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Bibel & Theologie

Macht die Erwählungslehre Mission überflüssig?

EIn Gastbeitrag von Benjamin Trachsel:

Es gab und wird wahrscheinlich immer Menschen geben, die aus der Erwählungslehre (Gott erwählt souverän vor Grundlegung der Welt, wer an ihn glauben und zu seinem heiligen Volk gehören wird) schlussfolgern, dass dann ja jegliche Anstrengung, Menschen mit dem Evangelium zu erreichen, überflüssig wäre. Denn ‚Gott macht ja eh alles wie er will‘ und wir können nichts daran ändern…

Das Gefährliche daran ist, dass man schlussfolgert; anstatt die Wahrheiten der Bibel (auch wenn sie sich manchmal widersprechen zu scheinen) stehen zu lassen, versucht man die Spannung aufzuheben und unverständliche Dinge mit der Logik zu erklären.

In Johannes 10 finden wir folgende Begebenheit:

Nachdem Jesus den Pharisäern unmissverständlich klar gemacht hat, dass er der einzige Weg zu Gott und im Gegensatz zu Ihnen der wahre gute Hirte ist, sagt er:

„Ich bin der gute Hirt; ich kenne meine Schafe, und meine Schafe kennen mich – so wie der Vater mich kennt und ich den Vater kenne. Und ich lasse mein Leben für die Schafe. Ich habe auch noch andere Schafe, die nicht aus diesem Pferch sind. Auch sie muss ich herführen. Sie werden auf meine Stimme hören, und alle werden eine einzige Herde unter einem Hirten sein.“ (Joh. 10,16 NeÜ)

Jesus macht klar, dass er tatsächlich noch andere Schafe hat und dass er sie noch herführen muss. Er ist nicht nur für die Juden gekommen, wie die Pharisäer meinten, sondern auch für die Heiden.

Denn Gott hat sich ein Volk (eine Herde) aus allen Völkern erwählt. Und ich finde es so ermutigend, wie Jesus hier über die „anderen“ Schafe redet: Einerseits so, als ob sie schon da sind (Ich habe noch andere Schafe) und andererseits, als ob sie erst noch kommen müssen (Ich muss sie herführen/Sie werden auf meine Stimme hören). Sie sind schon sein und irgendwie doch nicht. Aber wir dürfen ganz sicher sein, dass alle, die der Vater bestimmt hat, auch kommen werden, weil Jesus selbst, in Johannes 6,37a sagt:

„Alles, was mir der Vater gibt, wird zu mir kommen…“

Und in der Apostelgeschichte sehen wir deutlich, wie eng die Lehre der Erwählung mit dem tatsächlichen Predigen des Evangeliums zusammen hängt:

„Der Herr aber sprach durch ein Gesicht in der Nacht zu Paulus: Fürchte dich nicht, sondern rede und schweige nicht! Denn ich bin mit dir, und niemand soll dich angreifen, dir Übles zu tun; denn ich habe ein großes Volk in dieser Stadt.“ (Apg. 18:9-10 ELB)

Paulus sollte in Korinth das Wort predigen, weil Gott schon ein großes Volk in der Stadt hatte. Nicht obwohl (wie wir vielleicht schnell schlussfolgern würden), sondern weil Gott sich schon ein Volk von Menschen erwählt hat, die zum Glauben kommen werden.

Die Lehre der Erwählung macht Mission und Evangelisation nicht überflüssig, sondern verleiht ihr Hoffnung!! Und sie muss Hand in Hand mit der Predigt des Evangeliums einhergehen, wie wir es bei Paulus in Korinth so schön sehen.

„Zu Beginn meiner Laufbahn als Missionar war ich der Meinung, dass ich kein Missionar sein könnte, wenn die Prädestination (Erwählungslehre) wahr ist. Jetzt, nachdem ich seit über 20 Jahren mit der Härte des menschlichen Herzens ringe, muss ich sagen: Ich könnte kein Missionar sein, wenn ich nicht an die Lehre von der Prädestination glauben würde.“

 John Alexander (ehem. Präsident der InterVarsity Christian Fellowship)

„…Denn diese Lehre verleiht uns die Hoffnung, dass Christus unter den Heidenvölkern ganz sicher ‚noch andere Schafe hat‘.“

John Piper

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