David Platt über Mission und Jüngerschaft

David Platt ist amerikanischer Pastor und zurzeit der Präsident des International Mission Board der Südlichen Baptisten. Wenn man David Platt zuhört, merkt man schnell, dass er genau der richtige Mann für diesen Posten ist:

Platts authentischer Missionsdrang zeigt sich auch in den Büchern, die er schreibt: Zu seinen Titeln gehören unter anderem What Did Jesus Really Mean When He Said Follow Me? und Radical: Thinking Back Your Faith from the American Dream. Vor einigen Jahren habe ich eine Predigt von Platt zusammengefasst, die er auf einer TGC-Konferenz gehalten hat. In dieser Predigt ruft Platt leidenschaftliche dazu auf, Jünger zu machen. Hier seine zwölf Aufrufe:

  1. Lasst uns Leute aufrufen, alles für die Herrlichkeit Christi zu geben
  2. Lasst uns Leute zu einer demütigen Abhängigkeit von der Gnade Jesu aufrufen
  3. Lasst uns Leute zu einem dringendem Gehorsam der Mission Christi gegenüber aufrufen
  4. Lasst uns Leute zu einem zuversichtlichen Vertrauen in die Autorität Christi aufrufen
  5. Lasst uns gewöhnliche Jünger aussenden, damit sie Außergewöhnliches im Reich Christi vollbringen
  6. Lasst uns Leiden von Gott annehmen, der es befiehlt, damit der große Auftrag ausgeführt wird
  7. Lasst uns in die Verlorenheit eindringen, indem wir das Evangelium bewusst nach außen verkündigen
  8. Lasst uns geistlichen Nöten hinterhergehen, während wir auch physische Not lindern
  9. Lasst uns Gottes Herrlichkeit mehr als unser Leben lieben
  10. Lasst uns in der Abhängigkeit vom Heiligen Geist fasten und beten
  11. Last uns darauf vertrauen, dass Jüngerschaft zur Multiplikation von Gemeinden führt
  12. Lasst uns ein Vermächtnis von gemachten Jüngern und vermehrten Gemeinden zurücklassen

Hier geht es zur vollständigen Mitschrift. David Platt wird übrigens auf der nächsten Evangelium21-Konfernz sprechen, zu der man sicher hier anmelden kann.

Alex Reindl: Jünger-Machen als Lebensstil

Die Predigt „Jünger-Machen als Lebensstil“ wurde am 14. Februar 2016 in der Baptistengemeinde Innsbruck von Alex Reindl gehalten und steht hier als Audio zur Verfügung. Textgrundlage ist Matthäus 28, 16-20. Hier meine Mitschrift:

Die elf Jünger aber gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie bestellt hatte. Und als sie ihn sahen, warfen sie sich anbetend vor ihm nieder; etliche aber zweifelten. Und Jesus trat herzu, redete mit ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden. So geht nun hin und macht zu Jüngern alle Völker, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie alles halten, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Weltzeit! Amen.

Was ist der Hintergrund dieser Stelle/Situation? Wie fühlen sich die Beteiligten?

Die Jünger kommen aus der Erfahrung des Leidens, Sterbens und der Auferstehung ihres Herren. Daraus resultieren zwei Reaktionen: Zweifel und Anbetung. Diese Tatsache hat sich bis heute nicht geändert – in Anbetracht des Auferstandenen werden die Menschen entweder anbeten oder zweifeln. Jesus lässt die Zweifler aber nicht in ihrem Zweifel zurück. Und in diese spannungsgeladene Situation gibt Jesus den Jüngern seine Vision für das nun folgende Leben (ohne seine leibliche Anwesenheit) mit. Drei Aufforderungen, die uns heute genauso gelten.

Jesus gibt drei Aufforderungen, um seine Vision zu leben

1. Seine Autorität kennen

  • V. 18: Mir ist gegeben alle Macht (besser: Autorität)
  • Autorität: Fähigkeit und Recht, etwas zu tun
  • Z. B. Lehrer, Polizei, Eltern. etc.
  • Jesus: Alle Autorität (Jedes Recht und jede Fähigkeit)
  • umfasst Krankheit, Leben und Tod, übernatürliches, Sündenvergebung, etc.
  • Philiper 2: Jedes Knie wird sich vor ihm beugen
  • Autorität über dein und mein Leben
  • großer Kontrast zur Gruppe vor ihm (und zu uns)
  • Jesus antwortet den Zweiflern
  • Der Grund warum Jesus Menschen beauftragt, ist nicht deren Stärke, Treue, das Gute – Jesus selbst ist der Grund
  • Weil er souverän ist
  • Nur wegen dieser Autorität von Jesus können wir überhaupt missionieren!

2. Seinem Auftrag gehorchen

  • Macht Jünger ist das Hauptwort in diesem Abschnitt
  • Gehen ist nicht separat gemeint, sondern unterstreicht das „machen“
  • Was genau sollen wir tun? (Das „Was“ des Auftrages)
    • Jünger machen (ein Wort im Grundtext)
    • Ein Jünger wurde mit seinem Lehrer in Verbindung gebracht
    • Dieser war einerseits Ausbilder (Lehrer) und andererseits Vorbild
    • Für Christen ist das Jesus
    • Jesus lehrt nicht nur, er gibt sein Leben für seine Jünger
    • Ein Jünger Jesu ist der, der mit ganzem Herzen das tut, was Jesus von ihm will und ganz an ihm hängt
    • Jede Gemeinde ist dann eine Gemeinde im Sinne Gottes, wenn die Menschen an Jesus kleben und deswegen eine Gemeinschaft bilden
    • Es geht nie darum, Menschen in meine Nachfolge zu rufen, sondern Menschen sollen zu Jüngern von Jesus gemacht werden
    • Welche ethnische Menschengruppe erscheint dir am verrücktesten zu sein? – Jesus will Jünger aus dieser Gruppe haben!
    • Weckt das Anbetung in dir?
    • Das Was ist: Jünger machen von Jesus aus allen Völkergruppen
  • Wie sollen wir es tun? (Das „Wie“ des Auftrages)
    • taufend: Hineintaufen in ein Familienverhältnis
    • in die Beziehung zwischen Vater, Sohn und heiligem Geist bringen
    • In diese Familie kommt man nur durch Adoption
    • Jesus starb, damit ich in diese Familie kommen kann
    • Die Taufe symbolisiert genau das
    • Die Taufe ist das Symbol für das Eingeständnis, dass ich kein Recht habe, zu dieser Familie zu gehören
    • Meine Schuld machen mich unwürdig für diese Familie
    • Mit der Taufe gestehe ich ein, dass nur durch Jesu Verzicht, Tod und Auferstehung ich in diese Familie kommen kann
    • der erste Schritt des Jünger-machens ist: Menschen in die Familie Gottes rufen
    • die Taufe veranschaulicht diesen Schritt
    • lehrend: Da geht es um das weitere Leben des neuen Kindes
    • Wie soll es jetzt in der Familie leben?
    • Man soll die Menschen lehren, Jesus zu gehorchen
    • In der Taufe bekennt der Mensch, dass Jesus der Retter ist. Im Lehren, dass Jesus sein König/Herr ist
    • Heiligung ist ein notwendiger Teil des christlichen Lebens
    • Keine Trennung zwischen Rettung und Heiligung
    • Es gilt Jesus, in allem zu gehorchen
    • Es ist ein Prozess: Ich lerne von Jesus und gebe weiter, was er sagt: Deswegen steht die Bibel im Mittelpunkt
    • Darum ist auch die Mission immer etwas, wo die Bibel im Mittelpunkt steht
    • Es gibt nur eine Organisation, die Jesus predigt – die Kirche
    • Deshalb muss in dieser Institution die Priorität die Priorität sein
    • Das Bibel lesen soll die persönlichen Lebensweise prägen

3. Seiner Gegenwart vertrauen

  • Jesus beauftragt nicht nur, er ist mit dabei!
  • Weil er Gott ist! (Nur deshalb kann er das sagen)
  • Die Klammer des Evangeliums ist: Gott mit uns! (Immanuel)
  • Das Evangelium bringt Rettung. Aber wozu werden sie gerettet? – Zur Gemeinschaft mit Gott
  • Dieser Auftrag führt zur Ablehnung – Menschen wollen das nicht hören
  • Dieser Auftrag ist kein Zucker-Schlecken; aber Jesus weiß das, und er ist bei uns
  • Wir sollen in Jesus, durch Jesus und mit Jesus Menschen zu seinen Jüngern machen

Was machen wir jetzt damit?

  • kein Mangel an Information, sondern ein Mangel im Herzen
  • Wie können wir in diesem Bereich wachsen?
  • Falsch: Jetzt aber ganz neu, kommende Woche, jetzt aber! Los jetzt!
    • Die Schulter wird blau (vom auf die Schulter klopfen), aber das Herz bleibt unberührt
    • Wir brauchen innere Erweckung
    • Eigene Vorsätze alleine bringen wenig
  • Richtig: Schau auf Jesus
    • Der Missionsauftrag ist eingebettet in Jesus (Beginnend mit seiner Autorität – Endend mit seiner Gegenwart)
    • Streck dich nach Jesus auf; Leg dein Ohr auf die Bibel und hör, wie Jesus ist
    • Dann wird Jünger-machen tatsächlich zum Lebensstil!

Was Albert Mohler seinem 20-jährigem Selbst sagen würde

In christlichen Kreisen wird manchmal davor gewarnt, Prediger zu (stark zu) verehren – wir folgen schließlich Christus und nicht seinen fehlbaren Dienern. Diese Warnung ist durchaus berechtigt. Im Dezember des letzten Jahres wurde Albert Mohler in einer „Ask Anything“-Fragestunde die Frage gestellt, was er seinem 20-jährigen Selbst sagen würde. Hier seine – gerade in diesem Zusammenhang – äußerst interessante Antwort (grob übersetzt):

Ich habe kürzlich zu einigen Studenten gesprochen und ich habe ihnen gesagt: Wisst ihr, ihr braucht eine Liste mit Predigern, die ihr live hören wollt. Jetzt! Es gibt da nämlich Prediger, bei denen ich mir wünsche, dass ich sie mit 18, 19, 20, oder in meinen 20ern gehört hätte. Ich habe gedacht: Das kann ich nicht machen, das ist 500 Meilen weit weg. Nun, da würde ich einfach sagen – wie ich das bei diesen Studenten getan habe –, wisst ihr, Leute, ihr solltet euch ins Auto setzen (und den Weg auf euch nehmen) um diesen Prediger zu hören. Fahrt da für einen Sonntagmorgen hin und bleibt dort – und wisst ihr: meine Vermutung ist, dass ihr vielleicht sogar eine Unterhaltung mit ihm haben könnt, wenn ihr es ihn im Voraus wissen lasst, dass ihr kommt. Das kann von unschätzbarem Wert sein. Ich schaue zurück auf Martyn Lloyd-Jones, den ich wirklich sehr hoch schätze, den ich aber niemals live gehört habe. Ich wünschte, dass ich das getan hätte. Ich wünschte, dass ich damals – als junger Mensch – gedacht hätte, dass ich dort hingehen sollte wo er ist, um ihn zu hören.

Die anstehende Evangelium21-Konferenz bietet eine ausgezeichnete Möglichkeit, diesem Rat zu folgen: Mark Dever, Albert Mohler, David Platt und Ligon Duncan werden zum 500. Jahrestag der Reformation sprechen. Falls diese Brüder auf deiner Liste stehen: nach Hamburg zu reisen ist deutlich einfacher als für einen Gottesdienst nach Amerika zu fliegen.

Hier kann man sich zur Konferenz anmelden.

Und dennoch bleibe ich stets bei dir…

Wenn man mit Gläubigen über die Zuversicht in Christus, die Heilssichherheit und die tröstende Tatsache, das nichts und niemand uns aus Gottes Hand reißen kann, spricht, hört man oft folgende Aussage: „Ja, Christus wird uns durchtragen -> wenn wir uns an ihm festhalten!“ – so oder so ähnlich hört man es dann.

Ich will die Tatsache, dass der Gläubige in der Schrift sehr klar zum Bleiben (=Ausharren) aufgefordert wird (z.B. Kol. 1,23), nicht abschwächen – doch auf welcher Basis geschieht dieses Ausharren? Bei der oben erwähnten Aussage wird impliziert, dass Jesus von unserem Durchhaltevermögen abhängig wäre. Es ist fast so, als ob man Christus nicht zutraut, uns vollständig zu erretten, sondern wir – und wenn es das berühmte eine Prozent ist – etwas dazu beitragen müssen und man Angst davor hat, diese Zuversicht in Christus auszusprechen – und noch schwerwiegender: Darin zu ruhen und sich in Christus vollständig geborgen wissen. Natürlich würden sie es so nie audrücken, doch sagen sie im Umkehrschluss genau das.

Auf unserem Weg mit Jesus, dem großen Hirten, ist es nun mal oft so, dass wir seine Wege nicht immer verstehen und als sündige Menschen immer wieder daran zweifeln, dass alles was uns begegnet und wie er uns führt, wirklich allein „Güte und Gnade“ ist, wie es David in Psalm 23,6 beschreibt. Ich glaube dass hierin letzlich der Grund für unsere Zweifel, unsere Ängste und auch unsere sündige Taten liegen: Wir glauben nicht, dass Jesus uns auf Wegen reiner Güte und Gnade führt und wir in ihm alles haben was wir brauchen – stattdessen glauben wir, dass es „neben diesem Weg“ etwas gibt, was er uns vorenthalten würde.

In so eine Situation können wir auch den Psalm 73 einordnen: Asaph, der daran zweifelt, dass Gott es gut mit ihm meint, als er das (vermeintliche) Wohlergehen der Gottlosen sieht und sich fragt, ob es sich überhaupt lohnt, sein Leben Gott zu unterstellen. Seine Gedankenspiele darüber treiben ihn dahin, das er „fast gestrauchelt wäre“ (Vers 2) – bis Gott ihm deutlich macht, was das Ende des Gottlosen ist (V. 18-20). Und jetzt könnte man meinen, dass Asaph sich nun zusammenreißt und sich sagt: „Gut, dann halte ich mich eben weiter an Gott fest, es lohnt sich ja doch -> auch wenn es nicht so einfach ist, bleibe ich dennoch bei dir! Doch es ist erstaunlich – und einfach herrlich – wie Asaph rückblickend seine Situation beschreibt:

Als mein Herz verbittert war und ich in meinen Nieren das Stechen fühlte, da war ich töricht und verstand nichts; ich verhielt mich wie ein Vieh gegen dich.
Und dennoch bleibe ich stets bei dir; du hältst mich bei meiner rechten Hand.
Du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich danach in Herrlichkeit auf!
Asaph stellt hier zwei Dinge fest – und diese zwei Tatsachen haben für den neutestamentlichen Gläubigen nichts an Gültigkeit verloren:
1) Auch der Gläubige widerstrebt Gott immer wieder.
Aasph ordnet rückblickend sein Verhalten als ein widerspenstiges Verhalten Gott gegenüber ein. Wie ich schon am Anfang sagte, wir sind immer noch sündige Menschen und als solche zweifeln wir immer wieder an Gott und widerstreben ihm. Asaph wird in seiner Beschreibung sehr drastisch, er sagt, dass er sich wie ein Vieh (das unverständig und ungezähmt ist) verhalten hat.
Immer wieder widerstreben wir Gott durch unsere Zweifel (wenn z.B. ein geliebter Mensch schwer krank wird oder stirbt) oder wie Asaph, wenn wir uns fragen, ob es sich überhaupt lohnt mit Gott zu leben oder indem wir unseren „Lieblingssünden“ fröhnen – jeder wird in seinem Leben Bereiche finden, indem er rückblickend genau wie Asaph sagen muss, dass er sich Gott gegenüber wie ein Tier verhalten hat. Wir halten uns längst nicht immer an Gott fest, sondern widerstreben ihm. Doch Asaph bleibt hier nicht stehen, sondern tröstet uns mit einer zweiten Tatsache:
2) Der Gläubige wird „dennoch“ von Gott gehalten.
Asaph gibt hier der bewahrenden Gnade Gottes ein wunderbares Zeugnis. Der Grund dafür, dass er stets bei Gott bleibt, liegt eben nicht darin, dass er sich so kramphaft festhält, weil er eben so stark und treu ist (wie wir gesehen haben ist das Gegenteil der Fall), sondern das Bleiben in Gott resultiert daher, dass Gott ihn bei seiner „rechten Hand“ (eine Beschreibung, dass Gott den Menschen vollständig umklammert hat) hält – und all sein dummes verbittertes, törichtes und sündiges Handeln macht das nicht rückgängig, sondern Gott leitet ihn nach seinem Rat, um ihn danach bei sich in der Herrlichkeit aufzunehmen.
Und dieses ist wirklich eine herrliche und befreiende und auch anspornende Tatsache, denn wenn wir den Psalm dann zu Ende lesen, sehen wir, wie Aspah auf dieser Grundlage sagen kann, dass er nichts außer Gott begehrt und Gott sein Glück ist, dessen Nähe er sucht und dessen Werke er verkünden will -> weil dieser Gott eben ewiglich seines Herzens Fels und Teil bleibt. Wer das begriffen hat, der kann auch all die verwirrenden Umstände richtig einordnen und den Versuchungen zur Sünde widerstehen.
Und das macht eine ganz andere Qualität von Nachfolge möglich, nämlich keine Nachfolge mehr, in der wir den Blick auf uns gerichtet haben und uns selbst Druck machen, sondern eine Nachfolge, in der wir den Blick allein auf Gott gerichtet haben und ihn mit einem befreiten Herzen durch unser Leben ehren.
Jesus, der Hirte und Hüter unserer Seele (1. Petr. 2,25), derjenigen, dem alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben ist (Math. 28,19), dessen Hand für uns durchbohrt wurde, hat es in Johannes 10,28.29 selbst so wunderbar gesagt:
und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie werden in Ewigkeit nicht verlorengehen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. Mein Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer als alle, und niemand kann sie aus der Hand meines Vaters reißen.
Auf dieser Basis wird unser Ausharren erst ermöglicht -> wir bleiben, weil er uns selbst bei sich hält!
Karl Bernhard Garve hat in einem seiner Lieder (welches mein absolutes Lieblingslied ist) diese herrliche Zuversicht – ich bin geneigt zu sagen, dass es in keinem Lied besser beschrieben wurde, aber dazu müsste ich alle Lieder kennen 😉 – so unglaublich wunderbar beschrieben:

R. C. Sproul: Bibelstudium für Einsteiger

Zusammenfassung des Buches

Das Buch „Bibelstudium für Einsteiger“ wurde von R. C. Sproul verfasst, um die grundlegende Bedeutung des Schriftstudiums für jeden Christen aufzuzeigen. Im ersten Kapitel geht es um die fundamentale Frage, warum die Bibel studiert werden sollte. Sproul benennt zunächst Dinge, die vom Bibelstudium abhalten, während er dann in einem weiteren Schritt zeigt, was für ein genaues Studium der Schrift spricht. Im zweiten Kapitel argumentiert der Autor, warum die Bibel persönlich studiert werden sollte; dabei benennt er aber auch die Gefahr des Subjektivismus, die bei einer zu starken Betonung des persönlichen Auslegens im Raum steht. Im dritten Kapitel wird der Begriff Hermeneutik erklärt: Hierbei geht es um Regeln und Richtlinien zur Auslegung. Im vierten Kapitel werden praktische Werkzeuge zur persönlichen Auslegung an die Hand gegeben. Im fünften Kapitel beschäftigt sich der Autor mit dem Zusammenhang zwischen Bibel und der Kultur der Niederschrift und der Kultur des (heutigen) Lesers. Im sechsten Kapitel werden noch einige nützliche Hilfsmittel zum Bibelstudium genannt. 

Drei Aspekte aus dem Inhalt des Buches

Der Gefühlschrist

Der Gefühlschrist will Gott nicht erkennen, sondern ihn „erleben“. Daraus resultiert ein geringer Stellenwert der Bibel. Das bedeutet in der Konsequenz ein geistliches Leben, dessen Pegel immer auf Höhe der Gefühle ist. Anstatt sich von der Wahrheit des Wortes beeinflussen zu lassen, vertraut man lieber den eigenen Gefühlen. Das kann so weit gehen, dass die eigenen Gefühle der letztendliche Maßstab für Wahrheit werden. Wenn also die Schrift zum Beispiel das volle Heil in Christus bezeugt, ist es möglich, dass der Gefühlschrist diese Tatsache verleugnet, da seine Gefühle ihm sagen, er müsse zu seinem Heil noch eigene Leistungen hinzufügen. Dabei richtet sich die Bibel in erster Linie an den Verstand. Das bedeutet nicht, dass Gefühle keine Rolle spielen. Aber sie erwachsen erst aus dem richtigen Verstehen der Schrift. Je höher das Wissen und die Erkenntnis der bzw. über die Schrift sind, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dementsprechende Gefühle zu entwickeln. Dabei ist aber immer die Reihenfolge entscheidend: Erkenntnis und dann Gefühle.

In dem dazugehörigen Kapitel benennt Sproul die Gefahr des falschen Maßstabs, wenn Gefühle über das Wort Gottes gesetzt werden. Daraus kann eine große seelsorgerliche Herausforderung resultieren: Gerade in gemeindlichen Hintergründen mit anthropozentrischer Theologie wird (mehr oder weniger) bewusst der Mensch in den Mittelpunkt gestellt, was häufig Probleme mit der Heilsgewissheit zur Folge haben kann. Hier ist es wichtig, die objektive Wahrheit des Wortes deutlich zu machen, aus der dann die subjektive Glaubenserfahrung erst entspringen kann. Dabei ist entscheidend, dass diese Tatsache auch faktisch in die offizielle Lehre der Gemeinde aufgenommen wird und Einfluss auf die Homiletik hat. Denn letztendlich ist primär die wöchentliche Predigt eine der Hauptquellen des geistlichen Lebens. In dieser Hinsicht wäre es auch wichtig, den Zusammenhang zwischen der Schrift, dem Heiligen Geist und der persönlichen Erfahrung zu klären, da hier durch ein falsches Verständnis oft Missverständnisse entstehen, die jemanden erst zum „Gefühlschristen“ werden lassen.

Implizite Aussagen durch explizite Stellen belegen

Indirekte Aussagen ergeben sich oftmals aus dem Text, stehen aber nicht ausdrücklich dort. Bei der Auslegung der Schrift besteht die Gefahr, indirekte Aussagen als direkte Aussagen des Textes zu erklären. Viele Unterschiede in Lehrauffassungen entstehen, weil man Dinge aus Textstellen schließt, die nicht ausdrücklich gesagt werden. Im schlimmsten Fall widerspricht eine Implikation einer expliziten Textstelle; wenn dieses der Fall ist, muss die Implikation in jeder Hinsicht abgelehnt werden. Falsche Implikationen werden vor allem dann gemacht, wenn man zu schnell etwas in den Text hineinlesen möchte und mit seinem vorgefassten Lehrgebäude die Stelle erklären möchte. Mit diesem Prinzip hängt auch die Regel zusammen, unklare Aussagen im Licht des Eindeutigen zu erläutern. Wenn man diesen Gesamtaspekt nicht beachtet, besteht die Gefahr, Sonderlehren aufzustellen, die sektiererischer bzw. esoterischer Natur sind. Entscheidend bei der Arbeit mit dem Text ist deshalb große Sorgfalt und Unvoreingenommenheit.

Bibel und Kultur

Beim Themenkomplex „Bibel und Kultur“ gibt es zwei Problemfelder: Zunächst ist es schwierig, die entsprechenden Textstellen zu verstehen und präzise auszulegen, da die Kultur zur Zeit der Niederschrift rekonstruiert werden muss. Je besser der kulturelle Hintergrund (vor allem des ersten Jahrhunderts nach Christus) verstanden wird, desto leichter ist es, Texte aus dieser Zeit richtig zu verstehen. Das zweite Problemfeld besteht darin, dass der subjektive kulturelle Einfluss des heutigen Lesers ihn bei der Lektüre beeinflusst und möglicherweise zu Falschauslegungen führt. Daher ist es notwendig, das reformatorische Prinzip des „Tabu-la-rasa“ anzuwenden und möglichst alle subjektiven Einflüsse bei der Bibellese auszuschalten. Da dies nicht vollständig möglich ist, muss das Ziel sein, die subjektive Wahrnehmung des Lesers in einer Art Zirkel immer mehr von der objektiven Wahrheit der Schrift zu prägen. 

Fazit

Dieses Buch ist im Grunde uneingeschränkt zu empfehlen. Auch wenn der deutsche Titel etwas unglücklich ist und sich das Buch eher weniger mit konkreten hermeneutischen Werkzeugen befasst, äußert Sproul doch sehr wertvolle Gedanken zum grundsätzlichen Verständnis von Gottes Wort, die einer Textanalyse vorausgehen sollten. Das Buch ist für wenig Geld beim Betanien-Verlag zu erwerben.

Walter Hooper: The Life and Writing of C.S. Lewis

Meine heutige Beschäftigung hat es mir ermöglicht, nebenbei Eric Metaxas‘ Interviews mit Walter Hooper über das Leben und Schreiben von C.S. Lewis zu hören (oder habe ich die Interviews gehört und mich nebenbei beschäftigt?).

Wie dem auch sei: Ich möchte alle, die sich für C.S. Lewis interessieren, dazu ermutigen, sich das dreiteilige Interview tatsächlich anzuschauen. Walter Hooper hat im Grunde sein ganzes Leben dem Sammeln und Veröffentlichen von Lewis‘ Schriften gewidmet. Jeder, der heute gerne C.S. Lewis liest, ist Hooper zu großem Dank verpflichtet. Einige von Lewis‘ Essays hat er sogar knapp vor dem Verbrennen gerettet!

Wer mehr wissen möchte, hier:

Hier geht es zu Teil 2 und Teil 3.

Auszüge aus „Wie kann man Gott gefallen?“ A.W. Tozer

In dem Kapitel  „Kirchenzugehörigkeit: Kein Ersatz fürs Handeln“ finden sich ermahnende und ermutigende Aussagen, die uns Christen heute mindestens ebenso gut einen Spiegel vorhalten wie zur Zeit der Abfassung des Buches. Hier einige Zitate:

„Der höchste Zweck des Christentums besteht darin, dass Menschen
Gott ähnlich werden, damit sie so handeln wie Gott. In
Christus folgen die Verben sein und tun einander in dieser Reihenfolge.

Wahres Christentum führt zu moralischem Handeln. Der einzig
wahre Christ ist der praktizierende Christ. […]

Cicero, der römische Redner, warnte einst seine Hörer, sie stünden
in Gefahr, die Philosophie zum Ersatz für das Handeln zu
machen, anstatt ihr zu erlauben, Handlungen hervorzubringen.
Was für die Philosophie gilt, gilt auch für das Christentum. Der
christliche Glaube war nie dazu da, als Endzweck noch als Ersatz
für irgendetwas anderes betrachtet zu werden. In den Köpfen
mancher Lehrer gibt es einen Gegensatz zwischen Glauben
und moralischem Verhalten, und jeder Gottsucher hat sich zwischen
beiden zu entscheiden. Hier geht es um das bekannte Entweder/
Oder: Entweder haben wir Glauben oder wir haben Werke,
und der Glaube rettet uns, während die Werke uns verdammen.
Aus diesem Grunde die ungeheure Überbetonung des Glaubens
und eine Apologetik in der modernen Evangelisation, die
an der Lehre von der persönlichen Heiligung nichts Gutes lässt.
Dieser Irrtum hat die moralischen Standards der Kirche gesenkt
und dazu beigetragen, uns in die Wüste zu führen, in der wir uns
zurzeit befinden.

Richtig verstanden ist der Glaube kein Ersatz für moralisches
Verhalten, sondern ein Mittel dazu. Der Baum steht nicht im
Gegensatz zur Frucht, sondern ist die Voraussetzung dafür.
Frucht, nicht Bäume, sucht Gott in Seinem Garten; darum ist
christliches Verhalten das Ziel des christlichen Glaubens. Werke
gegen Glauben auszuspielen, bedeutet die Frucht zum Feind
des Baumes zu machen; und genau das haben wir fertig gekriegt.
Ja, und die Folgen sind verheerend. […]

In der Praxis können wir dies subtile (und oft unbewusste) Ersetzen
feststellen, wenn wir hören, wie ein Christ sagt, er wolle »über
einem Problem beten«, wobei er genau weiß, dass er das Gebet als
Ersatz fürs Handeln nimmt. Es ist viel leichter zu beten, die Nöte
eines armen Freundes möchten beseitigt werden, als tatkräftig für
Abhilfe zu sorgen. Jakobus´ Worte glühen vor Ironie:
Wenn aber ein Bruder oder eine Schwester dürftig gekleidet
ist und der täglichen Nahrung entbehrt, aber jemand unter
euch spricht zu ihnen: Geht hin in Frieden, wärmt euch und
sättigt euch! Ihr gebt ihnen aber nicht das für den Leib Notwendige,
was nützt es? (Jakobus 2,15-16). […]

Ein richtiges Verständnis der ganzen Sache wird das falsche und
künstliche Entweder/Oder zerstören. Dann werden wir nicht
weniger Glauben, aber mehr gottesfürchtige Werke haben, nicht
weniger Gebet, aber mehr Dienst, nicht weniger Worte, aber mehr
heilige Taten, kein schwächeres Bekenntnis, aber mutigeres
Besitzergreifen, nicht Religion als Ersatz fürs Handeln, sondern
Christentum in glaubensvoller Aktivität.
Und was hieße das anderes, als dass wir zur Lehre des Neuen
Testaments zurückgekehrt sind?