Christus allein

Worin liegt Gottes Liebe zu uns begründet?

Darin besteht die Liebe — nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und seinen Sohn gesandt hat als Sühnopfer für unsere Sünden.

1. Johannes 4, 10

An viele vor allem durch Filme vermittelte Wertvorstellungen hat man sich heute – ob bewusst oder unbewusst – gewöhnt und angepasst. Erst in den vergangenen Tagen habe ich bei einem Film stoppen müssen, weil mir schlagartig bewusst wurde, mit welch purem Egoismus die Protagonistin ihre Enttäuschung in der Liebe bzw. ihren daraus entwickelten Groll zu rechtfertigen suchte. Natürlich können Menschen einander zutiefst verletzen. Natürlich können sie einander die schlimmsten Dinge antun; gerade in Beziehungen ist man durch die Öffnung einer anderen Person gegenüber natürlich anfällig für den Missbrauch von Vertrauen. Unterm Strich aber ist es furchtbar, wenn wir uns die Definition von Liebe ansehen, die dementsprechend herauskommen muss und von völliger Ich-Bezogenheit gesättigt ist.

Deswegen bin ich froh, dass Gott so ganz anders handelt, als es nach menschlichen Maßstäben zu erwarten wäre. Unsere Verfehlungen ihm gegenüber waren ganz gewiss nicht kleiner als das, was Menschen sich gegenseitig antun, im Gegenteil. Aber Gott schaute nicht auf irgendeinen Aspekt in uns, der seine Liebe rechtfertigen könnte (er hätte auch nichts gefunden). Gott wurde aus freien Stücken Mensch und schenkte uns durch sein Handeln Erlösung von unserer Misere. Der Puritaner Thomas Boston fasste den Ursprung der Liebe Gottes so zusammen:

Christus wurde aus Gottes eigener Initiative als Retter der Welt gesandt. Der Entschluss, die Menschheit zu retten, wurde gänzlich ohne Zutun von Seiten der Menschen gefasst. Nicht die Welt versammelte sich, um jemanden mit der Bitte um einen Retter in den Thronsaal des Himmels zu senden. Der Retter wurde nicht als Antwort auf die ernstlichen Bittgesuche der Sünder gegeben. Vielmehr sandte der Vater seinen Sohn aus reiner, freier Liebe als Retter der Welt. Die Not der Welt rief laut, doch die Menschen selbst schwiegen still und in ihrer Not riefen sie nicht lauter als die gefallenen Engel. Die souveräne, freie Gnade hörte die Stimme der Not der Menschen, während sie ihr Ohr für die Not der gefallenen Engel verschloss. „Denn er nimmt sich ja nicht der Engel an, sondern des Samens Abrahams nimmt er sich an.“ (Hebräer 2, 16). „Als aber die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Retters, erschien […]“ (Titus 3,4).[1]

Gottes Liebe ist bedingungslos. Vielleicht denken wir heute einmal darüber nach, ob diese Tatsache Auswirkungen auf unseren Alltag hat. Und hinterfragen wir doch mal kritisch die subtilen Wertevermittlungen unserer Kultur. Denn wenn wir den folgenden Vers (11) lesen, müssen wir konstatieren, dass der biblische Befund eine eindeutige Schlussfolgerung aus Gottes Liebe zu uns aufzeigt: Geliebte, wenn Gott uns so geliebt hat, so sind auch wir es schuldig, einander zu lieben. Unsere Herz und die Umstände machen uns das nicht ganz leicht. Aber vielleicht kann dieser Text einen Anstoß geben, Gott neu um seine Liebe zu unseren Mitmenschen zu bitten. Und um das Notebook bzw. den Fernseher vielleicht auch einfach mal auszumachen.


[1] Zitiert nach: John MacArthur, Die Liebe Gottes. Einblicke in Gottes unergründliche Wesen und Handeln, Oerlinghausen 2003, S. 206.

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