Christus allein

Wen soll ich heiraten? 16 „biblische“ Wege

Die Entscheidung, wen man heiratet, ist weitreichend. Sie sollte deshalb nicht leichtfertig getroffen werden. Bei den Versuchen, möglichst „biblisch“ dabei vorzugehen, schießt man aber manchmal über das Ziel hinaus. Das Westminster Seminary California hat eine nicht ernst gemeinte Liste mit 16 „biblischen“ Möglichkeiten veröffentlicht, z.B.

  1. Finde eine attraktive Kriegsgefangene, nimm sie in dein Haus, rasiere ihren Kopf, schneide ihre Nägel und gib ihr neue Kleider. Dann gehört sie dir. (5. Mose 21,11-13)
  2. “Ergreife” ein Mädchen das noch nicht verlobt ist, “liege bei ihr“, zahle im Nachhinein aber eine bestimmte Summe Geld an den Vater. Dann gehört sie dir. (5. Mose 22,28-29)
  3. Finde eine Prostituierte und heirate sie. (Hosea 1,1-3)

  1. Sei nicht so wählerisch. Ersetze Qualität mit Quantität. – Salomo (1. Könige 11,1-3)
  2. Eine Frau? – Paulus (1. Korinther 7)

Die ganze Liste gibt es hier (auf englisch).

Es sollte klar sein, dass die Liste mit einer Portion Humor geschrieben wurde und dass einige dieser in der Bibel angeführten Wege nicht als Anleitung, sondern als Beschreibung der sündhaften Wege, die Menschen – auch aus dem Volk Gottes – gewählt haben um eine Frau zu finden. Aber sie deutet eben auch auf die große Gefahr hin, dass wir in dieser Frage dazu neigen, etwas in die Bibel hineinzulesen was sie nicht sagt. Ein Christ kann heiraten wen er will, solange der zukünftige Partner „im Herrn“, sprich: gläubig, ist (1. Korinther 7,9). Aber wie es dazu kommt – das ist eine Frage der Weisheit und sehr stark von der jeweiligen Kultur abhängig:

“The Bible does not give us a specific means by which we can find spouses. Some might be introduced by family or friends. Some might cultivate a letter-writing relationship (or as we might more commonly find it, e-mail, or some form of social media). In some cultures the thought of dating or courting is out of the question. I once walked in on one of my office mates in grad school–he was a Christian training for the ministry in Japan. He was intently reading a file; it looked like a personnel file. Out of curiousity I asked him what he was reading. He told me it was a file on a young woman that his father had sent him. His family, sight unseen (except for a few photos in the file) was arranging his marriage. I was stunned, but nevetheless made aware that godly Christians don’t all do things the same way. I.e., just because it’s American and Christians do it doesn’t mean its biblical or the only way.”

Zusammengefasst: Auf dem Weg zu einem Ehepartner sollten wir (1) Gottes offenbarten moralischen Willen beachten und (2) die christliche Freiheit nicht beschneiden. Wo Gott gesprochen hat, sind wir gebunden, aber wo er nicht gesprochen hat sind wir frei. Wir sind nicht durch die Gebote von Menschen gebunden.

Den ganzen Artikel kann man hier nachlesen (auf englisch).

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5 Kommentare

  1. Hallo Waldemar,

    bist Du der Meinung, dass Gott uns in allen unseren Wegen führen möchte?
    Bist Du der Meinung, dass Gott mir zeigt, ob ich in die externe Mission gehen sollte oder nicht?
    Bist Du der Meinung, dass Gott mir zeigt, welche Arbeitsstelle ich wählen soll, wenn ich danach frage?

    Wenn ja- warum bist Du dann nicht der Meinung, dass es Gott „egal“ ist, wie wir uns in der zweitwichtigsten Entscheidung unseres Lebens entscheiden? (Vgl. Gott zeigte Isaak genau, welche Frau)

    Wenn Deine Argumentation stimmen sollte, dann…

    … sollte ich als junger Mann auf möglichst viele christliche Freizeiten etc. möglichst viele Mädchen treffen. („Darum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht was Bess´res findet…“)
    … sollten junge Mädchen sich so verhalten/ kleiden, DASS junge Männer auf sie aufmerksam werden – da ja „jeder selbst seines Glückes Schmiedes ist“.

    Ich kenne diese Ansicht, die Du vertrittst auch und habe sie auch schon von sonst sehr bibeltreuen Brüdern gehört, aber ich kann diese Lehre in meiner Bibel nicht finden.

    Wäre schön, wenn Du Dir nochmals unvoreingenommen anhand der Bibel diesen Gedanken prüfen könntest:) – und wenn Du mir antwortest:)

    1. Hallo Johnny,

      Ich kann deine Fragen und Gedanken gut nachvollziehen da ich vor einigen Jahren vor genau denselben Fragen stand und trotz ernster Gebete keine klaren Hinweise bezüglich meiner Zukunft bekommen habe.

      Gott hat mir dann klare und unmissverständliche Schriftstellen gezeigt, die mir dann endlich den Mut und die Freiheit gaben, den beruflichen Weg, die Ehe etc. mutig anzupacken, wissend, dass der Segen Gottes mit seinen Kindern ist und diese begleitet.

      Es ist kaum möglich, das Thema hier umfassend darzulegen, deshalb empfehle ich dir zur Vertiefung wärmstens folgende Literatur:

      https://shop.ebtc.org/products/der-wille-gottes-und-die-freiheit-unserer-entscheidungen (leider momentan vergriffen, vielleicht aber noch gebraucht erhältlich)

      https://www.cbuch.de/deyoung-leg-einfach-los.html

      Ich beschränke mich mal auf die Frage des Willens Gottes im Bezug auf Ehe und Arbeit, da diese Bereiche wahrscheinlich am häufigsten bei jungen Leuten „brennen“:

      Die Schrift gibt uns in 1Kor 7,7-9 unmissverständlich folgende Aussagen zum Thema Heirat und Ehe:

      7 Denn ich wollte, alle Menschen wären wie ich; aber jeder hat seine eigene Gnadengabe von Gott, der eine so, der andere so. 8 Ich sage aber den Ledigen und den Witwen: Es ist gut für sie, wenn sie bleiben wie ich. 9 Wenn sie sich aber nicht enthalten können, so sollen sie heiraten; denn heiraten ist besser als in Glut geraten.

      Könnte Paulus so sprechen, wenn Gott jedem Mann/Frau einen bestimmten „idealen“ Partner zur Seite stellen wollte? Ausgeschlossen! Der Grund dafür, dass Menschen heiraten sollten ist, dass sie sich nicht enthalten können und „dass sie nicht in Glut geraten“. Paulus gewährt hier Freiheit in der Entscheidung. Er hat ja vorher noch gesagt, dass sein Wunsch wäre, dass sie bleiben sollten wie er (also ledig). Er macht daraus aber kein Gesetz oder Gebot Gottes. Weder für das Heiraten noch für das ledig bleiben. Hier ist Freiheit und weises Entscheiden im göttlich festgelegten Rahmen gefragt.
      Noch deutlicher wird dieser Ansatz in 1. Korinther 7, 36-38:

      36 Wenn aber jemand meint, er handle unschicklich an seiner Jungfrau, wenn sie über die Jahre der Reife hinauskommt, und wenn es dann so sein muss, der tue, was er will; er sündigt nicht, sie mögen heiraten! 37 Wenn aber einer im Herzen fest steht und keine Not hat, sondern Vollmacht, nach seinem eigenen Willen zu handeln, und in seinem eigenen Herzen beschlossen hat, seine Jungfrau zu bewahren, der handelt recht. 38 Also, wer verheiratet, handelt recht, wer aber nicht verheiratet, handelt besser.

      Unter Berücksichtigung der aktuellen Umstände muss man abwägen, ob es weise ist zu heiraten oder nicht. Es ist nicht gesagt, dass wir auf Gottes Führung und klare Zeichen warten sollen. Die Führung Gottes geschieht immer durch die Prägung seines Wortes in unsere Herzen, was uns dann zu weisen Entscheidungen im moralischen Rahmen Gottes befähigt. Außergewöhnlich stark ist die Aussage „er tue was er will“ und „wenn jemand Vollmacht hat nach seinen Eigenen Willen zu handeln“. Paulus verwirft das nicht, sondern stellt fest, dass man so den Willen Gottes lebt, indem man Entscheidungen trifft ohne Zeichen und klare Weisungen Gottes außerhalb der Schrift zu suchen.
      Ein absolutes Gegenargument, dass Gott dir die bestimmte und beste Frau zuführen möchte, ist in Vers 39 zu finden. Hier wendet sich Paulus an die Witwen. Sie sollen heiraten, jedoch nur im Herrn, d.h. nur einen Gläubigen. Innerhalb dieses Rahmens hat der Christ Freiheiten zu entscheiden bzw. muss sogar seine Verantwortung wahrnehmen. Das bedeutet aber keineswegs, dass man Entscheidungen leichtfertig ohne Gebet trifft. Vielmehr beten und ringen wir für weise Entscheidungen, haben aber auch gleichzeitig den Freimut uns in dem Wissen zu entscheiden, dass Gott seine Kinder in seiner Souveränität führt, ihnen nichts Schlechtes gibt sondern alles zu ihrem Besten dient (Römer 8, 28).

      Gleiches lässt sich im Bezug auf Arbeit ableiten. Paulus schreibt an die Sklaven im selben Kapitel in den Versen 17-24:

      Doch wie Gott es jedem einzelnen zugeteilt hat, wie der Herr jeden einzelnen berufen hat, so wandle er! Und so ordne ich es in allen Gemeinden an. 18 Ist jemand nach erfolgter Beschneidung berufen worden, so suche er sie nicht rückgängig zu machen; ist jemand in unbeschnittenem Zustand berufen worden, so lasse er sich nicht beschneiden. 19 Beschnitten sein ist nichts und unbeschnitten sein ist auch nichts, wohl aber Gottes Gebote halten.
      20 Jeder bleibe in dem Stand, in dem er berufen worden ist. 21 Bist du als Sklave berufen worden, so sei deshalb ohne Sorge! Wenn du aber auch frei werden kannst, so benütze es lieber. 22 Denn der im Herrn berufene Sklave ist ein Freigelassener des Herrn; ebenso ist auch der berufene Freie ein Sklave des Christus. 23 Ihr seid teuer erkauft, werdet nicht Knechte der Menschen! 24 Brüder, jeder bleibe vor Gott in dem [Stand], in dem er berufen worden ist.

      Für Gott spielt es keine Rolle ob du Sklave oder frei bist. Gottes Gebote zu halten und aus Liebe zu ihm zu leben (das Herz) ist das Entscheidende wie wir unser Leben zu führen haben. Es ist weise für einen Sklaven die Gelegenheit zu ergreifen und frei zu werden, wenn es die Umstände hergeben. Es könnte aber sein, dass der Sklave in seinem Haushalt bleiben möchte, weil sein Herr durch ihn viel von Gott gehört hat und empfänglich für Gott geworden ist. Der Sklave verzichtet nun auf seine Freiheit und bleibt im Haus seines Herrn um missionarisch tätig zu sein. Er sündigt in beiden Fällen nicht, sondern entscheidet prinzipiell anhand der Schrift was Gott wohl ehrt. Und Gott, der das Herz sieht, führt seinen treuen Diener in den Umständen und segnet ihn.
      Angewendet auf unsere Situation bedeutet es, dass wir unsere Gaben, Fähigkeiten und Möglichkeiten bei der Berufswahl berücksichtigen und im Vertrauen auf Gott handeln. Wenn wir zwischen zwei Stellen wählen können, dürfen wir frei sein zu wählen und mit der Motivation, Gott durch unsere Arbeit zu ehren, die Stelle antreten. Weder sündigen wir dabei, noch können wir davon ausgehen, dass wir eventuell die zweitbeste Entscheidung getroffen haben. Diese Frage stellt sich im biblischen Kontext einfach nicht. Gott geht es nicht in erster Linie darum, für welche Arbeit wir uns entscheiden sondern wie wir diese Arbeit tun.

      Bei deinen logischen Schlussfolgerungen verhält es sich übrigens ähnlich. Du äußerst zwei Gedanken die dem klaren ganzheitlichen biblischen Befund wiedersprechen:

      „sollte ich als junger Mann auf möglichst viele christliche Freizeiten etc. möglichst viele Mädchen treffen. („Darum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht was Bess´res findet…“)“

      Die Motivation an Freizeiten teilzunehmen kann aber nicht sein, möglichst viele Mädchen zu treffen, sondern Gott zu ehren.
      Diese Art, Ehepartner zu suchen, würde ja auch zeigen, dass man kein Gottvertrauen hat und meint alles in seiner eigenen Hand zu haben (man klammert die Souveränität, Güte und Treue Gottes zugunsten der eigenen Verantwortung aus).

      „sollten junge Mädchen sich so verhalten/ kleiden, dass junge Männer auf sie aufmerksam werden – da ja „jeder selbst seines Glückes Schmied ist“.“

      Nein, niemand ist seines Glückes Schmied. Gott ist unser Glück. Unser Glück liegt in seiner Souveränität und Gnade in Jesus Christus und nicht in einem Ehepartner oder gutem Einkommen.
      1. Petrus 3,3-5 lehrt genau das Gegenteil: Die Frauen sollen Gott zu gefallen suchen und zwar durch ihren christusähnlichen Charakter. Das soll ihr Schmuck sein und eben nicht die Äußerlichkeiten. Ihre Motivation soll nicht sein, Männer auf sich aufmerksam zu machen, sondern Christus zu ehren.

      Übrigens: Sollte deine Sichtweise stimmen, bringt das gerade im Bezug auf die Ehe enorme Probleme mit sich: Was ist, wenn ein Mann nicht die Frau gewählt hat, die von Gott für ihn vorgesehen war? Die Frau, die eigentlich von Gott für ihn vorgesehen war, wird nun ja entweder den falschen Mann heiraten oder ledig bleiben, entgegen des eigentlichen Planes Gottes. Die Frau die wiederum den ersten Mann geheiratet hat, war ja auch für jemand andern vorgesehen. Folglich wird sie sich auch nur mit dem zweit-, dritt- oder viertbesten abfinden müssen ;). Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass wir alle nicht mit dem eigentlich vorgesehenen Lebenspartner verheiratet sind.

      Ich hoffe dir mit dieser Ausführung geholfen zu haben. In diesem Sinne wüsche ich dir viel Mut und Demut deine Verantwortung vor Gott zu wahren und im Vertrauen auf seine Souveränität, seine fürsorgliche Gnade und seine Liebe zu dir zu handeln.

      Im Übrigen muss ich die Singles grundsätzlich enttäuschen: die beste Frau ist sowieso nicht mehr zu bekommen da ich sie bereits geheiratet habe 😉

      1. Erstmal vielen, vielen Dank für Deine Mühe!
        Ich möchte Deine Argumente anhand der Bibel prüfen und versuche dies objektiv-biblisch anzugehen, obwohl mir mein bisheriges Bibelverständnis sagt, dass Gott nicht so sein kann…

        Ich bin ebenfalls nicht der Meinung, dass es zu Gottes Standardführungswerkzeugen gehört, mir durch einen Traum oder eine Vision Seinen Plan zu zeigen. Aber dass nur der moralische Rahmen, den die Bibel mir gibt + bibl. Weisheit + meine eigenen „Vorliebe“ die Grundlage für meine Entscheidungen sein soll, und dass es keine individuelle Führung gibt – das fällt mir sehr schwer zu glauben.
        Nochmals vielen Dank, ich werde darüber nachforschen und darüber beten.
        Melde mich wieder.

        @Waldemar: Geklärt nicht, aber die Karten wurden neu gemischt.

        Gruß und Gottes Segen
        Johnny

  2. Lieber Johnny,

    vielen Dank für deinen Kommentar. Der Antwort von „DerUnentschlossene“ kann ich mich nur anschließen. Sind deine Fragen damit geklärt?

    Herzlichen Gruß und Gottes reichen Segen für 2019!

    Waldemar

  3. @ DerUnentschlossene

    Vielen Dank für deinen wirklich herausragenden Kommentar.
    Sorgfältig biblisch hergeleitet, nüchtern ausgelegt, aber dennoch mit Herzblut und Gnade geschrieben.
    Werde ich mir ausdrucken.

    Grüße christ-ian

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