Was wir von Francis Schaeffer lernen können (10): Sünde als Beziehungsproblem

Ein (apologetisches) Problem ist die Erklärung, was Sünde ist. Folgende Erläuterung fand ich sehr hilfreich:

Dabei geht es beim Verständnis von Sünde nicht nur darum, dass wir einen äußeren, abstrakten Standard nicht erreichen – wie wenn wir zum Beispiel die Geschwindigkeitsbegrenzung nicht einhalten.

Natürlich geht es um einen äußeren Standard. Doch es ist mehr als nur das:

Sünde ist im Grunde ihres Wesens ein Beziehungsproblem.

Wie kann man sich dieses Beziehungsproblem vorstellen?

Stellt euch dazu den Unterschied zwischen einem Kind vor, das manche der von den Eltern aufgestellten Regeln nicht einhält, und einem Kind, das sagt: „Diese Eltern möchte ich nicht mehr Ich möchte Eltern haben, die mir besser gefallen, die meinen Vorstellungen eher entsprechen und die meine Bedürfnisse erfüllen.“ Unter solchen Voraussetzungen ist eine Beziehung zu den richtigen Eltern sehr problematisch, wenn nicht unmöglich. Für solche selbsterkorenen Waisen ist die Gegenwart der wahren Eltern zwangsläufig bedrohend.

Warum ist dieser Vergleich wichtig?

Das entspricht viel eher dem biblischen Bild von Sünde.

An dem Beispiel wird deutlich, dass Sünde „einen starken Drang enthält, Gott auszuweichen“ und zu einer „motivierten [d.h. willentlichen] Verzerrung“ des Denkens führt. Der sündige Mensch will seinem Schöpfer nicht ins Auge sehen und seine Schuld eingestehen. Er weicht ihm aus, läuft ihm davon, schiebt die Schuld auf die Umstände bzw. auf andere Menschen.

aus: Dick Keyes: Den Glauben verständlich machen in einer nichtchristlichen Gesellschaft. Perspektiven für eine zeitgemäße Apologetik. in: Ron Kubsch (Hrsg.): Wahrheit und Liebe. Was wir von Francis Schaeffer für die Gegenwart lernen können. vkw 2007, S. 93-108.

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