Prädestination oder freier Wille?

Erwin Lutzer  führt nach einer kurzen Gegenüberstellung der beiden Positionen, die klassisch durch Erasmus (freier Wille) und Luther (unfreier Wille) vertreten wurden, folgenden hilfreichen Vergleich an:

…die heutigen Evangelikalen sehen den Menschen als einen Ertrinkenden, dem Gott in seiner Gnade ein Seil zuwirft. Ob der Ertrinkende nach dem Seil greift oder nicht, das liege an seiner eigenen freien Entscheidung und Bereitwilligkeit. Und hat er einmal das Seil gepackt, muss er es festhalten bis zum Schluss.

Luther (wie auch Calvin) würden es anders beschreiben:

Luther sah den Menschen als einen Ertrinkenden, der sich dessen ganz und gar nicht bewusst ist, ist er doch geistlich tot. Daher wird er nie nach Gottes Gnade greifen. Gott ist es, der nach seiner Wahl sich herab neigt und den Ertrinkenden herausreißt. Er tut es, indem er dem Toten Leben und damit den Glauben gibt, der ihn rettet. Damit ist die Errettung ganz Gottes Werk.

aus: Erwin Lutzer: Einig in der Wahrheit? Grundlegende Kontroversen in der Geschichte des Christentums. CV Dillenburg 2006, S. 186f.

3 Gedanken zu „Prädestination oder freier Wille?“

  1. Bemerkenswert und meiner Meinung nach auch vorbildlich, ist die anglikanische Kirche bzgl. der Lehre über die Prädestination:
    „Zwar wird sie als eine biblische Lehre anerkannt, aber vor ihrer ungeschützten Verbreitung wird gewarnt. Sie führe bei Nichtchristen schnell in Verzweiflung und bei Christen zur Unsicherheit, ob man zu den Auserwählten gehöre. Andrerseits könne sie Gläubige in gefährliche Sicherheit wiegen.“
    (nach Konfessionskunde von Stephan Holthaus)

    1. Bemerkenswert: Ja. Aber vorbildlich? Paulus nimmt da kein Blatt vor den Mund. Sollten wir nicht besser auf ihn hören? Oder verstehe ich da etwas falsch?

  2. Ich vermute mal, dass es hier irgendwo auch um eine ausgewogene Verkündigung geht. Wer Epheser 1 lehrt, sollte 1. Timotheus 2 4 („…welcher will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen…“) nicht vergessen.

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