Christus allein

Psalm 88: Keine Hoffnung!?

Etwa zwei Drittel der Psalmen enthalten Passagen, in denen der Beter in einer schwierigen Situation steckt. Meistens gibt es ein Happy End oder zumindest einen Ausblick, dass Gott helfen wird. Dem Psalm 88 fehlt eine solche Perspektive. Es ist wohl der düsterste Psalm, was die emotionale Lage des Beters betrifft. Es ist das Gebet, wo der Beter kein Licht am Ende des Tunnels sieht. Aber halt! Ist das wirklich so? Enthält der Psalm keinen Hoffnungsschimmer?

Ich habe am Sonntag in meiner Heimatgemeinde eine gute Auslegungspredigt über diesen Psalm gehört. Der Prediger betonte, dass auch Christen leiden. Er zeigte auf, dass das Thema „Tod“ den Psalm beherrscht und das Ausmaß der Hoffnungslosigkeit andeutet.
Der Höhepunkt der Hoffnungslosigkeit findet sich wohl in den Fragen, die Heman in den Versen 11-13 stellt:

Wirst du an den Toten Wunder tun,
oder werden die Verstorbenen aufstehen und dir danken?
Wird man im Grabe erzählen deine Güte
und deine Treue bei den Toten?
Werden denn deine Wunder in der Finsternis erkannt
oder deine Gerechtigkeit im Lande des Vergessens?

Auch hier bestimmt das Thema „Tod“ den Psalm. Dabei entsteht die große Frage, ob es angesichts des Todes (also der Hoffnungslosigkeit schlechthin) überhaupt noch irgendeine Hoffnung geben kann.

Der Psalm selbst gibt uns (zumindest auf den ersten Blick) keinen Strohhalm, an den wir uns klammern könnten.

Aber als ich während der Predigt den Text las, musste ich daran denken, dass niemand dieses Gebet aus tieferem Herzen beten konnte als Jesus. Als er vor der Kreuzigung stand, betete er „Meine Seele ist betrübt bis an den Tod„. Doch im Gegensatz zu Heman, der dieses Gebet aufschrieb, fühlte er sich nicht nur so, als ob er von Gott „hinunter in die Grube gelegt“ wurde (V7), sondern er starb tatsächlich, ganz verlassen von Gott und Menschen.

Und während wir angesichts des Todes resignierend die Flinte ins Korn werfen müssten, hat er den Tod überwunden. Jesus ist die Antwort auf die Fragen in den Versen 11-13. Mit Blick auf Jesus müssen wir feststellen: Ja, Gott wird Wunder tun an den Toten. Ja, die Verstorbenen werden aufstehen und ihm danken. Jesus hat den Tod überwunden!

Und das ist die gute Nachricht, an der wir uns auch in dunklen Stunden erinnern dürfen: Jeder, der an Jesus glaubt, hat Hoffnung auch in hoffnungsloser Lage. Wir können mit Abraham zusammen auf Hoffnung hin glauben, selbst wenn es keine Hoffnung gibt (Apg 2,18). Wir können mit Heman den Morgen erwarten, an dem die Sonne aufgehen wird (V14b nach der ESV). Gott wird unser Gebet erhören und Erlösung schenken.

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