Christus allein

Schwäche zeigen

Abwärtsspiralen sind selten schon zu Beginn als solche zu erkennen. Angefangen mit leisen Zweifeln, kleinen Sünden, oder unauffälligen Gedanken können sie sich aber im Laufe der Jahre zu gewaltigen Lebensstürmen entwickeln. Die Sünde, die den Alltag beherrscht; der Zweifel an Gott, der einen fast wahnsinnig werden lassen könnte; die Krankheit, die jeden Lebensmut geraubt hat.

Als Christ ist man von diesen Problemen natürlich ausgenommen. Als Christ bekommt man die rosarote Brille gleich mitgeliefert, denn man weiß ja, dass man seine Sorgen nur auf Gott werfen muss (nach 1. Petrus 5, 7). Das ist natürlich zugespitzt, aber vielleicht gibt es diese Fälle wirklich, die das Gefühl entstehen lassen, man dürfe sich als Christ in seiner Umwelt keine Schwäche erlauben; müsse immer stark sein und für jedes erdenkliche Problem schnell eine Lösung bereit halten.

Manchmal entstehen Gedanken dieser Art vielleicht in einem Umfeld, in welchem selten über Schwächen geredet wird. Es kann letztendlich viele Gründe geben, die jemanden daran hindern, seine Schwächen offen anzusprechen und sich nicht als Christen „zweiter Klasse“ einzuschätzen.

Interessanterweise tut die Bibel das genaue Gegenteil. Sie schweigt nicht über die Schwächen und Fehltritte ihrer „Helden“. Denken wir an das „Paradebeispiel“ David: Ein Mann nach dem Herzen Gottes, der sich zugleich als Ehebrecher und Auftragsmörder bezeichnen lassen muss. Ein weiteres Beispiel ist Asaph. Asaph, der Chorleiter zur Zeit Davids, sicher ein Mann der im religiösen Kontext seiner Zeit zur „Elite“ zählte. Von ihm sind einige Lieder in den Psalmen überliefert. Und man hätte sicher einiges von ihm erwarten können, aber vermutlich nicht das, was er im 73. Psalm von sich hören lässt.

Asaph zweifelt zutiefst an Gott. Er wird nicht fertig damit, dass es ihm so schlecht und den Gottlosen so gut geht. Seine Aussagen gehen soweit, dass er kurz davor ist, mit Gott zu brechen. Er beschreibt retroperspektiv, dass er sogar darüber nachgedacht hat, in das Gerede der Gottlosen (=Gotteslästerung) mit einzustimmen, so zumindest lässt sich Vers 15 deuten. Wahrscheinlich würde man ihn heute als eine Art Vorzeigechristen bezeichnen; nichtsdestotrotz ist Asaph dadurch nicht davor geschützt, in tiefste Depressionen zu fallen.

Diese Tatsache macht klar, dass man auch als Kind Gottes manchmal innerlich in arge Bedrängnis kommen kann und dass man nicht immer versteht, warum Gott so handelt, wie er es gerade tut. Der Weg ist eben nur selten ganz klar vor uns. Und das sollte uns zumindest den Gedanken erleichtern, dass wir dadurch nicht zu schlechteren Christen werden. Es sind nicht unsere Gedanken, Zweifel und offenen Fragen, die uns vor Gott definieren. Und wir dürfen ehrlich vor Gott sein und ihm klar benennen, was uns gerade zu schaffen macht. (Dabei geht es nicht darum, Zweifel zum letzten Dogma zu machen, wie es in der jüngeren Vergangenheit gerne gemacht wird)

Im nächsten Beitrag wird es dann darum gehen, was für Asaph entscheidend war, um aus seiner Schwermut herauszukommen.

Beitrag teilen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.