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Mann und Frau

Die Frau aber erweise dem Mann Ehrfurcht

Der folgende Artikel stammt von Tim Challies (Original), den ich hier mit freundlicher Genehmigung auf Deutsch wiedergebe. Auswahl und Übersetzung verdanke ich meiner Frau.

Die Bearbeitung des vorliegenden Artikels hat mir nicht gerade wenig Unbehagen bereitet. In der Vergangenheit habe ich bereits häufiger recht selbstsicher über die Rolle des Mannes innerhalb der Ehe geschrieben, insbesondere über die prägnante und perfekt zusammengefasste Bibelstelle aus Epheser 5,33: „Doch auch ihr — jeder von euch liebe seine Frau so wie sich selbst“ (Übers.: Schlachter 2000). Aber als ich zuletzt darüber schrieb, antwortete mir eine Frau mit der Bitte: „Ich habe bereits viele weibliche Sichtweisen auf die zweite Hälfte dieses Verses gelesen, aber noch nie eine männliche. Könntest du deine Sichtweise auf diesen Teil mitteilen: ‚die Frau aber erweise dem Mann Ehrfurcht!‘?“ Ich entschied mich, diese Herausforderung anzunehmen.

Zunächst jedoch einige Gedanken zu Ehrfurcht (oder: Respekt). Die Bibel ist klar in der Hinsicht, dass Gott ein Modell für Führung und Unterordnung innerhalb des Heimes eingesetzt hat – der Ehemann soll die Führung übernehmen und die Frau sollte bereit sein, sich seiner Führung zu unterordnen. Der „Respekt“, dem wir in den vorliegenden Versen begegnen, ist ein Respekt, der einer Person entgegengebracht wird, die in einer Autoritätsposition steht. Es ist ein Respekt, den wir dem anderen schulden, der nicht verdient werden muss und der unweigerlich mit dem Modell des Führens und Folgens verbunden ist. Wir haben im Englischen wahrscheinlich kein exaktes Äquivalent, deshalb gibt es hier unterschiedliche Übersetzungen: „Furcht“, „Ehrfurcht“, „Respekt.“ Daher soll ein Bürger seinen Präsidenten fürchten (oder ehren oder respektieren), ein Gemeindemitglied seinen Pastor ehren (oder fürchten oder respektieren) und eine Ehefrau ihren Ehemann respektieren (oder fürchten oder ehren). Wo auf der einen Seite Autorität ist, gilt auf der anderen Respekt.

Insofern es die Ehe betrifft, ist diese Art von Respekt nicht lediglich eine bewundernde Antwort der Ehefrau auf die Fähigkeiten und Leistungen ihres Mannes. Es ist nicht einfach ihre positive Reaktion auf die guten Dinge, die er tut, oder die unterschiedlichen Arten, mit denen er ihr Freude macht. Es geht nicht einfach nur darum Entscheidungen mitzutragen, die er im Namen der Familie trifft. Eher ist es ein Mittel, durch das sie proaktiv ihrer Rolle innerhalb der Ehedynamik entspricht. Es ist ihre Antwort auf ihr Verständnis über ihre Gott-gegebene Rolle im Verhältnis zu der ihres Mannes. Wie P.T. O´Brien dazu meint: „Ihre Antwort ist die Antwort einer freien und verantwortlichen Person. Sie ist weder abhängig von ihrem Ehemann, noch wird sie aufgrund seiner Verdienste oder Leistungen gegeben. Ihre Reaktion spiegelt sich nicht nur in dem wider, was sie tut, sondern auch in ihrer Einstellung.“

Mit dieser wesentlichen Unterscheidung im Hinterkopf, erlaube mir einige Möglichkeiten zu empfehlen, durch die eine Frau ihrem Mann diesen Respekt zeigen kann.

Respektiere seine Führung. In der Familie sind Männer dazu berufen, ihre Frauen zu führen und ihre Frauen sind dazu berufen, gerne, freudig zu folgen. Gemeint ist nicht eine passive oder gedankenlose Art des Folgens, sondern ein aktives und engagiertes Folgen, das sich einbringt, Rückmeldung gibt und ermutigt. Du kannst deinem Mann dienen, indem du die Tatsache akzeptierst, dass Gott ihn zum Leiter deines Heims berufen hat. Du kannst ihm auch dienen, indem du seine Art zu führen respektierst. Jede leitende Persönlichkeit trifft von Zeit zu Zeit schlechte Entscheidungen und dein Ehemann wird davon keine Ausnahme sein. Manchmal wird er völlig dumme Schritte machen, oder schlimmer noch, selbstsüchtige. Er wird manchmal so führen, dass es schwierig ist zu folgen. Lass mich dir versichern, dass dein Ehemann die Schwere dieser Verantwortung spürt, dass er sich unzureichend für diese Aufgabe fühlt, dass er seine Fehler bedauert und dass er sich nach deiner Anteilnahme und Bestätigung sehnt. Ermutige ihn darin, seine Aufgabe als Leiter wahrzunehmen, und ermutige ihn, wenn er sie erfüllt.

Respektiere seine Männlichkeit. Ein Teil unserer sündigen menschlichen Natur ist das Verlangen danach, dass andere Menschen so sind wie wir. Schließlich haben wir eine tiefe Selbstliebe und sind überzeugt, dass andere wesentlich liebenswerter wären, wenn sie mehr Ähnlichkeit mit uns hätten. Angewandt auf die Ehe kann dies einen Ehemann dazu veranlassen, sich zu wünschen, dass seine Frau sich im Wesentlichen männlich verhält und eine Frau es ihrem Mann verübelt, wenn dieser sich nicht auf weibliche Weise verhält. Wir haben Schwierigkeiten damit, die gott-gewollten Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu respektieren, uns daran zu erfreuen und diese zu zelebrieren. Ein Weg, auf dem du deinen Ehemann respektieren kannst, ist, seine Männlichkeit zu respektieren, die besonderen Merkmale seiner Männlichkeit anzunehmen und sie ihm nicht zu missgönnen. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass er auf die Art und Weise und vielleicht in dem Umfang kommuniziert, wie du und deine weiblichen Freunde dies tun. Er wird wahrscheinlich eher sexuelle Intimität erleben wollen, um zwischenmenschliche Nähe zu fühlen, anstatt beziehungsorientierte Nähe zu pflegen, um sexuelle Intimität zu genießen. Er wird wahrscheinlich schnell aktiv werden, um die Probleme zu lösen, auf die du triffst. Dies sind Merkmale von Männlichkeit, die eher gefeiert, als übelgenommen werden sollten.

Respektiere seine Bestimmung. In den meisten Fällen wird der Ehemann die Rolle des Versorgers einnehmen. In jedem Fall ist er es, der in erster Linie die Verantwortung vor Gott trägt, dass die Bedürfnisse der Familie erfüllt werden (siehe 1.Tim. 5,8; 2.Thess. 3,10). Es ist verlockend, die traditionellen Rollenbilder, die Mann und Frau zugeordnet sind, miteinander zu vergleichen und zu konstatieren, welches bedeutender oder mühsamer ist. So ein Vergleich bringt wenig Gutes hervor. Es ist weitaus besser sich gegenseitig zu loben und zu ehren dafür, dass man die Rolle, in die man eingewilligt hat, treu ausführt. Eine Möglichkeit, deinen Mann zu respektieren, ist, seine Fürsorge zu respektieren, Dankbarkeit auszudrücken dafür, dass er sich sorgt, und Bewunderung für die Art und Weise, wie er sie erfüllt. Es ist leicht, ihm die vielen Stunden, die er seiner Berufung widmet, und die Energie, die er dafür aufwendet, zu verübeln. Es ist jedoch besser dankbar zu sein und ihn darin zu ermutigen, den Einsatz seiner Gaben und Talente im Dienst an anderen zu optimieren. Hast du deinem Ehemann für seine Fürsorge schon einmal gedankt? Es wird ihm viel bedeuten, wenn du dies tust.

Respektiere sein Ansehen. Die Frau aus Sprüche 31 dient als Beispiel für jede Frau oder Mutter. Ihr Einsatz, ihre Kreativität, ihr Fleiß und ihre reine Gottesfurcht sind bewundernswert nicht nur, weil sie ihr einen guten Ruf eingebracht, sondern auch, weil sie zum guten Ruf ihres Mannes beigetragen haben. „Ihr Mann ist wohlbekannt in den Toren, wenn er unter den Ältesten des Landes sitzt.“ (Sprüche 31, 23) Kein Wunder also, dass er sie mit den Worten lobt: „Viele Töchter haben sich als tugendhaft erwiesen, du aber übertriffst sie alle!“ (29) Der gute Ruf ihres Mannes war untrennbar mit der Vortrefflichkeit seiner Frau verbunden. Du kannst deinen Ehemann respektieren, indem du sein Ansehen respektierst und steigerst. Um dies tun zu können, wirst du dich dazu verpflichten müssen, positiv über ihn zu sprechen, anstatt schlecht von ihm zu reden. Du solltest stolz über seine Leistungen sprechen, anstatt über seine Fehler zu murren. Den Ruf deines Mannes zu respektieren bedeutet, zu respektieren, wer und was er ist.

Respektiere seine Kindererziehung. Viele Frauen sind überrascht und beunruhigt über die Beziehung ihrer Ehemänner zu ihren Kindern. Doch es ist wichtig zu verstehen, dass ein Vater keine Mutter sein wird. Dazu ist er auch nicht bestimmt. Der Grund, warum ein Kind unter der Obhut beider, von Vater und Mutter, gedeiht, ist nicht nur, dass es zweifach im Auge behalten wird, sondern, dass es Disziplin und Unterweisung sowohl in mütterlicher als auch in väterlicher Form erlebt. Ein Kind kommt am besten mit eindeutig weiblicher Liebe einer Mutter und der eindeutig männlichen Liebe eines Vaters zurecht. Du kannst deinen Mann respektieren, indem du die Andersartigkeit, wie er mit den Kindern als Vater und nicht als zweite Mutter umgeht, respektierst.

Respektiere seine Leistungen. Wenige Männer gehen mit einem selbstbewussten Gefühl für ihre Leistung durchs Leben. So viel von dem, was wir tun, scheint vergänglich und unwichtig, insbesondere wenn wir innehalten, um uns mit anderen zu vergleichen. Eine weitere Möglichkeit deinen Mann zu respektieren, ist, seine Leistungen zu respektieren, stolz darauf zu sein, was er geschafft hat, und seine Bemühungen zu bestätigen. Die Unsicherheit im Herzen von annähernd allen Männern darfst du nicht unterschätzen. In der Tat kann man davon ausgehen, dass sein (über-)männliches Verhalten zumindest teilweise einen Ausgleich für sein mangelndes Selbstvertrauen darstellt. Ich versichere dir, dass Männer ein „gut gemacht“ hören wollen. Wir wollen es von Eltern und Mentoren, Autoritätspersonen und anderen Menschen hören, die wir lieben und respektieren. Wir könnten jedoch auf all das verzichten, wenn wir es nur von unseren Frauen hören würden. Dein Mann sehnt sich nach deiner Bestätigung. Er möchte, dass du dich an seinen Leistungen erfreust, dass du ihn in seinen Misserfolgen tröstest, dass du dich mit ihm über seine Erfolge freust. Keine Anerkennung ist ihm wichtiger als deine.

Auf diese Weise und viele weitere kannst du diese proaktive Rolle übernehmen, deinen Mann zu respektieren. Ich kann mich gut mit dem identifizieren, wie Bryan Chapell darüber in Bezug auf seine Ehe spricht: „Es gab Momente in meinem Leben, in denen ich das Gefühl hatte, dass das einzig Bedeutsame, dass ich als mein Eigen bezeichnen konnte, die Liebe und der Respekt meiner Frau waren.“ Das war vielleicht nicht viel, aber es war genug. Er hätte in den Augen anderer in Verruf geraten können, wenn er nur den Respekt seiner Frau gehabt hätte. Er könnte die Verachtung aller anderen ertragen, wenn er die Liebe und den Respekt seiner Braut innegehabt hätte. Ich vermute, dass Ihr Mann genauso ist.

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