Christus allein

Die innere Wandlung des Robinson Crusoe auf der einsamen Insel

Es gibt Bücher, die absolute Klassiker sind. Jeder kennt sie und sie begeistern nach wie vor jung und alt. 
Vor einiger Zeit las ich in einem christlichen Blog (wenn ich das richtig in Erinnerung habe war es hier, worauf ich durch Harrys Beitrag aufmerksam wurde), dass Daniel Defoe ein Puritaner war. 
Das brachte mich auf den Gedanken, seinen Klassiker Robonson Crusoe, den ich als Kind bereits zwei mal gelesen hatte, erneut zu lesen. Ich nahm ihn mir mit der Zielsetzung hervor, die Theologie des Romans kennen zu lernen. Und ich muss sagen, es war ein Genuss.
Danie Defoe versteht es auf sehr subtile Art und Weise, eine gute biblische Lehre über Gott und das Evangelium zu entfalten. Das alles eingebettet in einen spannenden Handlungsverlauf von einem auf einer einsamen Insel gestrandeten Mann namens Robinson. Dieser macht, was seine Haltung gegenüber Gott angeht, eine erstaunliche Wandlung im Laufe der Erzählung durch. Aufgewachsen in einem religiösen (katholischen) Umfeld, ist er allerdings anfangs ein Atheist, der zwar manchmal den Namen Gottes in den Mund nimmt, aber damit eher Schicksal oder Vorsehung meint. Im Laufe der Zeit beginnt er sich zu fragen, ob hinter dem Schicksal nicht eigentlich Gott steht. Er beginnt in der Bibel zu lesen, die ihn in seiner Einsamkeit tröstet und die Wahrheiten über Gott, den wahren verlorenen Zustand, indem er sich als Sünder befindet und die Errettung durch Christus lehrt. Er wird überzeugter (protestantischer) Christ, der aufgrund seiner Überzeugung später nicht mehr nach Brasilien (in das katholische Land) auf seine Plantage gehen will. Die Wahrheiten, die er lernt werden somit auch dem Leser nahegebracht. Allerdings drängt Defoe nach meinem Empfinden dies alles nie dem Leser auf.

Hier ein paar Kostproben:

Die Ankunft auf der Insel:
„Die Aussicht, die sich vor meinem inneren Auge eröffnete, war sehr düster. Ich war an dies Eiland nur durch einen heftigen Sturm, der mich gänzlich von den beabsichtigten Kurs und Hunderte von Meilen weit von den gewöhnlichen Handelswegen verschlagen hatte, getrieben. Daher hatte ich guten Grund anzunehmen, dass ich nach dem Ratschluss des Himmels auf diesem Fleckchen Erde in trostloser Weise mein Leben enden solle.“ Seite 81
Nach der Entdeckung, dass aus den als „Kehricht“ achtlos weggeworfenen Kornhülsen gute grüne Gerste wuchs:
„Ich vermag meine Empfindungen bei dieser Entdeckung nicht zu beschreiben. Bisher hatte ich überhaupt keine religiöse Weltanschauung gehabt; nur wenige Ideen dieser Art waren in meinem Kopf vorhanden gewesen, alles, was mir widerfahren, hat sich als Zufall oder, wie man so obenhin spricht, als Gottes Fügung angesehen. Um die Zwecke der Vorsehung und ihre Anordnung der Dinge dieser Welt war ich gänzlich unbekümmert gewesen. Als ich jedoch nun in einem Klima, von dem ich wusste, dass es sich nicht für Getreide eigne, Gerste wachsen sah, ohne eine Ahnung zu haben, wie sie dahin gekommen sei, wurde ich höchlichst betroffen, und ich begann zu glauben, Gott habe durch ein Wunder diese Ähren sprießen lassen, ohne dass ein Samenkorn vorhanden gewesen sei, und zwar lediglich, damit sie in dieser trostlosen Einöde mit zur Nahrung dienten.“ Seite 101f
„Leider fehlt es mir an allen Religionen. Was ich durch die vortrefflich Unterweisung meines Vaters davon gelernt hatte, war mir in dem ununterbrochenen achtjährigen Seeleben und dem beständigen Verkehr mit ebenso gottlosen Menschen, wie ich war, abhanden gekommen. Ich erinnere mich nicht, dass ich während dieser ganzen Zeit meine Gedanken ein einziges Mal zu Gott erhoben oder über meinen Wandel nachgedacht hätte. Eine gewisse Stumpfheit des Herzens, eine Gleichgültigkeit gegen alles Bessere und eine völlige Ahnungslosigkeit von der Sünde hatte ganz und gar Besitz von meiner Seele genommen. Ich war ein so verhärtetes gedankenloses elendes Geschöpf, als nur eines unter Seeleuten je zu finden war. Weder von der Furcht Gottes in Gefahren noch vom Dankgefühl gegen Gott nach der Errettung hatte ich die geringste Ahnung.“ Seite 113
Gedanken über Erde und Meer:
„Wie wunderbar ist doch diese Erde und dies Meer! Wer hat sie geschaffen? Wer bin ich, und wer sind alle die anderen Geschöpf auf Erden und von wannen sind sie gekommen? […] Gott hat alles dies hervorgebracht!“ Seite 117
Tagebucheintrag am 4. Juli:
„Am Morgen nahm ich die Bibel und fing an, aufmerksam im neuen Testamente zu lesen. […] Nicht lange, nachdem ich diese Tätigkeit begonnen, fühlte ich eine tiefe und aufrichtige Betrübnis über die Verworfenheit meines vergangenen Lebens. […] ich legte das Buch fort, und Herz und Hand in eine Art freudigen Entzückens zum Himmel erhebend, rief ich laut: „Jesus, du Sohn Davids, Jesus, du erhöhter Fürst und Heiland, gib mir ein bußfertiges Herz! Das war das erste Mal im Leben, dass ich mit Wahrheit behaupten konnte, gebetet zu haben. Denn ich hatte aus dem tiefsten Gefühle meiner Lage und in einer Hoffnung zu Gott gerufen, die auf seine Verheißung gegründet war, und von jetzt an fasste ich auch den Glauben, dass Gott mich erhören würde. Ich verstand jetzt die früher erwähnten Worte: „Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten“ in einem andern Sinn als damals, wo ich dabei nur an meine Erlösung aus der Gefangenschaft dachte (denn wie groß auch die Insel war, auf der ich lebte, so war sie doch für mich ein Gefängnis im schlimmsten Sinne des Wortes). Nun aber, jene Stelle anders verstehend, suchte ich, in Furcht und Schrecken über die Sünden meiner vorigen Tage, nur Befreiung von dem Gewicht der Schuld, die auf meiner Seele lag. Mein einsames Leben bekümmerte mich nur nicht mehr. Ich bat nicht um und dachte nicht an Erlösung aus demselben; es schien mir nichts im Vergleich zu jenem Elend. Und dies sei für alle meine Leser gesagt: dass, wenn sie zur Erkenntnis der Wahrheit gekommen sind, sie die Erlösung von der Sünde als einen viel größeren Segen empfinden werden als die Befreiung aus der Trübsal.“ Seite 121f
Der Trost in Gottes Wort:
„Ich las täglich in Gotteswort und wendete seine Tröstungen auf meine gegenwärtige Lage an. Eines Morgens, da ich sehr traurig war, fiel mir die Bibelstelle in die Augen: „Ich will dich nicht verlassen noch versäumen. Sofort fiel mir auf, dass diese Worte wie für mich geschrieben seien. Weshalb wären sie auch sonst wohl gerade in dem Augenblick mir aufgestoßen, als ich mich über meine Lage grämte und klagte, dass ich ein von Gott und Menschen Verlassener sei? „Nun denn“, sagte ich mir jetzt, „wenn Gott dich nicht verlassen will, was kann dir dann geschehen, und was liegt daran, weil auch die ganze Welt dich verlässt, da du doch siehst, dass, wenn du die ganze Welt gewännest und solltest Gottes Gnade und Segen dafür entbehren, dein Schaden unvergleichlich größer sein würde!“ Seite 140
Von da an finden sich immer wieder Monologe oder Tagebucheinträge, die sehr interessant und lehrreich sind. Mal sind sie philosophischer  Art, mal ganz praktischer Art. Doch immer wieder ist Vertrauen auf Gott und Freude in Christus zu merken. Ein empfehlenswerter Klassiker! Ich beziehe mich auf die Ausgabe des Anaconda Verlags in Köln. 
Beitrag teilen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.