben nicht wirklich freuen konnte. Er war geplagt von seiner inneren Verdorbenheit, hatte keine Heilsgewissheit und weil er trotzdem im Dienst stand, hatte er Angst davor, sich jemandem zu öffnen und als Heuchler enttarnt zu werden. Er kannte das Wort Gottes, aber es wir nicht wirklich lebendig in seinem Leben. Was hat das Wort zum Leben erweckt? Er schreibt in seiner „Christian Experience“ (meine Übersetzung):

Aber der gute Geist Gottes hauchte meine Seele an und sagte, dass ich leben soll. Dann plötzlich zeigten mir alle Verheißungen, über die ich nachdachte, Christus, der zu mir sagte: Ich bin deine Erlösung. […] Und je mehr ich mit dem Geist Gottes vertraut wurde, desto mehr wurde meine Verdorbenheit abgetötet, und der neue Mensch wuchs heran: Die Welt, das Fleisch und der Satan waren für eine Zeit still, ich hörte nichts von ihnen […]. Ich war nun mit dem Herrn Jesus vertraut geworden, er hat mir oftmals gesagt, dass er mich liebt, und ich habe nicht gezweifelt, sondern ihm geglaubt; wenn ich ausging, ist er mit mir gegangen, wenn ich zurückkehrte, ist er mit mir nach Hause gekommen. Ich habe mit ihm unterwegs gesprochen, er hat sich mit mir zur Ruhe gelegt und für gewöhnlich bin ich mit ihm aufgewacht. Ich konnte nun in jede Gesellschaft gehen, ohne ihn zu verlieren: und so süß war seine Liebe mir, dass ich außer ihm nach nichts im Himmel und auf Erden verlangte.

Winthrop macht nachher klar, dass dieser Zustand nicht dauerhaft angehalten hat, sondern der geistliche Kampf weiterging. Das Zeugnis des Geistes ist jedoch nicht mehr von ihm gewichen. Winthrop ist ein gutes Beispiel dafür, wie der Geist Gottes unser persönliches Leben verändern möchte. Der Geist, der am Anfang alles Leben erschaffen hat, der Geist der Jesus in die Welt gebracht und ihn aus den Toten auferweckt hat, dieser Geist möchte dich in Christus, also in das neue Leben, hineinversetzen und dein Leben so erneuern.

Wenn du in dein Leben schaust und dich fragst: „Können diese Gebeine leben?“, dann ist die Antwort ein klares „Ja!“. Wenn Gottes Geist damit beginnt, zu wirken, dann können diese Gebeine nicht mehr tot bleiben.

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