Kategorien
Bibel & Theologie

Mit Ausdauer laufen (3): Laufen im Blick auf das Ziel

Ende letzten Jahres verstarb der Theologe R.C. Sproul, vor ein paar Tagen der Evangelist Billy Graham, die Gott in seiner Gnade beide auf großartige Weise gebraucht hat – es sind Menschen, die den Wettlauf des Glaubens gut und ausdauernd zu Ende gelaufen und uns ein gutes Vorbild darin geworden sind. Auch Paulus konnte, als er dem Tod immer mehr ins Auge blickte, von sich schreiben, dass er den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet und den Glauben bewahrt hat (Phil. 4,7).

So sehr diese Menschen und ihr Zeugnis Ermutigung und Inspiration für uns sind, so sehr sind sie auch demütigend und herausfordernd, weil wir noch in diesem Wettlauf stehen, weil wir noch nicht vollendet sind und uns fragen, woher wir die Kraft für den ausdauernden Lauf nehmen sollen und ob wir nicht viel mehr – angesichts der Herausforderungen – „auf der Strecke“ bleiben werden. Der Text aus Hebräer 12,1-3 gibt uns für diese Frage wunderbare Antworten und Ermutigungen mit auf den Weg, wie wir mit Ausdauer laufen können.

„Deshalb lasst nun auch uns, da wir eine so große Wolke von Zeugen um uns haben, jede Bürde und die uns so leicht umstrickende Sünde ablegen und mit Ausdauer laufen den vor uns liegenden Wettlauf, indem wir hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, der um der vor ihm liegenden Freude willen die Schande nicht achtete und das Kreuz erduldete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes. Denn betrachtet den, der so großen Widerspruch von den Sündern gegen sich erduldet hat, damit ihr nicht ermüdet und in euren Seelen ermattet!

Nachdem der Autor des Hebräerbriefes aufgezeigt hat, das uns die Wolke von Zeugen zum Kämpfen und zum ausdauernden Laufen ermutigt (siehe Teil 1), sagte er im zweiten Vers wie man diesen Lauf meistern kann: Im Blick auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens (siehe Teil 2).

Zum Schluss könnte jemand einwenden: „Hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender meines Glaubens“ – Schön und gut, aber irgendwie ist das immer noch ziemlich abstrakt, denn im alltäglichen Kampf steht mir diese Tatsache oft nicht vor Augen.“ Auch Gott weiß auch um diese Situation und so lässt er den Schreiber des Hebräerbriefs noch eine dritte Ermutigung für unseren Lauf niederschreiben, die – und das ist spannend und so unglaublich wertvoll – Jesu Lauf selbst als Vorbild hat.

3) Laufen im Blick auf das Ziel (Verse 2b-3)

Der Wettlauf ist sehr anstrengend, es ist ein lebenslanger Lauf, der uns alles abverlangt und beständige Ausdauer erfordert – nicht selten fragen wir uns, ob es sich der Lauf wirklich lohnt oder ob der Verzicht und die Entbehrungen nicht letztlich doch ein zu großer Verlust sind.

An dieser Stelle richtet der Autor unsere Augen erneut auf Jesus, auf einen, nein den entscheidenden Punkt in seinem Leben, als alles auf der Waagschale stand, als er einen ungleich schwereren Kampf auszufechten hatte, nämlich seinen Weg ans Kreuz, wo er den vollkommen gerechten Zorn Gottes für Sünder zu erdulden (vom Wortstamm ein ähnliches Wort wie das Wort Ausdauer in Vers 1) hatte. Schon die Stunden zuvor in Gethsemane waren unvorstellbar hart, als im Anblick dieses Kelchs sein Schweiß zu Blutstropfen wurde – doch dort am Kreuz musste der eingeborene Sohn Gottes aufgrund der Sünde die Trennung von Gott dem Vater ertragen, entblößt und gemartert vor und von seinen Geschöpfen am Kreuz hängend – das war wirklich ein Verlust!

Warum ist Jesus trotzdem ans Kreuz gegangen? Was gab ihm den Antrieb, diesen Weg zu gehen? Antwort: „um der vor ihm liegenden Freude willen“! (Sicherlich starb Jesus auch, um den Willen des Vaters auszuführen und aus Liebe zu den Menschen, aber für den Ansporn zum ausdauernden Lauf ist gerade dieser Aspekt wichtig.)

Jesus sah über die Schmerzen, über die Schande, ja sogar selbst über die zeitweilige Verwerfung seines Vaters hinaus, auf das Ziel hin, auf das, was durch seine Tat möglich wird (die Rettung der Erwählten Gottes) und auf den Moment, wenn er mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt sich wieder ein für alle Mal zur Rechten des Vaters setzen würde. Das gab ihm den Antrieb, dieses unvorstellbar schwere Leid zu tragen.

Und der Schreiber hämmert uns Jesu Vorbild im dritten Vers nochmal so richtig ein: „Denn betrachtet den, der so großen Widerspruch von den Sündern gegen sich erduldet hat, damit ihr nicht ermüdet und in euren Seelen ermattet!“ Betrachte Jesus, der einen so großen Widerspruch von Sündern gegen sich erdulden musste, indem er sich nämlich als Schöpfer von seinen Geschöpfen kreuzigen ließ. Der Widerspruch war größer, als du und ich ihn jemals erleben werden. Achte auf ihn, schau auf den Anfänger und Vollender, der dir dieses Ziel erwirkt hat, damit du nicht ermüdest und ermattest!

Es ist interessant, die Bibel auf diesen Sachverhalt hin zu studieren: Die ersten Christen nämlich hatten eine lebendige Ewigkeitsperspektive und bekamen sie von den Schreibern der Bibel eingeschärft. Paulus schreibt z.B. an Titus (Kap. 2,11-13): „Denn die Gnade Gottes ist erschienen, heilbringend allen Menschen, und unterweist uns, damit wir die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden verleugnen und besonnen und gerecht und gottesfürchtig leben in dem jetzigen Zeitlauf, indem wir die glückselige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Retters Jesus Christus erwarten.

Und dort, wo diese Hoffnung zu verschwinden drohte, wurden die Christen von den Aposteln aufgerüttelt, weil der Verlust dieser Perspektive Hand in Hand mit Trägheit im Glaubensleben geht, wie z.B. bei den Korinthern oder den Empfängern des zweiten Petrus-Briefs. Und das ist wirklich ein Verlust, wenn uns der Blick auf das Ziel geraubt wird und erklärt, warum wir in unserem Glaubensleben oft so träge und lustlos sind. Es ist nur folgerichtig, dass, wenn wir nicht mehr mit dem Himmel rechnen, es das Beste ist, unser Ego zufriedenzustellen und so zu leben, als sei dieses Leben auf der Erde schon der Himmel (vgl. 1. Kor. 15,19).

Wenn uns der Blick auf das Ziel vernebelt ist, dann wird uns der Wettlauf zu anstrengend, dann fehlt uns die Ausdauer, dann ist die Tatsache der Zeugen und die Wahrheit, dass Jesus der Anfänger und Vollender ist, irrelevant für uns. Erst dann wird Sünde und die zusätzliche Last eine Anziehungskraft auf uns haben können. Kann es nicht sein, dass unsere Trägheit gerade daraus resultiert, dass wir eben nicht mehr „das Ziel vor Augen haben“, das unser Lauf mehr einem mühsamen Daherschleichen gleicht? Lasst uns zu Jesus als unserem Vorgänger, Vorbild und dem Anfänger und Vollender unseres Glaubens, aufsehen. Denk in deinem Kampf immer dran: Das Beste kommt erst noch!

Kommentar verfassen