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Gemeinde Russland-Mennoniten

Liebst du deine (russlanddeutsche) Gemeinde?

Manchmal kann es schwer fallen, die eigene (russlanddeutsche) Gemeinde mit ihren Besonderheiten zu lieben. Drei biblische Wahrheiten ermutigen uns, darin zu wachsen.

Leute mit russlanddeutschem Gemeindehintergrund leben häufig in einer Spannung zwischen Wertschätzung ihrer Gemeinde mit russlanddeutschen Wurzeln und einer latenten Unzufriedenheit. Einerseits ist man dankbar für die Gemeinde, schließlich ist man hier zum Glauben gekommen. Andererseits ärgert man sich über die Neigung, an unbiblischen kulturellen Traditionen festzuhalten.

Daniel Chan ist Pastor einer Gemeinde von chinesischen Immigranten in den USA. In einem Artikel wendet er sich an die zweite Generation von Einwanderern. Er erkennt die Spannung und erläutert drei biblische Wahrheiten, die ihm helfen, seine Immigranten-Gemeinde zu lieben. Nicht alles lässt sich eins zu eins auf den Kontext der russlanddeutschen Gemeinden übertragen. Zudem kann der Kontext sehr unterschiedlich aussehen. Aber es gibt m.E. doch erstaunlich viele Überschneidungen mit den Erfahrungen mancher, die in einer russlanddeutschen Gemeinde zu Hause sind.

1. Es kann biblisch sein, sich auf eine bestimmte Gruppe von Menschen zu fokussieren.

Häufig stört man sich an der starken Konzentration auf eine bestimmte Gruppe von Menschen. Doch Chan argumentiert, dass das Ziel, alle Nationen zu erreichen, nicht zwingend im Widerspruch dazu stehen muss, sich auf eine bestimmte Gruppe auszurichten. Er führt das Beispiel von Paulus an, der offen bekennt, sich in seiner Mission vor allem auf die Heiden zu konzentrieren. Das bedeutet nicht, dass er sich ausschließlich um Heiden kümmert. Sein Ziel war eine Gemeinde von Heiden und Juden, doch sein Schwerpunkt lag in der Mission der Heiden. Russlanddeutsche Gemeinden haben viel höhere Chancen, Menschen aus ihrem Kontext mit dem Evangelium zu erreichen. Diesen Vorteil sollten sie nutzen.

2. Geduld ist nicht mit „Kompromisse machen“ gleichzusetzen

Veränderung braucht Zeit. Manchmal fühlt sich die langsame Veränderung wie ein ständiges „Kompromisse machen“ an. Doch Chan ermutigt: „Auch wenn Veränderung in Gemeinden von Immigranten sehr lange dauert, ist sie nicht unmöglich“. Er sieht durchaus auch Fälle, in denen Gemeinden in grundlegenden Fragen von der Bibel abweichen. Aber zu oft verlässt man Gemeinden aus dem falschen Motiv – weil man keine Geduld aufbringen will. Chan ruft auf:

„Wenn es ein richtiges Verständnis des Evangeliums gibt, ein wirkliche Hingabe an die Verkündigung des Wortes Gottes und den Wunsch, eine Leitung zu installieren, die den biblischen Qualifikationen entspricht, dann könnte man viele Merkmale einer gesunden Gemeinde erreichen, wenn man nur mehr Geduld aufbringen würde.“

3. Dankbarkeit kann uns von Unzufriedenheit befreien

Es gibt vieles, wofür man in einer russlanddeutschen Gemeinde dankbar sein kann. Vor einiger Zeit habe ich fünf Gründe angeführt, warum ich für meine russlanddeutschen Wurzeln dankbar bin. Chan liegt richtig, wenn er feststellt: „Zeichen der Gnade Gottes gibt es in jeder Gemeinde von Immigranten zu sehen, wenn sie das Evangelium verkündigt. Aber wir müssen bereit sein, sie zu sehen“.

Mir ist bewusst, dass man diese Hinweise dazu missbrauchen kann, um notwendige Veränderungen vor sich her zu schieben. Man kann sie leicht als Knüppel gebrauchen, um diejenigen vor sich her zu treiben, die nach Veränderung rufen. „Ihr solltet geduldiger und dankbarer sein“ usw. Mir ist auch bewusst, dass es im russlanddeutschen Kontext viel zu oft gravierende theologische Missstände gibt, zu denen man nicht schweigen darf (vgl. dazu den Hinweis auf das Vorbild von Francis Schaeffer). Aber es gibt eben auch die Gefahr, in einer ständigen Unzufriedenheit zu leben, die zerstörerisch auf das geistliche Leben wirkt.

Den Artikel von Daniel Chan kann man hier nachlesen.

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