Christus allein

George Herbert: „Love (III)“

Juan de Joanes, Christus als eucharistischer Heiland, 16. Jahrhundert (Bildquelle: Wikipedia)

Der Dichter George Herbert, der zu den „metaphysical poets“ des 17. Jahrhunderts gerechnet wird, ist heute vor allem für seine religiösen Werke bekannt. Herbert war ein hochbegabter Rhetoriker, entschied sich aber in seinen 30ern für den Priesterdienst in der anglikanischen Kirche (er starb bereits im Alter von 39 Jahren). Besonders lieb ist mir Herberts Gedicht „Love (III)“, das gut zum heutigen Gründonnerstag passt.

In dem Gedicht lädt Christus, personifiziert in der Liebe, den Sünder dazu ein, mit ihm Gemeinschaft zu haben, der – sich seiner Sünde bewusst – zurückweicht; er kann Christus nicht anschauen. Zwar hat Christus selbst ihm die Augen gegeben, doch wurde diese Gabe beschmutzt durch die Sünde. Von dieser aber kann wiederum nur Christus befreien. Ergriffen will der Sünder nun dienen, eifrig sein, aktiv werden – doch Christus gebietet Einhalt: Alles, was der Sünder tun muss, ist sich zu setzen und mit Christus das Mahl einnehmen: nämlich das Fleisch des Sohnes Gottes (Joh. 6).

Hier Herberts „Love (III)“ im Original:

Love bade me welcome. Yet my soul drew back
                              Guilty of dust and sin.
But quick-eyed Love, observing me grow slack
                             From my first entrance in,
Drew nearer to me, sweetly questioning,
                             If I lacked any thing.

A guest, I answered, worthy to be here:
                             Love said, You shall be he.
I the unkind, ungrateful? Ah my dear,
                             I cannot look on thee.
Love took my hand, and smiling did reply,
                             Who made the eyes but I?

Truth Lord, but I have marred them: let my shame
                             Go where it doth deserve.
And know you not, says Love, who bore the blame?
                             My dear, then I will serve.
You must sit down, says Love, and taste my meat:
                             So I did sit and eat.

Carmen Wedeland hat das Gedicht (hier) wirklich sehr schön ins Deutsche übersetzt. Hier „Liebe (III)“ in Wedelands Übersetzung (mit ihrer freundlichen Genehmigung):

„Sei mir willkommen“, grüßte Liebe mich,
Der ich als Sünder kam.
Als hastig meine Seele von ihr wich,
Gequält von Schuld und Scham,
Da folgte Liebe voller Sorge mir:
„Sag, woran fehlt es dir?“

„Es fehlt ein Gast, der deiner würdig wär.“
Sie sprach: „Du darfst nicht gehn,
Sei du mein Gast.“ – „Ich bin zu böse, Herr,
Dich auch nur anzusehn.“
Doch Liebe lächelte: „Weißt du, mein Gast,
Durch wen du Augen hast?“

„Herr, ich verdarb, was ich von dir bekam.
Bestrafe mich gerecht.“
„Weißt du, wer starb und alles auf sich nahm?“
„Dann dien ich als dein Knecht.“
„Ich lade dich zum Hochzeitsmahle ein.“
So nahm ich Brot und Wein.

Beim Verfassen dieses Beitrags musste ich übrigens wieder an diese wunderbare Geschichte von Elisabeth Elliot denken, die ich vor Jahren hier schon einmal gepostet habe:

Ein Freund erzählte mir die Geschichte eines alten schottischen Predigers, der einst beim Abendmahl Brot und Wein austeilte. Da bemerkte er ein junges Mädchen, das schluchzend an der Schranke vor dem Abendmahlstisch stand. Als er ihr das Brot reichte, das sichtbare Zeichen des Leibes Jesu („Das ist mein Leib für euch“, sprach er) wandte das Mädchen das Gesicht ab – es war nass von Tränen.

„Nimm es, Kleine“, sagte der alte Mann, „es ist für Sünder.“ 

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