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Begrenzte Sühne Christus allein Gottes Souveränität und menschliche Verantwortung Soteriologie

Der Wert der begrenzten Sühne

Angestoßen durch eine Aussage auf der diesjährigen E21-Konferenz habe ich in letzter Zeit immer wieder über einen der fünf Punkte des Calvinismus nachgedacht, nämlich die „begrenzte Sühne“. Kai Soltau erwähnte in seinem Vortrag über Charles Spurgeon, dass der „Prince of Preachers“ durch diese Lehre besonders motiviert wurde, das Evangelium zu verkündigen.
Das ist deshalb interessant, weil die Kritik an diesem Aspekt häufig lautet, dass die Lehre der begrenzten Sühne die Notwendigkeit der Evangelisation untergräbt, da damit ja schon feststeht, wer gerettet wird. Damit erübrigt sich doch unser Einsatz. Das scheint, zumindest bei Spurgeon, nicht zuzutreffen.
Das ist auch deshalb interessant, weil manch einer, der zwar irgendwie mit den Lehren der Gnade sympathisiert, sich gleichzeitig nicht des Gefühls erwehren kann, die fünf Punkte gehen dann insgesamt doch zu weit. Spätestens bei der begrenzten Sühne steigt der ein oder andere aus. Wollen wir etwa ein Stück von der Erlösung abschneiden, es begrenzen auf einige wenige Menschen? Spätestens an dieser Stelle sieht man sich bestätigt, dass der Calvinismus doch nur ein logisches System darstellt, das sich nicht mit der Bibel belegen lässt.

Kurz nach der Konferenz erschien bei Evangelium21 der Artikel „Für wen ist Christus gestorben?“, in welchem ausgehend von Offenbarung 5,9-10 und anhand von zahlreichen weiteren Bibelstellen (z.B. Mat 20,28 und M6 26,28) aufgezeigt wird, dass sich diese Lehre durchaus biblisch belegen lässt. Der Knackpunkt dabei: Die begrenzte Sühne macht die Erlösung nicht kleiner, sondern größer! Der Sühnetod von Jesus schenkt uns nämlich nicht nur eine potentielle oder abstrakte, sondern eine wirksame Erlösung. Manche sprechen deshalb auch lieber von der wirksamen Sühne. Die Alternative zu dieser Lehre ist schließlich, dass Gott letztlich von der freien Entscheidung des Menschen abhängig ist. Salopp formuliert: Wenn es schlecht läuft für Gott, entscheidet sich kein Mensch für den Glauben an Jesus und der Tod von Jesus war damit vergeblich und unwirksam.

Mir geht es an dieser Stelle nicht um die Verteidigung dieser Lehre oder der fünf Punkte. Dazu kann man z.B. Leben durch seinen Tod (mit einer hervorragenden Einleitung von J. I. Packer, die man auch hier lesen kann) oder die Lehren der Gnade, die es bis zum 30.06. vergünstigt beim Betanien-Verlag zu kaufen gibt, lesen.
Ich habe in den vergangenen Woche immer wieder über diese Lehre nachgedacht, weil die Überzeugung von dieser Wahrheit – wie bei Spurgeon zu sehen – sehr praktische Konsequenzen für das Leben mit sich bringt. Im erwähnten Artikel werden ebenfalls sehr treffende Schlussfolgerungen gezogen:

Erstens, es gibt Gewissheit und Sicherheit, dass unser Retter für uns ist: von aller Ewigkeit, am Kreuz und in alle Ewigkeit. Diese Gewissheit und Sicherheit kann sagen: „Du bist würdig, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen; denn du bist geschlachtet worden für mich und hast mich für Gott erkauft mit deinem Blut aus diesemStamm und dieser Sprache und diesem Volk und dieser Nation, und hast mich zu einem König und Priester gemacht für unseren Gott, und ich werde herrschen auf Erden“.

Zweitens, es gibt uns Grund anzubeten. Er ist wirklich und persönlich für mich gestorben, um wirklich und mächtig meine Erlösung aus der Knechtschaft der Sünde und dem Reich des Teufels zu bewirken.

Drittens, es gibt uns Grund, zu predigen, zu evangelisieren und der Welt Zeugnis zu geben. Wenn Jesus wirklich, persönlich und mächtig für manche „aus jedem Stamm heraus und aus jeder Sprache herausund aus jedem Volk heraus und aus jeder Nation heraus“ gestorben ist, dann gibt es besondere Menschen in jedem Stamm, jeder Sprache, jedem Volk und jeder Nation, die zu Buße und Glaube kommen müssen.

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