Christus allein

Das zehnte Gebot bewahrt uns vor falschen Götzen und lehrt uns Zufriedenheit und Dankbarkeit

Ich habe bereits gezeigt, dass die zehn Gebote unsere Freiheit nicht beschneiden, sondern Wegweiser zur maximalen Freiheit sind. Im Anschluss habe ich erläutert, dass das zehnte Gebot Sünde bei der Wurzel packt und uns zu Christus und dem Evangelium treibt. Heute will ich zwei weitere Segnungen des zehnten Gebotes erläutern.

3. Das zehnte Gebot bewahrt uns vor falschen Götzen

In dem Film „The End of the Tour“ begleitet David Lipsky, ein Journalist vom Rolling Stone Magazine, David Foster Wallace auf einer Promotionstour für sein Buch „Unendlicher Spaß“. Der Film vermittelt einen guten Eindruck von David Foster Wallace und seinem Buch. Foster Wallace zeichnet darin ein sehr gutes Porträt unserer westlichen Welt. Mich hat die erbarmungslose Ehrlichkeit von Foster Wallace beeindruckt. Der Film ist keine leichte Kost (wenn auch immer wieder amüsant), weil man ahnt, dass der Autor mit seiner Analyse den Nagel auf den Kopf trifft. Es gibt ein Zitat von ihm, dass auf den Punkt bringt, wovon unser Leben oft geprägt ist:

„Wir alle beten etwas an. [schreibt Foster Wallace nicht als Christ, sondern um ein religiöses Bild zu verwenden]

  • … Wenn ihr Geld und materielle Güter anbetet, wenn Ihr daraus euren Lebenssinn zieht, dann werdet ihr davon nie genug haben
  • … wenn ihr euren Körper, eure Schönheit und sexuelle Attraktivität anbetet, dann werdet ihr euch immer hässlich fühlen. Und wenn mit der Zeit das Alter seine Spuren hinterlässt, dann sterbt ihr tausend Tode, bis euch die Trauer darüber einholt
  • … wenn ihr Macht anbetet, dann werdet ihr euch schwach und ängstlich fühlen und noch mehr Macht über andere haben müssen, um eure eigene Angst zu betäuben.
  • … Wenn ihr euren Intellekt anbetet und als kluge Menschen gelten möchtet, dann werdet ihr euch als Idioten und Hochstapler fühlen, die jederzeit auffliegen können.“

Am Ende hat mich der Film „The End of the Tour“ traurig gemacht, weil Foster Wallace im Grunde ein Paradebeispiel seiner eigenen Analyse ist. Man spürt, dass er die Sinnlosigkeit des Lebens tief empfindet. Nicht nur, weil er zu Depressionen neigt und sich später das Leben nimmt, sondern weil er hinter die Maskerade unseres Lebens schaut: Wallace zeigt sehr nüchtern, dass wir unvermeidlich zum Getriebenen und Sklaven dessen werden, was wir in den Mittelpunkt unseres Lebens stellen. Das Objekt unserer Begierde (ob Geld, Sex oder Macht) frisst uns auf. Aber er findet keine Antwort darauf.

Und genau hier setzt das zehnte Gebot an.Gott weiß, dass wir unser Vertrauen lieber auf alles Mögliche setzen anstatt auf ihn. Er weiß, dass wir unsere tiefsten Sehnsüchte von Dingen erfüllen lassen wollen, die es uns nicht geben können. Das zehnte Gebot ist ein Schutzschild gegen diese Neigung unseres Herzens. Zusammen mit dem ersten Gebot (das erste und letzte Gebot bilden eine Klammer, die zusammengehört) will das zehnte Gebot unser Begehren in die richtige Richtung lenken. Das „Begehren“ an sich ist nämlich gar nicht das Problem, sondern das Objekt des Begehrens. Unser Herz ist nicht dafür gemacht, von der Schöpfung befriedigt zu werden. Wir sind dafür geschaffen, Gott anzubeten!

4. Das zehnte Gebot lehrt uns Zufriedenheit und Dankbarkeit

Es macht einen himmelweiten Unterschied, ob wir den Schöpfer ins Zentrum unseres Lebens rücken, oder etwas Geschaffenes. Wenn wir Gott als Vater kennen, der für uns sorgt; der uns alles, was wir zum Leben brauchen, geben wird; der uns nur vorenthält, was uns schaden würde; der uns zu unserem Besten zurechtweist und der seine Liebe zu uns mit dem Tod seines Sohnes unter Beweis gestellt hat, dann können wir vertrauensvoll mit Paulus sagen: „…ich habe gelernt, in jeder Lebenslage zufrieden zu sein.“ (Php 4,11 NGÜ) Und das schreibt er aus dem Gefängnis!

Er nimmt die Dinge, die Gott ihm schenkt dankbar an, hängt sein Herz jedoch nicht daran. Stattdessen gebraucht er sie, damit sie dem höchsten Ziel seines Lebens – Gott anzubeten – dienen. Paulus schreibt an Timotheus:

„Den Reichen in dieser Welt gebiete, dass sie nicht stolz seien, auch nicht hoffen auf den unsicheren Reichtum, sondern auf Gott, der uns alles reichlich darbietet, es zu genießen; 18 dass sie Gutes tun, reich werden an guten Werken, gerne geben, zum Teilen bereit sind 19 und sich selbst einen Schatz sammeln als guten Grund für die Zukunft, damit sie das wahre Leben ergreifen.“ (1Tim 6,17-19 NGÜ)

Diese Haltung wirkt sich auf alle Bereiche unseres Lebens aus:

  • Wir genießen unseren Besitz, setzen ihn aber nicht nur für uns, sondern vor allem für andere ein;
  • wir freuen uns an unserer Arbeit, unserer Begabung, unserer Karriere, unserem Ansehen, unserer Gesundheit, aber leben nicht in ständiger Angst, es wieder verlieren zu können;
  • wir sind nicht neidisch auf andere, die schöner aussehen, besser begabt sind und bessere Positionen bekleiden (auch in der Gemeinde!);
  • wir freuen uns über gute Beziehungen und über Sexualität, aber lassen unsere Identität nicht davon bestimmen; unsere Erfüllung liegt nicht in einer romantischen Beziehung oder darin, dass viele Menschen uns mögen, sondern in der Beziehung zu Gott.
  • Das befreit uns, unsere Mitmenschen von Herzen zu lieben und ihnen zu dienen. Wir müssen sie nicht als Mittel für unsere Zwecke zu missbrauchen oder uns von ihnen abhängig zu machen.

Das zehnte Gebot ist ein Segen, weil es uns Zufriedenheit und Dankbarkeit lehrt. Aber dieser Segen ist ganz eng daran geknüpft, dass wir Gott unser Vertrauen schenken. Hier sieht man, dass die Segnungen letztlich alle eng miteinander verknüpft sind und zu der Frage nach unserer Beziehung zu Gott führen. Es geht um die Frage (wie ich es meinen Kindern sagen würde), wer der „Boss“ in meinem Leben ist – ich oder Jesus?

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