Christus allein

Kommentare zum neuen Buch von Wilfried Plock

Wilfried Plock, aus dessen Vorträgen und Büchern ich als junger Gläubiger einiges lernen konnte, hat im Dezember sein neues Buch „Warum ich weder Calvinist noch Arminianer bin“ herausgegeben. Auf der Facebookseite von Wilfried Plock hat Berthold Schwarz hilfreich kommentiert:

Gut, dass das wichtige Thema auf Gemeindeebene angesprochen und erörtert wird, sofern Leute das Buch lesen und auswerten.

Gut, dass es in dem Buch um eine ausgewogene biblische Bewertung als Zielsetzung geht, die zumindest als Mittellösung angestrebt wird.

Allerdings liegt im Titel (und in der Darstellung) eine gravierende Schwäche. Denn dieses wichtige biblisch-theologische Thema kennt weder ein Entweder-Oder mit einem dritten verbindenden Mittelweg, noch einen „Mittelweg“ als solchen, sondern es geht um viele weitere Positionen, die es auch für die Urteilsbildung auf Gemeindeebene zu kennen gilt. Warum? Weil diese insgesamt mindestens 6-8 Positionen auch bewusst von der Bibel als Erkenntnisgrundlage „ihre Lösung“ entfalten und die nicht ohne weiteres mit anderen Positionen kompatibel sind.

„Weder Calvinisten, noch Arminianer“, das bedeutet logisch für mich ganz spontan beim Lesen, dass also die Lösung der „Lutheraner“ im Visier ist. Doch das ist im Buch eben überhaupt nicht die Lösung.

Es ist daher auf Gemeindeebene aufzuklären, dass das Thema nicht nur zwei Alternativen kennt und dass daher eine verzeichnende Schwarz-Weiß-Alternative eher in die Irre führt. Da wäre beispielsweise die klassische Brüdertheologie seit Darby zu erwähnen, die weder calvinistisch, noch arminianisch, noch lutherisch, auch nicht römisch-katholisch ist.

Dazu die neuzeitlichen Lösungsvorschläge zum Thema, die alle diese genannten Positionen nicht 1:1 teilen, sondern die komplementäre Ansätze unterschiedlicher Art anbieten.

Es müssten daher für das fromme Volk wenigstens 6 unterschiedliche, biblisch abgeleitete Positionen fair dargestellt und argumentativ abgewogen werden. Dann könnte man eine Variante anbieten, die ein sachgerechtes Urteil zulässt.

Die jeweiligen biblischen Argumente der jeweiligen Einzelpositionen müssen (!) die Geschwister auf der Gemeindeebene kennen und verstehen, um sich dadurch ein korrektes Urteil bilden zu können.

Bei aller Anerkennung des Buches, greift es doch inhaltlich zu kurz und hilft damit nicht zu einer sachgerechten, biblisch begründeten Urteilsbildung in Sachen „Erwählung, freier Wille, Vorherbestimmung, Prädestination, Gnade, Synergismus, syllogismus practicus“ usw.

Auch das EBTC hat eine Stellungnahme veröffentlicht. Inhaltlich stimme ich zu, wenn es dort heißt:

Aus menschlicher Perspektive und gemäss unserer Logik scheint es ein vermeintliches Paradoxon zu geben zwischen der Souveränität Gottes und der Verantwortung des Menschen. Doch dem ist nicht so. Tatsache ist, dass das Wort Gottes Wahrheiten lehrt, die wir mit unserer Logik nicht fassen können und die unser Fassungsvermögen bei weitem übersteigen – Jes. 55,8-9 (s. Dreieinheit, Christus 100% Mensch & 100% Gott, etc.).

Im Austausch mit einigen Brüdern sprachen wir auch über die Auslegung von Epheser 1,3-4 (im Buch auf S. 73-75), die Plock folgendermaßen einleitet:

Wenn wir ohne hermeneutische Brille an diesen Abschnitt herangehen, ist er relativ leicht zu verstehen…

M. E. gibt es keinen einzigen Text in der Bibel, den wir ohne hermeneutische Brille bzw. ohne eine systematische Theologie lesen. Sprich: Wir haben immer eine Brille auf. Das lässt Plocks Herangehensweise anmaßend erscheinen. Man stelle sich nur vor, ein Calvinist oder Lutheraner würde seine Ausführungen zu Epheser 1 mit dem Satz „Wenn wir diesen Text aber ohne Brille auslegen, dann…“ anfangen. Es geht nicht darum, die Brille abzulegen (das geht nicht), sondern sich zu vergegenwärtigen, welche man gerade aufhat. Das aber ist eine komplexere Angelegenheit, unser Erkennen bleibt Stückwerk. Das Problem liegt dabei nicht bei der Schrift, sondern bei uns. Die Schrift ist ohne Frage klar, aber wir sind es eben nicht! Wir sind Sünder; auch unser Erkennen ist beeinflusst von Sünde.

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12 Kommentare

  1. Weiß jemand, welche 6-8 Positionen Berthold Schwarz meint? Arminianismus und Calvinismus sind klar. Thomismus und Molinismus mitsamt Middle Knowledge sind auch naheliegend. Kennt jemand weitere Systeme, die versucht haben, das Verhältnis zwischen Prädestination und freiem Willen zu umreißen?

  2. Gute Frage, am besten du schreibst ihn direkt über Facebook oder über sein Blog an. Mir scheint, dass es ihm aber vor allem darum ging, hier vor einem vereinfachten Schubladendenken zu warnen und auf die Komplexität der Frage hinzuweisen.
    Ich würde ihm zustimmen, glaube aber auch, dass man zugespitzt immer zu der Frage kommt, ob es letztlich an Gott oder am Menschen liegt, also zu der Frage nach dem „freien Willen“.

  3. Eigentlich ist das Thema relativ einfach zu verstehen. Schaut einfach in den Epheser 1, wie oft dort „in ihm“ steht. Das ist doch der ganz einfache Schluessel. Wir sind „in Jesus“ erwaehlt. Denn er ist der Auserwaehlte. Das kommt aus Jesaja. Wenn Du also an sein reinigendes Blut glaubst, so bist Du „in ihm“ und damit erwaehlt, denn DU bist Teil des Leib Christi, und dieser ist der Auserwaehlte. Daneben gibt es noch die Auswahl Gottes fuer den Dienst. Das bedeutet, dass Du zwar durch Glauben errettet bist, Deinen Dienst jedoch als Gnadengabe durch Erwaehlung von Gott erhaeltst. Nach dem Motto: Ich waehle, was Du in meinem Reich fuer ein Aufgabe hast, Du waehlst, ob Du dabei bist oder nicht.

    1. Lieber Andre, du machst es dir zu einfach. Die Fragte bleibt ja: Wer bewirkt den Willen, an Christus zu glauben?
      Herzlichen Gruß,
      Waldemar

          1. Klingt so, als wüsstest du schon, worauf ich hinaus will.
            Darf ich denn erfahren, wer d. M. nach bei Adam den Willen zum Ungehorsam bewirkt hat?

          2. Hallo Max, da wir ja bereits einige Diskussionen zum Thema geführt haben und wir beide wissen, dass wir uns beide nicht so schnell geschlagen geben 😉 werde ich, wie besprochen, keine ausführliche Antwort geben. Ich will nur noch auf einen Artikel verweisen, der das Thema „Freier Wille bei Adam“ anschneidet sowie auf eine m.E. sehr faire und sachliche Gegenüberstellung der beiden grundlegenden Positionen, die sich in der Dogmatik von Wayne Grudem findet (Kapitel 16: Gottes Vorsehung, S. 349ff.). Das Kapitel ist hilfreich, um sich einen Überblick zu verschaffen und um zu lernen, wie man auf eine Position, die man nicht teilt, in angemessenem „Tonfall“ reagieren kann.

  4. Ich persönlich finde den allgemeinen Grundgedanken der „Zusammenführung“ gar nicht so schlecht.
    Beim Überfliegen des Buches ist mir jedoch aufgefallen, dass der Versuch der Zusammenführung leider an der Ausdrucksweise des Autors zu bröckeln beginnt. Sowohl jemand, der die Theologie von Arminius verfolgt als auch ein Calvinist, werden nicht besonders liebevoll auf ihre „Fehler“ in der Denkweise und Auslegung hingewiesen.
    Wenn man das Buch schon mit einer gewissen Spannung in die Hand genommen hat und dann beschuldigt wird bestimmte Aussagen völlig zu „überziehen“, stoßt das eher ab als zum intensiven Nachdenken anzuregen.

    Letztendlich ist es m.E. möglich die beiden Wahrheiten der Souveränität Gottes und der Eigenverantwortung des Menschen koexistieren zu lassen.

    Das Fazit des EBTC trifft dieses sehr passend wie ich finde:
    „Ist Gott souverän in seiner Erwählung zum Heil und der Errettung des Menschen? Absolut. Ist der Mensch verantwortlich dafür, wie er sich entscheidet? Absolut. Können wir das völlig verstehen oder erklären? Absolut nicht.“

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