Christus allein

Empfängnisverhütung und Familienplanung

Die Frage nach Empfängnisverhütung stellt sich für viele Menschen in der westlichen Welt in moralischer Hinsicht gar nicht mehr. Seit der sexuellen „Befreiung“ geht es nicht mehr um die Frage, ob verhütet werden darf, sondern nur noch wie verhütet werden kann. Man möchte Sex ohne Angst vor einer möglichen Schwangerschaft haben.

Als Reaktion auf diese Entwicklung lehnen manche Christen jegliche Form der Empfängnisverhütung bzw. Familienplanung ab. Dazu gehören auch viele russlanddeutsche Mennoniten-Brüder-Gemeinden. Gerhard und Heinrich Wölk beschreiben bereits 1981 die „Gemeindesitten“ der Mennoniten-Brüder in Russland:

„Der Mann wie die Frau kennen ihre Pflichten und Aufgaben. Die Emanzipation der Frauen, so sehr sie auch in Rußland (auch im Westen) Fuß gefaßt hat, hat in die Familien der Gläubigen keinen wesentlichen Einstieg gefunden. Die Eheleute wissen, wozu Gott den Mann und die Frau geschaffen hat, und beachten Gottes Grundsätze. Sie unterstützen einander in ihrer Arbeit. Die Familien sind überwiegend kinderreich. Die Kinder werden nach Psalm 127 als eine Gabe Gottes und ein Geschenk angesehen; von Gottes Gaben sagen sich Kinder Gottes nicht los und daher wird der verderbende Geist der Familienplanung den Kindern der Welt überlassen. Zudem wollen die Gläubigen keine Mörder sein, – ihrer eigenen Kinder, ehe sie geboren sind desto weniger! Die vielen Kinder fordern mehr Arbeit, haben aber nie die Familie arm gemacht, wie man öfters behaupten will. In den meisten kinderreichen Familien sehen die Mütter ihren von Gott bestimmten Platz bei ihren Kindern und nicht im Beruf. Der Herr segnet umso mehr das Einkommen des Mannes oder sorgt auf eine andere (göttliche!) Art für die Familie.“ (Wölk, Heinrich und Gerhard 1981, S. 210f)

Diese Position ist über die Jahre nicht geändert worden. Abram Fast erklärt z.B. in der Zeitschrift Dem Lamme nach in einer Ausgabe aus dem Jahr 2015:

„Familienplanung stimmt nicht mit Gottes Wort und Willen überein. […] Die von der Welt angebotenen Verhütungsmittel stehen im Widerspruch zum Wort Gottes. Die Tötung ungeborener Kinder ist Sünde und eine Übertretung des 6. Gebotes. Eine Mutter sagte: ‚Lieber zehn auf dem Kissen als eins auf dem Gewissen‘. Sterilisation als Mittel, keine Kinder mehr zu bekommen, ist eine Sünde gegen den eigenen Leib, der dem Herrn gehört.“ (Dem Lamme nach 3/2015, S. 12)

Hinter der Ablehnung stecken folgende häufig angeführten Argumente:

  1. Die Empfängnisverhütung wird häufig aus egoistischen Motiven betrieben. Wir sollten uns daher dem „Zeitgeist“entgegenstellen und jede Form der Familienplanung ablehnen.
  2. Kinder sind ein Zeichen von Gottes Segen, daher sollten wir möglichst viele Kinder haben.
  3. Wir sollten Gott vertrauen und es ihm überlassen, wie viele Kinder wir haben.
  4. Empfängnisverhütung ist „unnatürlich“ und widerspricht dem Zweck der Ehe.
  5. Empfängnisverhütung ähnelt einer Abtreibung, weil sie neues Leben verhindert. Damit ist es ebenfalls Mord.

Manche schwächen diese Position etwas ab und vertreten die katholische Sicht, die jede künstliche Form der Empfängnisverhütung ablehnt und nur die „natürliche“ Familienplanung anhand der fruchtbaren und unfruchtbarenTage der Frau zulässt. (Vgl. Grudem 2018, S. 746 und Schirrmacher 2002, S.359ff)

Das biblische Grundprinzip

Das Grundprinzip der Bibel steht tatsächlich der heute weit verbreiteten Sicht konträr entgegen und betrachtet Kinder (spätestens, wenn es mehr als zwei oder drei sind) nicht als eine finanzielle oder emotionale Last, die man kaum tragen kann. Kinder werden in der Bibel vielmehr als Segen Gottes beschrieben. Diese positive Sichtweise findet sich bereits in den Anfängen der Menschheitsgeschichte und in dem ersten Gebot, das Gott den Menschen in 1Mo 1,28 gibt (Vgl. Grudem 2018, S. 747):

„Und Gott segnete sie; und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch…“.

In den Psalmen wird diese Sicht bestätigt:

„Siehe, Kinder sind eine Gabe des HERRN, die Leibesfrucht ist eine Belohnung. Wie Pfeile in der Hand eines Helden, so sind die Söhne der Jugend. Wohl dem Mann, der seinen Köcher mit ihnen gefüllt hat! (Ps 127,3-5)

„Deine Frau ist wie ein fruchtbarer Weinstock im Innern deines Hauses; deine Kinder wie junge Ölbäume rings um deinen Tisch. Siehe, so wird der Mann gesegnet, der den HERRN fürchtet!“ (Ps 128,3-4)

Auch im Neuen Testament bekräftigt Paulus diese positive Sicht, wenn er den jüngeren Witwen nahelegt, zu heiraten und Kinder zu gebären:

„So will ich nun, dass jüngere [Witwen] heiraten, Kinder gebären, den Haushalt führen und dem Widersacher keinen Anlass zur Lästerung geben“ (1Tim 5,14)

Diese Texte deuten an, dass die erste Frage, die sich ein Ehepaar stellen sollte, wenn es über Empfängnisverhütung nachdenkt, folgende ist: „Stimmen wir in unseren Herzen mit der positiven Sicht der Bibel, dass Kinder ein Segen Gottes sind, überein? Oder sind wir von der heute gängigen Sicht beeinflusst und betrachten (mehr als zwei oder drei) Kinder eher als Last? (Vgl. Grudem 2018, S. 748)

Die Mennoniten-Brüder betonen daher m.E. grundsätzlich erst einmal zurecht, dass wir uns der gängigen Sicht entgegenstellen müssen wie es z.B. Hanniel Strebel mit seinem Plädoyer für mehr Kinder tut.

Das Grundprinzip sollte nicht gesetzlich verstanden werden

Dennoch kann Empfängnisverhütung für eine begrenzte Zeit angebracht sein. Wer aus dem Grundprinzip schließt, dass jede Form von Empfängnisverhütung falsch ist, verengt die biblische Position und schießt in gesetzlicher Weise über das Ziel hinaus. Er weicht zwar nicht zur linken, dafür aber zur rechten Seite von der biblischen Position ab (Vgl. Zwei Formen der Bibelkritik).

Abram Fast beispielsweise führt zwar an, dass starke gesundheitliche Gründe für Empfängnisverhütung sprechen könnten („Es gibt aber Frauen, die […] schon bei der ersten Geburt nur knapp am Leben geblieben sind“). Aber selbst für diesen klaren Fall beschwert er die Gewissen, indem er fordert: „In solchen Fällen soll man den Rat der Bibel und geistlich erfahrene und verantwortliche Brüder in der jeweiligen Gemeinde suchen, um später vom Gewissen nicht für die getroffene Entscheidung gestraft zu werden.“ (Dem Lamme nach 3/2015, S. 12) Damit bestätigt er nur seine bereits angeführte Position, dass Familienplanung nicht mit Gottes Willen und Wort übereinstimmt. Doch damit überzieht er das Grundprinzip in gesetzlicher Weise.

Grudem (2018, S. 751) und Schirrmacher (2002, S. 351f) führen folgende Beispiele an, in denen sie Empfängnisverhütung für moralisch rechtfertigt halten:

  • Ein junges Ehepaar entschließt sich, während der Ausbildungszeit auf Kinder zu verzichten, um die Ausbildung abzuschließen.
  • Ein Ehepaar mit einigen Kindern entscheidet sich dafür, erst einmal keine weiteren Kinder zu zeugen, weil z.B. die Ehefrau eine weitere Geburt gesundheitlich oder emotional nicht verkraften würde.

Als Begründung führt Grudem 1Tim 5,8 an:

„Wenn aber jemand fürdie Seinen, besonders für seine Hausgenossen, nicht sorgt, so hat er den Glaubenverleugnet und ist schlimmer als ein Ungläubiger.“

Der Vers spricht über die Unterstützung der Witwen, doch der Ausdruck „seine Hausgenossen“ schließt sicher auch die eigenen Kinder mit ein. Ein Ehepaar kann also zu dem Schluss kommen, dass sie trotz ihrer positiven Grundeinstellung gegenüber Kindern für eine begrenzte Zeit die Empfängnis verhüten. Der Grund kann darin liegen, dass sie sich für eine begrenzte Zeit nicht in der Lage sehen, die finanziellen, körperlichen, emotionalen und geistlichen Nöte eines (weiteren) Kindes zu versorgen. (Vgl. Grudem 2018, S.751f)

Die Grenze wird von Paar zu Paar unterschiedlich gesetzt werden. Grudem führt 1Kor 7,17 an, um zu belegen, dass dies eine Entscheidung der jeweiligen Familie sein sollte und nicht eine Vorgabe von der Gemeindeleitung.

„Doch wie Gott es jedem einzelnen zugeteilt hat, wie der Herr jeden einzelnen berufen hat, so wandle er!“

Grudem ermahnt, dass jeder diese Entscheidung durch Gebet, weises Abschätzen der eigenen Gaben und der Berufung treffen sollte. Es kann durchaus sein, dass ein verheiratetes Ehepaar nicht dazu berufen ist, so viele Kinder aufzuziehen wie es für sie rein körperlich möglich wäre. (Vgl. Grudem 2018, S.755)

Ein zweiter Blick auf die häufig angeführten Argumente

Argument 1: Die Empfängnisverhütung wird häufig aus egoistischen Motiven betrieben. Wir sollten uns daher dem „Zeitgeist“ entgegenstellen und jede Form der Familienplanung ablehnen.

Hier wird Familienplanung generell mit Egoismus und dem „Zeitgeist“gleichgesetzt. Doch damit verengt man, wie bereits gezeigt, das biblische Prinzip. Wer bei Familienplanung immer schon von vornherein ein sündiges Motiv unterstellt, erhebt sich zum Richter über das Gewissen des anderen und meint, die Motivation der anderen Familien zu kennen bzw. an der Kinderzahl ablesen zu können. Deshalb kann Fast mit Blick auf die säkulare Sichtweise anhand von Röm 12,2 argumentieren: „Die Familienplanung ist in vielen [sic!] Familien der Gläubigen eingedrungen. Die Bibel warnt uns sehr ernst davor – »und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch die Erneuerung eurer Gesinnung, damit ihr prüfen könnt, was der gute, wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist« (Röm 12,2).“ (DemLamme nach 3/2014, S. 18)

Im Anschlusszitiert er Röm 14,12 („So wird also jeder von uns für sich selbst Gott Rechenschaft geben“), um die Leser zu ermahnen, dass sie wegen der Empfängnisverhütung einmal vor Gott Rechenschaft ablegen werden. Dabei übersieht er, dass genau diese Bibelstelle die Sicht unterstützt, dass die Entscheidung nicht von der Gemeinde festgelegt werden darf da es sich nicht grundsätzlich um Sünde handelt, sondern dem Gewissen des jeweiligen Ehepaars überlassen werden muss. In Römer 14 geht es um den Umgang miteinander, wenn in der Gemeinde unterschiedliche Ansichten zu Dingen vorliegen, die nicht per Definition sündig sind, z.B. also auch zur Familienplanung. Paulus ermahnt in diesem Vers, dass „jeder für sich selbst Gott Rechenschaft geben“ wird. Deshalb sollen wir uns nicht zum Richter über den anderen erheben und ihn verurteilen oder verachten. Das Ehepaar, das viele Kinder hat, soll diejenigen, die weniger Kinder haben, nicht richten und ihnen Egoismus vorwerfen. Das Ehepaar, das wenige Kinder hat, soll diejenigen, die viele Kinder haben, nicht verachten und ihnen Gesetzlichkeit unterstellen. Jedes Paar wird für sich selbst Gott Rechenschaft geben.

Argument 2: Kinder sind ein Zeichen von Gottes Segen, daher sollten wir möglichst viele Kinder haben.

Hinter diesem Argument steckt die Annahme, dass wir das Gute, das Gott uns schenkt, maximieren sollten. Schließlich wollen wir doch soviel wie möglich von Gottes Segen bekommen, oder? Doch diese Annahme ist falsch. Das Problem ist nämlich, dass es viele gute Dinge im Leben gibt, die Gott uns schenkt – doch das bedeutet nicht, dass wir sie zwingend maximieren müssen. Schlaf ist eine gute Gabe Gottes, doch wir sollten sicher nicht so lange schlafen, wie nur möglich. Essen ist ein Segen Gottes, aber es wäre falsch, so viel wie möglich zu essen. (Vgl. Grudem, S. 754) Es ist eine Frage der Gottesfurcht und Weisheit, wieviel wir essen und schlafen. Die Antwort darauf wird von Person zu Person unterschiedlich ausfallen, auch wenn wir Grundprinzipien in der Bibel finden, die uns einen Rahmen und Anleitung bieten. Genauso verhält es sich mit der Familienplanung. Die Bibel gibt uns keine Antwort darauf, wie viele Kinder eine Familie haben sollte. Was heißt außerdem „viele Kinder“? Sind fünf Kinder viel? Oder sollten es doch acht sein? Man kann denjenigen, die so argumentieren, immer die Gegenfrage stellen, warum sie denn nicht noch mehr Kinder haben. Könnte nicht ein Paar, das acht Kinder hat, nicht auch neun haben? Es gibt wohl kaum ein Paar, das so viele Kinder hat, wie es rein körperlich möglich wäre.

Argument 3: Wir sollten Gott vertrauen und es ihm überlassen, wie viele Kinder wir haben.

Die Gegner der Familienplanung führen an dieser Stelle gerne auch an, dass wir Gott überlassen sollten, wie viele Kinder wir haben. Dahinter steckt unausgesprochen der Vorwurf, dass es demjenigen, der sich für die Empfängnisverhütung entscheidet, an Vertrauen gegenüber Gott mangelt. Dabei übersieht man, dass Gott sich normalerweise in seiner Herrschaft nicht über den Ablauf der Dinge, wie er sie geschaffen hat, hinwegsetzt. Wir würden schließlich zu keinem Bauern sagen: „Vertrau auf Gott, egal wieviel Unkraut auf deinem Feld wächst.“ Wenn der Bauer nichts dagegen tut, wird sein Feld schnell von Unkraut überwuchert sein und keinen großen Ertrag bringen. Wer ein solches Verständnis von Gottes Souveränität hat, kann damit jede Art von Faulheit und Inaktivität begründen, selbst die Verweigerung medizinischer Hilfe. (Vgl. Grudem, S. 756) Gottes Souveränität und menschliche Verantwortung sind in der Bibel kein Widerspruch. Schirrmacher: „Wenn Gott nicht gewollt hätte, daß der Mensch an der Zeugung bewusst beteiligt ist, hätte er weder die Sexualität geschaffen noch einen biologischen Weg der Zeugung gewählt. Bei der Zeugung kommen sowieso das Wirken Gottes […] und das Wirken des Menschen zusammen.“(Schirrmacher, S. 351)

Argument 4: Empfängnisverhütung ist „unnatürlich“ und widerspricht dem Zweck der Ehe.

Dieses Argument blendet die Folgen des Sündenfalls aus. Das, was „natürlich“ ist, muss nicht zwingend das Beste sein. Der Mensch soll die Schöpfung nicht einfach unberührt in ihrem „natürlichen“ Zustand belassen, sondern sie zu Gottes Ehre gebrauchen; sie durch technologische Entwicklung nutzbar, „sich untertan“machen (Vgl. 1Mo 1,28). Gott befiehlt uns nicht, sich dem „natürlichen“ Lauf der Dinge unterzuordnen, sondern seinen Geboten! (Vgl. Grudem, S. 756f) Im Rahmen dieser Gebote sollen wir die Schöpfung zu seiner Ehre gebrauchen. Der Verweis darauf, dass Empfängnisverhütung „unnatürlich“ ist, ignoriert diesen Zusammenhang.

Eng verbunden mit diesem Verweis ist auch die Idee, dass der Hauptzweck (wenn nicht sogar der einzige Zweck) von Sex die Fortpflanzung ist. Das entspricht der katholischen Sicht. Aber diese Einschränkung findet sich nicht in der Bibel. Sex dient z.B. auch dazu, dass wir Gottes Forderung, „ein Fleisch“ zu werden (1Mo 2,24; Eph 5,31), nachkommen können. Weiterhin ist Sex von Gott zur gegenseitigen Befriedigung und zur tiefen Gemeinschaft geschenkt (Spr 5,18f; Hohelied). (Vgl. Grudem, S. 758)

Argument 5: Empfängnisverhütung ähnelt einer Abtreibung, weil sie neues Leben verhindert. Damit ist es ebenfalls Mord.

Wölk und Fast setzen Empfängnisverhütung nicht mit einer Abtreibung gleich, aber sie rücken die Sachverhalte eng zusammen. Nach diesem Verständnis verneint Abtreibung das gewordene Leben, Empfängnisverhütung das potentiell werdende Leben (Vgl. Schirrmacher, S. 378). Doch Schirrmacher wendet zurecht ein: „Kann man so einfach potentielles, noch nicht gezeugtes Leben mit gezeugtem Leben gleichsetzen? Ist Empfängnisverhütung also mit Mord gleichzusetzen? Ist ledig bleiben dann auch Sünde, da der Ledige ja auch auf das potentiell werdende Leben verzichtet? Nein, potentielles Leben ist kein Leben und der Ausdruck ‚potentielles Leben‘ ist an sich schon völlig falsch“ (Ebd.). Das ist der springende Punkt: Das Leben entsteht erst, wenn das Spermium des Mannes die Eizelle der Frau befruchtet. Solange das verhindert wird, kann man nicht von Mord sprechen. Deshalb sind auch solche Methoden der Empfängnisverhütung moralisch rechtfertigt, die die Empfängnis verhindern und somit kein neues Leben zerstören, z.B. ein Kondom und viele „Pillen“. Im Gegensatz dazu ist die„Pille danach“, die bereits entstandenes Leben zerstört, für Christen nicht vertretbar (Vgl. dazu auch den Artikel von Ron Kubsch: „Pille danach nun frei“).

Zusammenfassung

Die Bibel vertritt eine sehr positive Sicht von Kindern. Sie ermutigt uns zu vielen Kindern und fordert uns heraus, sich in dieser Frage nicht vom „Zeitgeist“ bestimmen zu lassen. Sie schließt Empfängnisverhütung jedoch nicht grundsätzlich aus, sondern fordert uns auf, diese Entscheidung durch Gebet, weises Abschätzen der eigenen Gaben und der Berufung zu treffen.

Literatur

Schirrmacher, Thomas: Ethik, Bd. 4: Das Gesetz der Freiheit.

Wölk, Heinrich und Gerhard: Die Mennoniten-Brüdergemeinde in Rußland 1925-1980

Grudem, Wayne: Christian Ethics: An Introduction to Biblical Moral Reasoning

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5 Kommentare

  1. Danke! Ein spannendes Thema und ein guter Einstiegsartikel.

    Es gibt noch viel zum Weiterdenken…, beispielsweise:

    „Ein junges Ehepaar entschließt sich, während der Ausbildungszeit auf Kinder zu verzichten, um die Ausbildung abzuschließen.“ –> Was heißt Ausbildung in unser heutigen Gesellschaft, in der Ausbildung immer später abgeschlossen ist und oft nahtlos in Karriere (verknüpft mit Fortbildungen) übergeht? Wenn wir Ausbildung kategorisch zu einer Ausrede machen, aktuell keine Kinder zu bekommen, wird es problematisch. Vielmehr brauchen wir einge (!; nicht: alle) Ehrpaare, die bewusst während der Ausbildung Kinder bekommen und dadurch Gottvertrauen zeigen.

    Oder:
    Ledig Bleiben ist keine Sünde, sondern für einige (obwohl sie biologisch und psychisch in der Lage wären, zu heiraten) die Berufung Gottes. Gibt es Ehepaare, die biologisch in der Lage sind, Kinder zu kriegen, (und psychisch in der Lage sind, sie zu erziehen), die dennoch von Gott berufen sind, keine Kinder zu bekommen, sondern auf andere Weise Gott zu dienen?

    1. Lieber Klaus, danke für deinen Kommentar! Es ließen sich ganz sicher noch viele weitere Fälle konstruieren. Ich glaube aber, dass unter Beachtung des Grundprinzips (Kinder sind eine Gabe Gottes) gilt, wie im Artikel erwähnt, „dass jeder diese Entscheidung durch Gebet, weises Abschätzen der eigenen Gaben und der Berufung treffen sollte.“ Angewandt auf deine Beispiele:
      zu 1) Das ist sicher richtig, dass Gott manche Ehepaare dazu beruft, während der Ausbildung Kinder zu bekommen. Man sollte das Beispiel (während der Ausbildung keine Kinder) schließlich nicht wieder zum Gesetz machen. Aber es werden eben nicht zwingend alle Kinder bekommen.
      zu 2) Das würde ich nicht grundsätzlich ausschließen, aber es ist sicher ein Ausnahmefall.
      Herzlichen Gruß, Waldemar

  2. Ich finde es schade, dass dieser Artikel mit der Gesetzlichkeitskeule auf Abraham Fast einschlägt. Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.

    Grundsätzlich finde ich es sehr mutig und begrüßenswert, sich gegen den Zeitgeist zu stellen und große Familien als Segen zu betrachten. Das erste genannte Beispiel („Ausbildung“) übernimmt direkt weltliche Sitten und Normen anstatt auf den HERRN zu vertrauen. Diese Tatsache lässt sich nicht wegdiskutieren, auch wenn zwei evangelikale Stars das scheinbar anders sehen.

    Zur Argumentation zu
    Argument 3 – Kinder mit Unkraut oder Krankheit zu vergleichen, die es zu bekämpfen gilt, halte ich für unangemessen
    Argument 5 – Wir haben uns als Ehepaar intensiv mit der „Pille“ auseinandergesetzt – alle modernen Präparate reduzieren die Hormondosis, um weniger tief in den weiblichen Organismus einzugreifen – eine früh abtreibende Wirkung ist bei keinem Präparat sicher (!) auszuschließen.

    Ich würde zwar nicht soweit gehen, eine Steuerung der Empfängnis komplett auszuschließen, die Pille kommt aber für Christen ebenso wenig in Frage wie die Pille danach.

    1. Hallo Georg,
      zu Abraham Fast möchte ich wie Whitefield auf die Frage, ob man seinen Kontrahenten Wesley im Himmel sehen werde, antworten: „Ich befürchte nein, denn er wird dem ewigen Thron so nahe und wir werden so weit weg von ihm sein, dass wir kaum einen Blick von ihm erhaschen werden.“ In dem Artikel fälle ich kein persönliches Urteil über ihn, sondern kritisiere seine theologische Position in dieser bestimmten Frage. Ich finde es auch „sehr mutig und begrüßenswert, sich gegen den Zeitgeist zu stellen und große Familien als Segen zu betrachten.“ Aber das bedeutet eben nicht, dass Familienplanung damit per Definition Sünde ist und man zwingend „weltlichen Sitten und Normen“ folgt, wenn man z.B. während der Ausbildungszeit die Empfängnis verhütet. Stattdessen kann es (muss es aber nicht!) vielmehr Gehorsam gegenüber der Schrift sein, wenn man in bestimmten Fällen die Empfängnis verhütet (siehe 1Tim 5,8). Diese Entscheidung soll selbstverständlich nicht leichtfertig, sondern – wie im Artikel erwähnt – durch Gebet, weises Abschätzen der eigenen Gaben und der Berufung getroffen werden. Das ist im Übrigen nicht die Privatmeinung von Schirrmacher und Grudem, sondern – wie im Artikel ausgeführt – in der Bibel begründet. Warum du die beiden als „evangelikale Stars“ bezeichnest, erschließt sich mir nicht.
      Bitte beachte auch, dass ich Kinder nicht mit Unkraut oder Krankheit verglichen, sondern Beispiele dafür angeführt habe, dass die Souveränität Gottes nicht unsere Verantwortung ausschließt. Vielmehr habe ich geschrieben: „Die Bibel vertritt eine sehr positive Sicht von Kindern. Sie ermutigt uns zu vielen Kindern und fordert uns heraus, sich in dieser Frage nicht vom ‚Zeitgeist‘ bestimmen zu lassen.“
      Die Verwendung der „Pille“ sollte sicher nicht leichtfertig beschlossen und die medizinischen Nebenwirkungen bedacht werden. Aber die grundsätzliche Frage ist ja, ob damit neues Leben zerstört oder verhindert wird. Ich bin da kein Experte. Grudem bspw. bezieht sich auf Angaben vom Life Issues Institute, die „Pro Life“ ausgerichtet sind. Daher gehe ich davon aus, dass sie ihr Urteil nicht leichtfertig gefällt haben.
      Herzlichen Gruß, Waldemar

  3. Ich finde es schade, dass dieser Kommentar [von Georg] mit implizierten Unterstellungen auf den Autor einschlägt. Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.

    Grundsätzlich finde ich es sehr mutig und begrüßenswert, sich gegen den Zeitgeist zu stellen und große Familien als Segen zu betrachten. Hier hast du, lieber Georg, das Anliegen des Autors erkannt. Es ist das Anliegen des Autors, zum Bau gottgewollter Familien zu ermutigen.
    Im ersten Beispiel, wo es um die Ausbildung geht, werden nicht zwingend weltliche Sitten und Normen übernommen sondern der Spagat zwischen menschlicher Verantwortung und Gottes Souveränität geschlagen. Klar ist, dass man hier auch unter bibeltreuen Christen nicht zwingend zu einer Meinung kommt. Diese Tatsache lässt sich nicht wegdiskutieren, auch wenn zwei Stars der Mennoniten das scheinbar anders sehen. (Meine Entschuldigung geht an dieser Stelle an die lieben Brüder Fast und Wölk, die ich hier nicht ins schlechte Licht rücken möchte. Ich will nur zeigen, dass die Argumentation auch andersrum geht).

    Nehmen wir ein anderes Beispiel, um diesen Aspekt zu unterstreichen: Was ist, wenn eine Krankheit beim Mann oder bei der Frau vorliegt? Sollten wir diese Dinge nicht auch im Vertrauen auf Gott unberücksichtigt lassen? Oder sollten wir hier vielleicht eine hilfreiche Liste den Gemeinden an die Hand geben (z.B.: bei Krebs und Lähmungen ist die Steuerung der Empfängnis in Ordnung; bei Diabetes vielleicht, und nach 2Kaiserschnitten (noch) nicht)?

    Zur Argumentation zu
    Argument 3 – „Kinder mit Unkraut oder Krankheit zu vergleichen, die es zu bekämpfen gilt, halte ich für unangemessen.“ Das wurde im Artikel aber glücklicherweise nicht gemacht, sondern anhand des Beispiels wurde lediglich gezeigt, dass auch bei uns genauso im Bereich der Familienplanung Verantwortung und Weisheit von Gott gefragt und gefordert ist. Und unser Ringen muss es sein, dass wir nicht von selbstbezogenen und egoistischen Motiven geleitet werden, sondern diese töten und den göttlichen Rahmen finden und leben. Das heißt nicht zwingend, dass man in der Ausbildungsfrage immer zu einer Meinung kommen muss.
    Argument 5 – Das die Praxis im Detail auch Probleme mit sich bringen kann, ist ja unumstritten. Deine Sicht, auf dieses Präparat grundsätzlich zu verzichten, teile ich, wenngleich ich der Überzeugung bin, dass es zwischen der Pille davor und danach moralisch und medizinisch Unterschiede gibt und meine Meinung nicht maßgeblich für alle sein kann, auch wenn ich mich in dieser Frage auf biblischem Boden gefestigt sehe.

    Die Frage die sich mir zuletzt stellt, unter welchen Umständen du eine Steuerung der Empfängnis ausschließen bzw. nicht ausschließen würdest. Hier kannst du dir sicher sein, dass es bei deiner Position immer Christen geben wird, die dich als zu weltlich sehen und andere als zu engstirnig. Spätestens bei der Frage, bei welcher Krankheit oder körperlichen Einschränkung man die Steuerung legitimieren dürfte.

    P.S. Wir haben das mit der Ausbildung übrigens nicht so geregelt wie im Artikel beschrieben, sondern wie von den Brüdern Fast und Wölk festgelegt. 😉

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