Christus allein

Bedeutende Jahreszahlen russland-mennonitischer Geschichte | 1536

Bildquelle: www.nndb.com

Einleitung zur Artikelreihe: Mit der Reihe „Bedeutende Ereignisse mennonitischer Geschichte“ möchte ich anhand einiger wesentlicher Jahreszahlen einen groben Rahmen liefern, um die Geschichte der Russland-Mennoniten zu erfassen. Meine Absicht ist es vor allem bei denjenigen, die Nachfahren dieser Gruppierung sind oder sich hierzu zählen, Interesse an ihrer Geschichte zu wecken und zugleich Schubladen im positiven Sinne zu bieten, in die sie ihr bisheriges Wissen einsortieren können. Bisher sind in dieser Reihe Artikel zu den Jahren 1525, 1527 und 1530 erschienen.

Im weiteren Verlauf der verfolgten Täuferbewegung stößt ein katholischer Priester hinzu, der „zur herausragenden Figur unter den Täufern der zweiten Generation in den Niederlanden und Norddeutschland“[1]  wird. Nicht zuletzt wird das darin ersichtlich, dass die Täuferbewegung schon zu seinen Lebzeiten nach ihm benannt wird: Menno-niten. Im Jahre 1496 in Witmarsum (Niederlande) geboren und 1524 zum Priester geweiht, hat Menno bis dahin ausschließlich die Kirchenlehrer studiert, jedoch noch nie die Bibel gelesen. Durch drei Ereignisse angestoßen, fängt er an die Kirchenlehre anhand der Bibel zu hinterfragen:

  • Während er die Messe zelebriert, stellt er sich plötzlich die Frage, ob sich, wie die Kirche lehrte, tatsächlich das Brot in den Leib Christi und der Wein in das Blut Christ verwandelt.
  • 1531 hört er von der Hinrichtung eines Wiedertäufers. Er sucht nun nach einer tragfähigen Begründung für die Kindertaufe, findet diese aber durch sein Studium nicht.
  • Im Jahre 1535 wird sein Bruder Pieter mit einer Gruppe von Täufern ermordet.

Im Gewissen getroffen, dass sein Bruder bereit war für seine Überzeugungen zu sterben, er selbst aber seine Erkenntnisse nicht lebt, gibt Menno 1536 seinen Widerstand Gott gegenüber in ernsthafter Buße auf. Am 30. Januar 1536, einem Sonntag, legt er sein Amt nieder und schließt sich den Täufern an.

1536 | Menno Simons tritt den Täufern bei

Nach einem Jahr der Ruhe und des Bibelstudiums ist sein Leben fortan dem Dienst an den Täufern verschrieben. Immer wieder wechselt er seinen Wohnort, da er verfolgt wird und dient übergemeindlich zahlreichen Täufergemeinden. Auch die Exil-Täufer in Preußen dürfen ihn im Sommer 1540 bei sich begrüßen und von ihm liebevolle Unterstützung bei der Etablierung einer biblischen Lehre und Gemeindestruktur erfahren. Einen besonderen Einfluss auf die Täufer übt er durch seine 25 Bücher und kleineren Schriften aus, wobei „Das Fundament der christlichen Lehre“ sein einflussreichstes Werk ist.

Er sieht sich in seiner Lebensaufgabe dem Wort Gottes verpflichtet und untergeordnet, womöglich auch im Hinblick auf schwärmerische Gruppierungen in den Reihen der Täufer, wenn er schreibt:

Meine Brüder, ich sage euch die Wahrheit und lüge nicht: Ich bin weder ein Henoch noch ein Elia, weder ein Seher noch ein Prophet, der anders lehren und prophezeien kann, als aus dem ausdrücklichen geschriebenen und im rechten Geist erfaßten Worte Gottes. Ein Jeder, der anders zu lehren sucht, wird bald von der rechten Bahn weichen und in seinem Verstande betrogen werden. […]

… allein höher oder niedriger, strenger oder schlaffer zu lehren, als die Schrift mich lehrt und der Heilige Geist anweist, darf ich nicht, und zwar weil ich in meinem Gewissen große Furcht und Bangen habe, daß ich dadurch die gottesfürchtigen Herzen, die nun den Geboten der Menschen abgesagt haben, wiederum mit Menschengeboten belasten möchte.[2]

Auch wenn die Täufer die Rechtfertigung allein durch Glauben im Vergleich zu den Protestanten weniger stark betonten, findet sich diese auch in Menno Simons Schriften. Über die Gläubigen schreibt er:

Wir alle, wie viel unser auch sind, müssen bekennen, daß wir in Gedanken, Worten und Werken Sünder sind. Ja, wenn wir den gerechten Christum Jesum nicht für uns hätten, es könnte weder Prophet noch Apostel selig werden.[3]

Im Alter von 65 Jahren und nach 25 Jahren des Dienstes an den Täufern stirbt er am 31. Januar 1561 durch Gottes Gnade eines natürlichen Todes. Sein Lebensmotto war entsprechend seiner christozentrischen Ausrichtung folgendes:

„Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“ (1Kor 3,11)

PS: Der nächste Beitrag in dieser Reihe wird in einigen Wochen folgen und einen zeitlichen Sprung von rund 250 Jahren ins Jahr 1789 machen.

[1]Diether Götz Lichdi; „Die Mennoniten in Geschichte und Gegenwart“ S.78

[2] J.C. Wenger; „Die Täuferbewegung“  S.46f

[3] J.C. Wenger; „Die Täuferbewegung“  S.49

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