Jennie Allen: alles.

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Vor einiger Zeit habe ich für meine Schwester das Buch alles. von Jennie Allen bestellt. „Wie ein kleines Gebet mein Leben radikal veränderte“, lautet der Untertitel. Ich persönlich stehe Büchern die eine „Komm-zu-Jesus-und-er-löst-alle-deine-Probleme“-Ratgeber-Theologie vertreten kritisch gegenüber und war mir nicht sicher, ob alles. auch in diese Sparte einzuordnen ist. Ich hatte mir die Lektüre des Buches auch nicht vorgenommen – bis ich letzen Samstag die ersten Seiten las und das Buch nicht mehr so einfach weglegen konnte.

Jennie Allen nimmt den Leser mit auf eine Reise durch ihr Glaubensleben und ihre Entwicklung, die sie in letzter Zeit durchgemacht hat. Sie berichtet davon wie sie mit 17 Jahren Christ wurde und Gott auf diese Weise in ihrem Leben zum ersten Mal real wurde. Sie wünschte sich Gott zu dienen und ihm nachzufolgen. Was sie allerdings feststellen musste ist, dass sich viele Christen – sie eingeschlossen – davor scheuen, sich Gott ganz auszuliefern. Wir wollen Jesus nachfolgen, wir wollen aber auch nicht unser gutes und bequemes Leben aufgeben: Haus, Auto und Gardinen vor dem Fenster sind ja so wichtig! Irgendwann wurde ihr allerdings klar, dass es bei Gott doch um mehr geht. Ja, wir leben auf der Erde, aber da ist doch auch die Realität der Ewigkeit, die den Sinn und das Leben auf der Erde so ganz anders definiert. Irgendwann „reichen“ das Haus und das Auto nicht mehr zum Glück.

Jennie Allen beschreibt weiterhin, wie ihr klar wurde, wie falsch es doch ist, sich von anderen Menschen abhängig zu machen und sich über andere zu definieren. Es geht tatsächlich darum, was Gott von einem möchte und wie Gott einen bewertet.

Nachdem die Autorin darlegt, was alles von völliger Hingabe abhalten kann, berichtet sie von einem denkwürdigen Abend, der sie sehr geprägt hat: während eines Abends mit ein paar Freunden berichtete jemand von einer jungen Frau, Katie Davis, die nach Uganda gegangen war, um sich dort um Waisenkinder zu kümmern. Katies Blog, den Jennie an demselben Abend noch intensiv las, und das dadurch gegebene Beispiel hinterließen einen starken Eindruck (Katie Davis hat ebenfalls ein Buch geschrieben). Jennie Allen schreibt:

Als ich an jenem Abend auf dem Badezimmerboden saß [und das Blog las], versprach ich Gott: „Ab jetzt wird sich alles ändern. Ich will künftig nur noch für den Moment leben, in dem ich dir begegnen werde. Und wenn ich schließlich im Himmel ankomme, will ich außer Atem sein, weil ich mich so sehr verausgabt habe, um alles zu tun, was dur mir aufgetragen hast.“ (S.99)

Jennie und ihr Mann Zac erklärten sich Gott gegenüber schließlich bereit alles zu tun, was er verlangt, z.B. fragten sie Gott, ob sie vielleicht ihr Haus verkaufen sollten. Eines der Dinge, die Gott für die Familie vorgesehen hatte, war ein weiterer Sohn: die Allens adoptierten eine kleinen Afrikaner. Außerdem berief sie Gott zum Schreiben und zum Lehren von Frauen. Alles das zu tun, was Gott verlangte, war keineswegs immer leicht – Gehorsam beinhaltet immer auch sich selbst zu sterben. Sterben bedeutet aber auch immer Auferstehung und somit lohnt sich doch ein Sterben für Christus! Jennie Allen schreibt:

[…] was ist mein größter Wunsch?

Es gibt so vieles, was ich mir wünsche. Zunächst einmal ein paar ganz banale Dinge: Mein Auto müsste unbedingt mal wieder gewaschen werden, und ich hätte gerne ein neues iPhone (meins ist mir kürzlich in die Badewanne gefallen). Es wäre schön, mal wieder mit Zac auszugehen oder einen ganzen Abend lang meine Lieblingsfernsehserie anzuschauen. Natürlich wünsche ich mir auch einige Dinge, die noch viel wichtiger sind: dass ich gute Freundschaften pflegen kann, dass ich ein Vorbild für meine Kinder sein kann und dass meine Worte möglichst oft ins Schwarze treffen. Aber was wünsche ich mir am meisten? Wonach sehne ich mich im tiefsten Grunde meines Herzens? Obwohl ich es nicht genau benennen kann, glaube ich, dass mein tiefstes Verlangen ausschließlich um meine eigene Person kreist: wichtig zu sein und wertgeschätzt. Irgend so etwas.

Was wünscht sich Gott eigentlich am meisten?

[…] Gott möchte, dass seine Herrlichkeit sichtbar wird.

Das Wort „Herrlichkeit“ ist uns wenig geläufig und ziemlich abstrakt. John Piper definiert die Herrlichkeit Gottes so, dass Gott sich uns in seiner ganzen Heiligkeit zeigt. Wir können sehen, spüren und schmecken, wie er wirklich ist, und sind davon so überwältigt, dass wir vor ihm niederfallen

Gottes Herrlichkeit beweist uns, dass es ihn gibt … so wie an jenem schicksalhaften Abend, als er mir auf dem kalten Badezimmerboden begegnete. Nachdem ich einen Abglanz seines Wesens entdeckt hatte, konnte ich unmöglich so bleiben, wie ich war. Denn ich sehnte mich mir jeder Faser meines Herzens danach, diesem einzigartigen, unbeschreiblichen Gott näher zu kommen. (S.160,161)

Jennie Allen ruft in ihrem Buch zur völligen Hingabe auf, lehrt dabei aber nicht die sog. „zweite Erfahrung“ in der Geistestaufe. Sie ruft auf, Gott ernst zu nehmen, sich selbst zu sterben und tatsächlich Gottes Führung anzunehmen. Bei Ausdrücken wie „Gott sprach zu mir…“, oder „Gott gab mir die Vision…“ war ich zunächst skeptisch, doch Allen stellt klar:

Gott spricht in erster Linie durch sein Wort, die Bibel, zu uns. Wenn ich nicht schon in der Bibel gelesen hätte, dass Gott uns befiehlt, uns um arme und verwaiste Menschen zu kümmern, hätte ich auf den Impuls des Heiligen Geistes, ein Kind zu adoptieren, gar nicht reagieren könne. […] Durch die Bibel lernen wir den allmächtigen Gott kennen und deshalb müssen wir sie lesen. Was uns der Heilige Geist sagen will, stimmt immer mit dem geschriebenen Wort Gottes überein. Wir sollen „von seinem Geist und seiner Wahrheit erfüllt“ (Johannes 4,23) sein. Beides gehört zusammen, denn wo eines ohne das andere auftritt, handelt es sich entweder um einen falschen Geist oder um eine tote Religion.

[…] Als Zac und ich merkten, dass Gott uns in eine bestimmte Richtung führen wollte, haben wir keine hörbare Stimme vernommen. Sondern wir spürten eine starken inneren Impuls, der unmöglich von uns selbst stammen konnte. (S.231)

alles. ist einfach zu lesen, mitreißend, nachdenklich machend und motivierend: wir als Christen sind zu größerem, als nur zu Häusern und Autos berufen! Fragen wir doch Gott, was er tatsächlich von uns will.

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