Christus allein

Der Betrug der Pornografie und wie man ihm begegnen kann

Mit einem jungen Mann las ich gemeinsam kürzlich ein weiteres Kapitel aus „Wann ist ein Mann ein wahrer Mann?“ (siehe hier). Das Kapitel trug die Überschrift: „Pornografie: Hugh Hefner wird alleine sterben.“ Nicht nur in der Aussage über den Tod Hugh Hefners trifft der Autor Byron Forrest Yawn den Nagel auf den Kopf. Hier möchte ich ein paar Zitate aus dem Kapitel anführen, die ich mit eigenen Überschriften versehen habe.

Die Realität

„Die Statistiken zum Thema Pornografie sind unglaublich und doch gleichzeitig nicht so schwer zu glauben. […] Mehr Männer, als ich zugeben möchte, haben in meinem Büro wie kleine Kinder geheult, als sie ihr erbärmliches Geheimnis zugegeben haben.“

Seite 170

Wenn der Mann es seiner Frau bekannt hat…

„In dieser Situation haben Männer die befremdliche Fähigkeit, sich selbst zum Opfer zu machen, um die Sympathie der Ehefrau zu erlangen. Währenddessen ist das wahre Opfer, die Ehefrau, unter der Lawine der Kämpfe ihres Mannes begraben. Dieser totale Fokus auf seinen Kampf mit Pornografie und seiner Neigung zur Masturbation wird bestimmend für diese Ehe. Es endet damit, dass sich alles wieder einmal nur noch um ihn dreht.“

Seite 171

Der Grund für die Probleme mit Pornografie: fehlende Selbstkontrolle

„Sie können mit der schwerwiegenden Verantwortung der Sexualität nicht umgehen, weil sie völlig unvorbereitet dafür sind. Sie reagieren darauf immer noch, als wären sie zwölf Jahre alt. (…) Ich will damit nicht sagen, dass noch komplexere Dinge involviert sind, aber die primäre Ursache ist die Wurzel. Die Lust übermannt sie und ihnen fehlt die Selbstkontrolle, sie abzuwehren.“

Seite 172

Der Betrug der Lust

„Paulus hat das als „betrügerische Begierden“ (Epheser 4,22) identifiziert. Dies ist die beste Beschreibung, die man finden kann. Darum ist Betrug die primäre Quelle dieser Kraft (eigene Anm. Macht von Pornografie). Paulus meint nicht, dass wir lustvolle Betrüger wären (obwohl wir das sind), sondern dass die Lust in ihrer Natur betrügerisch ist. Die Lust ist eine aalglatte Lüge. Sie versichert uns, dass zügellose Genusssucht das ultimative Ziel des Lebens ist. (…) Lust verspricht, dass körperliche Freuden eine tiefe, unvergleichliche und kontinuierliche Befriedigung bringen können. Aber sie liefert jedes Mal etwas anderes – herzzerreißende Unzufriedenheit. Weil sie eine Lügnerin ist. Sie liefert nie, was sie verspricht. Es kommt das genaue Gegenteil heraus. Die Lust ist der Oberbetrüger und Pornografie ihr Meisterstück.“

ebd.

Die Ursache und Wurzel: die Sünde der Selbstsucht

„Das Garn, das die Lust spinnt, ist die eine Lüge, von der unsere sündige Natur vor allen anderen wünscht, dass sie wahr wird. Es berührt eine tiefe Wurzel von Verwirrung und Boshaftigkeit in uns. Wir sind das Zentrum des Universums und unser Vergnügen ist das Höchste. Im Kern sind wir Götzendiener, die sich selbst huldigen, und alle unsere Sünden sind ein Symptom, nicht die Wurzel. Wir tun diese Dinge nicht, weil wir Opfer einer unsichtbaren Macht sind, die gegen und kämpft, sondern weil wir sie tun wollen. Schlussendlich jedoch ist Sünde Wahnsinn und es gibt keine gute Erklärung.“

Seite 174f (Hervorhebung von mir)

Wie können wir helfen?

„Meistens wissen wir nicht, wie wir helfen können. Die Gemeinde – obwohl sie Antworten zu geben versucht – müht sich ab, richtig damit umzugehen. […] Viele sehnen sich in die Zeit zurück, da niemand davon sprach und die Leute damit zufrieden waren, in Ruhe zu leiden. Ironischerweise ist das einer der Gründe, warum wir uns nun hier befinden. Aber wenn ein achtbarer, respektierter Mann, den niemand verdächtigt, aus Verzweiflung hervortritt und einen jahrzehntelangen Kampf gesteht, wird die Naivität in unserer Geisteshaltung erschüttert. […] Unsere spontane Standard-Reaktion ist dann die, ein Seil der Moral zu ihm zu werfen und ihn zu ermutigen, sich selbst daran aufzuhelfen. „Zieh dich selbst heraus!“, rufen wir von oben. Wir denken, das würde helfen. […] Wir bieten zum Beispiel eine Rechenschaftspflicht an (in Gruppen, per Software usw.). Es ist hilfreich und generell nützlich, denn es ist ein normaler Teil im Gemeindeleben; aber es ist nicht die alleinige Lösung. Wenn ein Mann bereit ist, sein eigenes Gewissen zu belügen, belügt er auch jene, die er liebt und respektiert. Ehefrau. Pastor. Familie. Freunde. Übrigens, die Enttäuschung der anderen als Motivation zur Veränderung darzubieten, ist nur ein zusätzlicher Zwang.“

Seite 176 (Hervorhebung von mir)

Die biblische Antwort

„Das Evangelium nimmt die Last der Selbsthilfe von den Opfern, die wir ihnen unabsichtlich auferlegt haben. […] Es erscheint uns töricht (wie Paulus es sagt) und geradezu gegen unsere Liebe zu mir Selbsterrettung gerichtet, aber dieser Mann muss daran erinnert werden, dass er von Gott angenommen ist wegen des vollendeten Werkes von Jesus Christus. Dass er aufhören kann, nach Perfektion zu streben, und anfangen kann, in Christi Perfektion zu ruhen. Gott hat ihm bereits sein Versagen vergeben, kein perfektes menschliches Wesen, kein idealer Mann und unbefleckter Ehemann zu sein. Die Gnade Gottes wird ihm helfen, die Ursache von der Wurzel her zu bereuen und nicht bloß die Symptome. Unser Retter kletterte das Seil hinunter und kam in unsere Hoffnungslosigkeit hinein. Er opferte sich selbst für uns, unseren Götzendienst ständig im Blick. Er weinte wegen dessen Tyrannei über uns. Er starb, um uns von der Gebundenheit zu befreien. Das Kreuz ist die Lösung. Es lehnt unmissverständlich jede Hilfe ab, die wir anbieten, um unsere Stellung vor Gott zu verbessern, die nicht verbessert oder verschlechtert werden kann. Er ist gerecht. Es sei denn „Christus [ist] vergeblich gestorben“ (Galater 2,21). Gleichzeitig erinnert es uns daran, dass unser Problem nicht verhaltensbezogen ist oder umständehalber auftritt, sondern aus dem Inneren kommt. Wir benötigen eine göttliche Lösung und keine oberflächliche. 

Seite 176 f (Hervorhebung in fett von mir, in unterstrichen vom Autor)

Über den Zusammenhang von Pornografie und Stolz hat auch Sergej Pauli kürzlich hier nachgedacht.

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2 Kommentare

  1. Interessanterweise geht Mario Brocallo in seinem Ebook zur Misogynie speziell auf religiöse Menschen ein, die Pornographie konsumieren. Er vermutet eine Abneigung gegen Frauen, die viele religiöse Männer aufgrund eines Vatermangels (siehe auch Victoria Rationi – „Religionsparadox“) und einer „Übermütterung“ haben könnten – find ich auch interessant ..

    Reinhard

    1. Hallo Reinhard,

      danke für deinen Kommentar.
      Ich hatte bis zu deinem Kommentar den Begriff Misogynie noch nie gehört, habe dann aber ein wenig in die Ebooks von Brocallo geschaut. Dabei ist mir aufgefallen: Brocallo führt zehn Gründe für Pornosucht an, darunter wird Misogynie als ein Grund genannt und diese liegt nicht zwingend vor bei PS. Insgesamt hört sich das sehr nach Freud an. Da ich in der Psychologie nicht bewandert bin, in welcher Brocallo ausgebildet wurde, kann ich zu dem von dir aufgezeigten Zusammenhang nicht viel sagen.
      Aber ich möchte noch ergänzen: der Konsum von Pornographie ist nicht nur unter religiösen Menschen verbreitet. Allerdings meine ich hier wesentliche Unterschiede ausmachen zu können. Unter Christen wird Pornographie grundsätzlich als ein Problem, als Sünde angesehen, während es unter Nichtchristen bis zu einem gewissen Grad als unproblematisch und normal („Das macht halt jeder“) angesehen wird. Zum Problem wird es wahrscheinlich nur, wenn eine Pornographie-Sucht besteht.
      Doch ein noch entscheidenderer Unterschied liegt im Umgang mit dem Problem, im Lösungsansatz. Bei Brocallo findet man einen Ratgeber „Drei Schritte aus der PS“, den er als Selbsthilfe deklariert. Aus der christlichen Weltsicht würde man aber sagen, dass Pornographie ein so großes Problem (besser gesagt: es ist Sünde!) ist, dass wir uns selber nicht mehr helfen können. Aber dafür verweisen wir auf eine „Hilfe von außen“, auf den Ausweg, der uns im Evangelium gezeigt wird: Gottes Lösung im Kreuz Christi (vgl. den letzten Abschnitt in meinem Artikel: „Die biblische Antwort“).
      Übrigens geht Byron Yawn auch auf das Problem des „Vatermangels“ und dem Umgang damit ein. Ich kann das Buch nur empfehlen!
      Liebe Grüße
      Viktor

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