Christus allein

Ein Vorbild für Männer: Boas

Gestern habe ich auf gute Ziele für einen Mann (obwohl natürlich auch Frauen diese auf sich anwenden können) hingewiesen, heute soll es um ein Vorbild für Männer aus dem Buch Rut gehen.

Wenn man die Bibel fortlaufend liest, dann wird man beim Lesen des Richterbuchs vielleicht ähnliche Gedanken haben, wie ich sie vor einigen Wochen hatte: was für eine chaotische und schreckliche Zeit. Jeder tat, was ihm recht war. Und zwar ohne Rücksicht auf den Nächsten und Gottes Gebote. In den letzten Kapiteln wird beschrieben wie ein Gesindel Männer eine Frau vergewaltigten, woraufhin es zu einem Bürgerkrieg kam, wobei ein Stamm fast vollständig ausgerottet wurde.

Direkt nach dem Richterbuch kommt das Buch Rut. Die Erzählung darin handelt zur gleichen Zeit wie das Richterbuch. Doch der Kontrast der Männer in Richter zu Boas in Rut könnte nicht größer sein. Dort sind Männer, die sich nehmen was sie wollen, hier ein Mann, der Verantwortung übernimmt und Schwächere schützt.

Hanniel Strebel hat vor einigen Jahren einen Aufsatz zu Boas geschrieben: „Ein richtiger Mann – Boas im Buch Rut“. Er geht dort zunächst auf den geschichtlichen Hintergrund ein. Er nennt die Hungersnot, die scheinbar keiner in Verbindung setzte mit der verheißenen Folge bei Ungehorsam gegenüber dem Gesetz (vgl. 5. Mose 28,15ff), die Noomi dazu brachte nach Moab auszuwandern. Er geht auf die Verbindung der Söhne Noomis mit moabitischen Frauen und der Anordnung Gottes ein, dass kein Moabiter in die Gemeinde Israel kommen sollte. Dann beschreibt er wie alle Männer starben und die Frauen ohne Ernährer blieben. Hanniel zieht hier eine wichtige Lehre für Männer: die biblische Ethik sei immer schon „kontra-intuitiv“, also „den Gepflogenheiten der Zeit entgegenlaufend“ gewesen. Er weist dann auf zwei Gefahren hin:

  1. Überschätzung: „Wir rechnen in unserem Alltag zu wenig damit, dass wir Sünder sind“ Nicht nur unser Handeln ist sündig, sondern auch unser Sein. Daher benötigen wir dringend die Erlösung durch Jesus Christus.
  2. Unterschätzung: „Petrus sagt, dass wir über die volle Ausrüstung zu einem Leben mit Gott verfügen (2. Petrus 1,3-4)“ Hier beschreibt Hanniel die Gefahr, die folgt, wenn wir den ersten Punkt (wir sind Sünder) verstanden haben. Wir schrauben unsere Ansprüche herunter, weil wir sie allein aus unserer Kraft und unserem Willen nicht erreichen. Es dürfe uns nicht gleichgültig sein, wozu wir durch Gottes Gnade und mit seiner Kraft in der Lage seien, so Hanniel weiter. Sein Ziel beschreibt er wie folgt:

„Ich möchte gerne als Mann in die Geschichte eingehen, der am Ende nicht mit den geübtesten Daumen, der längsten Märklin-Modelleisenbahn, einer beeindruckenden Publikationsliste, einer makellosen Karriere oder einem gediegenen Weinkeller aufzuwarten hat. Sondern als einer, der durch das Bewusstsein seiner Sündhaftigkeit immer wieder gedemütigt und durch das Erleben der göttlichen Unterstützung im geistlichen Kampf nicht unterlegen ist. Ein richtiger Mann ist jemand, den sein Sünder-sein demütig hält, und den seine Berufung als Heiliger anspornt zu einem geheiligten Lebensstil.“

Wenn wir uns fragen, wie Mann sein sollte, kann Boas uns hier helfen. Wir sehen in ihm einen hilfsbereiten, zielorientierten Mann, der die Initiative ergreift und bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. Denn ist es nicht oft so, dass die Filmhelden sich vor der Verantwortung drücken? Hanniel hat gut herausgearbeitet, was man von Boas Vorgehensweise lernen kann: Hinschauen, hingehen und handeln.

„Männer, wir sind gerufen, unseren Blick wegzuwenden von unseren vielen Spielzeugen. Stellen wir uns unserer Verantwortung? Für mich sind es die Bücher, für dich die Arbeit, der neue Wagen, der Computer, die Sportsendungen. Wir werden einmal nicht dafür gelobt werden, dass wir in fünf Jahren kein Spiel verpassten, sondern als treue Knechte unseres Herrn in unserem täglichen Umfeld uns selbst verleugnet haben. Und das nicht um des Verleugnens willen, sondern weil wir dadurch Gott ehren und unsere Freude an ihm finden. Und damit leben wir genau in der Bestimmung, die Gott für uns vorgesehen hat.“

Es lohnt sich, das Buch Rut zu lesen. Es ist sehr ermutigend. Der Aufsatz ist hilfreich, da Hanniel Boas als Vorbild hinstellt, ohne dabei moralistisch zu werden. Er bleibt ausgewogen zwischen oben beschriebener Überschätzung und Unterschätzung und verweist immer wieder auf die Kraft des Evangeliums.

Weitere Zitate:

Er übernimmt Verantwortung. Dieser Zug war Boas seit der ersten Begegnung eigen. Rut ist auf sein Feld gekommen, also sorgt er für ihre Rechte und schützt sie. Dass Rut ihn nun bittet, Löser zu werden und sie zu heiraten, bedeutete eine noch viel größere Verbindlichkeit. Es würde erbrechtliche Konsequenzen haben. Boas nimmt den Ball an.

Er geht den rechtmäßigen Weg. Auf dem gesellschaftlichen Hintergrund, den ich vorhin beschrieben habe, wäre Boas günstiger gekommen, die ganze Angelegenheit informell zu regeln. Er hätte Rut als Magd einstellen und ihre sexuellen Dienste als Nebenfrau in Anspruch nehmen können. Doch Boas beschreitet den rechtmäßigen Weg nach dem Gesetz und präsentiert den Fall dem Ältestenrat der Stadt.

Er schob Angelegenheiten nicht auf die lange Bank, sondern packte sie schnell an. Boas geht am nächsten Tag hin und regelt die Sache mit dem näheren Verwandten. (Dieser schlägt die Pflicht aus erbrechtlichen Überlegungen aus!) Zusammenfassung: Er orientiert sich an Gottes Gesetz und zeigt so in seinem Alltag, wessen Diener er ist. Er ist nicht von seinen Projekten absorbiert, sondern nimmt seine Umgebung und Verantwortung wahr. Auch im kleinen Rahmen bleibt Boas integer. Was er versprochen hat, packt er zügig an.

Beitrag teilen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.